Fechten - Giovanni Bortolaso hat seine Arbeit als Frauen-Florett-Bundestrainer aufgenommen / Ausgang des "Falls Magro" weiter offen Der DFeB finanziert nun alleine

Von 
Michael Fürst
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Heute wird es für die deutschen Florett-Frauen wieder ernst: Im amerikanischen Long Beach beginnt der zweitägige Grand Prix. Leonie Ebert, Carolin Golubytskyi, Eva Hampel, Tamina Knauer und Anne Sauer (alle Fecht-Club Tauberbischofsheim) kämpfen dort um wichtige Punkte für die Weltrangliste. Dazu will sich jede einzelne natürlich im innerdeutschen Wettstreit möglichst gut präsentieren, schließlich geht es auch um die Qualifikation für die Heim-WM in Leipzig (19. bis 26. Juli). Während des Turniers wird die Nationalmannschaft erstmals seit dem "Fall Magro" von einem neuen Trainer betreut: Giovanni Bortolaso. Der Fechtmeister hat in der vergangenen Woche die Arbeit in Tauberbischofsheim aufgenommen.

Engagiert: Der Italiener Giovanni Bortolaso kehrt vom russischen Verband zurück zum Deutschen Fechter-Bund - zunächst übergangsweise.

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"Bortolaso ist ein international anerkannter und erfahrener Trainer", sagte Sven Ressel. Der Sportdirektor des Deutschen Fechter-Bundes (DFeB) erklärte auf Nachfrage, dass der Italiener die Stelle als Frauen-Florett-Bundestrainer zunächst interimsweise bekleiden wird, und zwar mindestens so lange, bis der Arbeitsgerichtsprozess mit dem seitherigen Amtsinhaber Andrea Magro ein Ergebnis gebracht hat. Diesem wurde zum 31. März gekündigt (wir berichteten mehrfach). Derzeit darf der Italiener den Olympiastützpunkt (OSP) nicht betreten, weilt aber weiter in Tauberbischofsheim. Der erste Gütetermin beim Arbeitsgericht Heilbronn findet am Dienstag, 4. April, in Tauberbischofsheim statt.

Giovanni Bortolaso ist in Tauberbischofsheim kein Unbekannter, schließlich arbeitete er schon von September bis Dezember 2012 im OSP, eher er zum russischen Verband wechselte. Nun ist er also zurück und soll ab sofort den gesamten Bundeskader im Frauen-Florett leiten. Sein Arbeitsort ist Tauberbischofsheim; der 52-Jährige wird allerdings, im Unterschied zu Andrea Magro, ausschließlich vom DFeB finanziert. Dies bestätigen sowohl Sven Ressel als auch Harald Stempfer, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des FC Tauberbischofsheim. Stempfer sagt zum ersten Eindruck von Giovanni Bortolaso: "Er war ein sehr angenehmer, ruhiger und übersichtlicher Gesprächspartner. Ich denke, dass er mit seiner ausgeglichenen und stilvollen Art eine Bereicherung im Trainerteam am Bundesstützpunkt sein kann."

"Froh, dass jemand da ist"

Und wie hat die Mannschaft reagiert, die sich doch so stark für den seitherigen Trainer Andrea Magro ausgesprochen hat und deshalb sogar beim DOSB vorstellig wurde? "Wir müssen das akzeptieren und sind zunächst einmal froh, dass jemand da ist", sagte Anne Sauer den FN. Die 25-Jährige erklärte, dass sich, da Bortolaso wie Magro auch Italiener ist, der gelehrte Fechtstil schon ähnele. Allerdings hat Anne Sauer im Vergleich zu Carolin Golubytskyi und Leonie Ebert während Bortolasos erster Amtszeit noch nicht mit diesem zusammengearbeitet. Auch deshalb nahm sie am vergangenen Sonntag, einige Stunden vor dem Abflug nach Los Angeles, noch eine Sonderlektion bei ihm. Der neue Trainer möchte sich im Moment öffentlich noch gar nicht äußern, und zwar so lange, bis die Vertragsmodalitäten endgültig geklärt sind.

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Ohne der Verhandlung am Arbeitsgericht vorgreifen zu wollen, hält Sportchef Ressel eine Rückkehr Magros für "unrealistisch". Bortolaso soll die "Dauerlösung" werden.

Ressortleitung Leiter der Redaktionen Buchen und Sport