Fechten - Beim 34. Turnier der Florett-A-Juniorinnen um den "Sparkassen-Cup" in Tauberbischofsheim dominieren erneut die US-Amerikanerinnen Ebert verfehlt ihr Ziel nur hauchdünn

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Michael Fürst
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Elegant: Zwar setzte das Tauberbischofsheimer Eigengewächs Leonie Ebert (links) beim Sparkassen-Cup in Tauberbischofsheim viele solcher Treffer wie hier im Halbfinale gegen Stefani Deschner, doch am Ende reichte es "nur" zu Rang drei.

© michael Fürst

Der Trost kam von besonderer Stelle: "Das war großes Kino. Leonie wird sich entwickeln, und ich bin zuversichtlich, dass sie die nächste olympische Medaille für uns holen kann. Sie ist besser als ich in diesem Alter." Diese Worte waren wie ein warmer Hauch ins Gesicht von Leonie Ebert, welcher die tränenbefeuchteten Wangen rasch trocknete. Keine Geringere als Anja Fichtel hatte die Leistung und die Entwicklung der 16-jährigen amtierenden Kadetten-Weltmeisterin gewürdigt, die gestern beim 34. "Sparkassen-Cup" im Olympiastützpunkt Tauberbischofsheim zwar ihr angestrebtes Ziel, den Turniersieg, verpasste, mit Rang drei aber wohlverdient auf dem Treppchen landete.

Ergebnisse des 34. Sparkassen-Cups in Tauberbischofsheim

  • Platzierungen: 1. Sylvie Binder (USA), 2. Stefani Deschner (USA), 3. Leonie Ebert (FC Tauberbischofsheim) und Natalie Minarik (USA), 5. Renata Tomczak (Polen), 6. Anastasia Semenova (Russland), 7. Anna Udovichenko (Russland), 8. Alexandra Sunduchkova (Russland).
  • Weitere deutsche Platzierungen: 24. Karoline Schmitz (OFC Bonn), 25. Kari Weiner (FC Moers), . . . , 32. Angelina Philipp (TFC Hanau), . . . , 40. Johanna Feron (FC Moers), . . ., Hanna Schnabel (SC Berlin), . . .51. Johanna Völker (SC Berlin), . . ., 53. Sophie Irene Brunets (VfL Kleve), . . ., 71. Sophia Werner (OSC Berlin), . . ., 74. Michelle Rauchfuß (FC Schkeuditz), . . ., 79. Maike Erhardt (TSG Weinheim), . . ., 86. Anne Kirsch (TSG Weinheim),. . .. 123. Mara Sofie Voeste (FC Tauberbischofsheim.).
  • Viertelfinale: Leonie Ebert - Alexandra Sunduchkova 15:5, May Tieu - Stefani Deschner 3:15, Renata Tomczak - Melissa Du 14:13, Yara Elsharkawy - Sylvie Binder 5:15.
  • Halbfinale: Ebert - Deschner 14:15, Binder - Tomczak 15:9.
  • Finale: Binder - Deschner 15:10.
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"Jetzt bin ich natürlich enttäuscht", sagte das derzeit größte Talent des FC Tauberbischofsheim nach ihrer äußerst unglücklichen 14:15-Halbfinalniederlage gegen Stefani Deschner aus den USA. 10:6 und 13:11 hatte sie geführt - und doch noch verloren. "Sie hatte zweimal die Chance, den Kampf zuzumachen", sagte Frauen-Florett-Bundestrainer Andrea Magro, der allerdings auch die offensichtliche Fehlentscheidung des Obmanns beim Stande von 13:13 ins Feld führte, als die Gegnerin aus den USA den Treffer zum 14:13 geschenkt bekam. Leonie Ebert selbst sah das gelassener: "Ich kann nicht alles auf diese eine Fehlentscheidung schieben." Insgesamt hatte Ebert an den beiden Turniertagen 17 Kämpfe gefochten, 16 gewonnen, und eben nur dieses verflixte Halbfinale mit einem Treffer Differenz verloren. "Da kann ich nicht unzufrieden sein", sagte Magro. Auch die etwa 800 Zuschauer in der gut gefüllten Emil-Beck-Halle goutierten die Leistung des FC-Talents mit viel Applaus und Wohlwollen.

So war es erneut Sylvie Binder aus den Vereinigten Staaten vergönnt, nach 2014 zum zweiten Mal in Folge den begehrten Pokal zu gewinnen, weil sie ihre Landsfrau Deschner im Finale deutlich mit 15:10 bezwang. Ja, diese Amerikaner waren erneut eine Klasse für sich bei diesem mit 217 Florett-Kadettinnen aus 23 Nationen stark besetzten "Sparkassen-Cup": 13 der letzten 32 Athletinnen kamen aus den USA, dagegen nur noch fünf aus Deutschland - mit Leonie Ebert kam nur eine Fechterin der schwarz-rot-goldenen Equipe ins Achtelfinale.

Fechten erlebt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten derzeit einen wahren Boom. Dies zeigt sich auch in der Person von Andrej Raisch. Er galt über Jahre hinweg als hoffnungsvolles Florett-Talent des FC Tauberbischofsheim. Doch sah der 21-Jährige in Deutschland keine Perspektive mehr, erhielt ein Angebot aus den USA, um dort in Boston in einer Privatschule als Trainer zu arbeiten. Das macht er nun seit etwa einem halben Jahr und kehrte am Wochenende als einer der diversen US-Coaches zurück in seine alte Heimat. "Das ist schon ein komisches Gefühl", sagte er; doch sei er von allen sehr freundlich empfangen worden.

Im Hintertreffen

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Raisch ist nicht der einzige junge Trainer, der im Ausland arbeitet: Ralf Bißdorf und Simon Senft zum Beispiel lektionieren in Singapur. Doch in Deutschland fehlen nicht nur die Trainer, sondern auch "das Material": "Wir brauchen Fechterinnen", sagte Andrea Magro und fügte an, dass der Deutsche Fechter-Bund (DFeB) sehr wohl wisse, dass man im Vergleich zur Weltspitze im Hintertreffen liege. "Da haben wir echt ein Problem." Andrea Magro wird es aber nicht alleine lösen können, und die verkrusteten Strukturen im deutschen Fechten erschweren das Hinterherhecheln.

Da ist es nur zu gut, dass mit Leonie Ebert ein Top-Talent heranwächst. "Sie will immer gewinnen", spricht ihr Trainer voller Anerkennung von ihrem Ehrgeiz. In ihren jungen Jahren hat sie bereits bei den Aktiven gefochten. "Das sind natürlich sehr hilfreiche Erfahrungen, weil man weiß, was abläuft und ruhiger ist", berichtet die aus Würzburg stammende Florett-Fechterin.

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Allerdings musste sie zugeben, dass solch ein Heimturnier auch einen gewissen Stress mit sich bringt, weil alle Augen auf sie gerichtet sind. Diesen Stress hatte sie sich aber auch ein wenig selbst gemacht, indem sie im Vorfeld davon sprach, den "Sparkassen-Cup" gewinnen zu wollen. "Ich wurde auch toll angefeuert. Leider hat es nicht ganz gereicht", sagte sie. Im nächsten Jahr kann Ebert nicht mehr mitwirken, weil sie in die Altersklassen der Junioren aufsteigt. Im Moment sieht es also so aus, als sei dieser dritte Rang von Leonie Ebert für einige Zeit der letzte Podestplatz für die Deutschen bei diesem so renommierten Turnier.