Fechten - Björn Hübner-Fehrer wollte nach Tokio 2020 eigentlich aufhören – und nun? / Trainer bleibt der größte Berufswunsch Für Olympia: Nochmals Risiko

Von 
Michael Fürst
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Für Säbelfechter Björn Hübner-Fehrer vom Club Future Fencing Werbach war die Olympia-Absage erst einmal „nicht so toll“. Jetzt will er noch ein Jahr dranhängen. © dpa

Für den Außenstehenden ist so eine Verschiebung der Olympischen Sommerspiele erst mal gar nichts so Besonderes: 2021 statt 2020? Na und! Doch was diese Verlegung teilweise für die Athleten bedeutet, zeigt das Beispiel von Björn Hübner-Fehrer, dem Säbelfechter von Future Fencing Werbach. Eigentlich wollte er nach Tokio 2020 aufhören, maximal noch eine ausklingende Saison dranhängen. Und jetzt?

Zur Person Björn Hübner-Fehrer

Björn Hübner wurde am 22. Januar 1986 in Bad Mergentheim geboren.

Er focht zunächst für den Fecht-Club Werbach, bevor er zum FC Tauberbischofsheim wechselte. Seit anderhalb Jahren startet er wieder für Future Fencing Webach.

Schon als Junior sammelte er Erfolge: 2004 wurde er in Espinho Vizeeuropameister in der Einzelwertung und Europameister mit der Mannschaft. Bei der Juniorenweltmeisterschaft 2005 in Linz gewann er die Bronzemedaille in der Einzelwertung und Gold mit der Equipe.

Die Einzel-Bronzemedaille bei der EM der Herren 2009 in Plovdiv war sein erster großer internationaler Einzelerfolg.

2010 wurde er erstmals Deutscher Einzelmeister bei den Senioren, dazu kommen insgesamt drei Titel mit der Mannschaft.

Sein größter Erfolg ist der EM-Titel mit der Deutschen Mannschaft 2019.

Schon 2012 war Björn Hübner bei Olympia in London mit der deutschen Mannschaft am Start und wurde dort Fünfter.

Der 34-Jährige ist aktuell noch Sportsoldat (seit 2005) und hat eine abgeschlossene Tischler-Lehre. Zudem ist er Diplomtrainer. mf

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„Die Entscheidung, die Olympischen Spiele zu verlegen, ist natürlich absolut nachvollziehbar und das einzig Richtige. Aber für mich persönlich war sie sicher nicht die tollste“, sagte er gestern im FN-Telefonat. Ende April waren Gespräche mit Säbel-Bundestrainer Vilmos Szabo und Sven Ressel, dem Sportdirektor des Deutschen Fechter-Bundes, anberaumt, in denen ausgelotet werden sollte, inwiefern Hübner-Fehrer 2020/21 eventuell eine Trainerstelle hätte antreten können. Und auch privat war Großes geplant: Nach der standesamtlichen Hochzeit mit Julia Fehrer im Juni 2019 wollte das Paar im September kirchlich heiraten und eine Familie gründen. Aber nun? „So unvollendet will ich meine Karriere nicht beenden. Jetzt heißt das Ziel 23. Juli 2021.“ Alles sei natürlich mit seiner Frau abgesprochen.

Rückblende: 2016 hatte der damals 30-Jährige beschlossen, nochmals eine Olympiade dranzuhängen, um sich mit der deutschen Säbel-Nationalmannschaft für „die Spiele“ in Tokio zu qualifizieren. Das war natürlich gleich in mehrfacher Hinsicht ein Wagnis, denn einerseits war Hübner-Fehrer damals gerade dabei, sein Trainer-Diplom „zu bauen“ und andererseits war er nicht mehr unumstrittener „Stammfechter“. Er pendelte stets zwischen Position vier und fünf im Team. Hierzu muss man wissen: Nur vier Fechter einer Nation dürfen mit zu Olympia. Und freilich war ja noch lange nicht klar, ob sich das deutsche Team überhaupt qualifizieren würde.

Bilderbuch-Finale

Und dann gelang dieses Bilderbuch-Finale: Beim Mannschafts-Weltcup am 8. März in Luxemburg ging es um die Wurst: Mit dem Einzug ins Halbfinale war das Olympia-Ticket für die deutsche Equipe fix gebucht. 44:44 stand es dann im Gefecht um Platz drei. Der nächste Treffer musste entscheiden. Björn Hübner-Fehrer stand keinem Geringeren als dem Doppel-Olympiasieger Áron Szilágyi gegenüber. Fertig, los! Paff. Der Werbacher setzte den Treffer. 45:44. Es war die Eruption der Emotionen – bei ihm, bei seinen Mannschaftsgefährten und beim Trainerteam. „Ich glaube schon, dass ich der Mannschaft guttue“, sagte er mit einem Augenzwinkern. Ob er allerdings in Tokio dabei gewesen wäre, war noch nicht geklärt. Bundestrainer Szabo wollte noch mit der Nominierung warten, auch weil „Stammfechter“ Benedikt Wagner aktuell schwer am Knie verletzt ist.

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„Wer mich kennt, der weiß, dass ich kein Risiko scheue“, sagte er gestern, und sein Tatendrang hörte man ihm durchs Telefon sehr deutlich an. Björn Hübner-Fehrer wird also noch ein Jahr dranhängen, und das trotz der Unbekannten, ob er überhaupt für Olympia 2021 in Tokio nominiert wird. „Jetzt heißt es, sich ein Jahr lang zu positionieren.“ Das meint er individuell, aber vor allem als Mannschaft.

Aktuell hält er sich daheim mit Laufen, „Stabi“-Übungen und im eigens in Teilheim (bei Würzburg) eingerichteten Kraftraum fit – anderthalb bis zwei Stunden täglich. Fechtspezifisch kann er derzeit nicht trainieren; das ist noch verboten.

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Die Trainertätigkeit ist und bleibt sein Ziel. „Ob dieser Traum in Erfüllung geht, weiß ich nicht. Es mangelt ein wenig an Trainerstellen“, weiß er, da nutzt auch der Besitz der höchsten deutschen Trainerlizenz erst einmal nichts. Hübner-Fehrer vertritt die Meinung, dass es neben dem dominanten Dormagen noch eines zweiten starken Vereins in Deutschland bedürfe – einfach um die sportliche Reibung zu erhöhen. „Ich bin von hier und identifiziere mich mit der Region. Deshalb würde ich gerne hier etwas aufbauen“, sagt er voller Energie. Er hofft ein wenig, dass er von den verantwortlichen Stellen vier Jahre Zeit bekommen würde – nicht 2020, sondern nun eben erst ab Herbst 2021…

Ressortleitung Leiter der Redaktionen Buchen und Sport