Speyer

Religion Kabinettausstellung zeigt die regionale Reformationsgeschichte im Historischen Museum in Speyer

Luthers Wirken in der Pfalz

Archivartikel

Speyer.Wer sich für die Geschichte der pfälzischen Protestanten interessiert, sollte dem Historischen Museum der Pfalz am Domplatz unbedingt einen Besuch abstatten. Dort gibt es seit dieser Woche die Sammelausstellung "Luther, die Protestanten und die Pfalz".

Das Museumsteam bietet seinen Besuchern eine kleine, aber feine Kabinettausstellung zur Reformation. Zusammengestellt vom Team Ludger Tekampe / Wolfgang Knapp und ausgestaltet von der Mannheimer Innenarchitektin Regina Hauber, bietet die informative Schau mit modernem Konzept, zahlreichen Exponaten, großformatigen Lichtbildern, einer Hör- und Medienstation sowie einem Film zur Reformationsgeschichte eine ausgezeichnete Gelegenheit, sich mit der Thematik zu beschäftigen.

Obwohl der Ausstellungstitel dies suggerieren könnte, hat Luther die Pfalz nie besucht. Sein Wirken hatte jedoch großen Einfluss auf die Entwicklungen in der Region mit teils umwälzenden Veränderungen. Erinnert wird beispielsweise an den Stellenwert Speyers in jener Zeit, als auf den Reichstagen 1526 und 1529 hier Entscheidungen von weitreichender Bedeutung getroffen wurden.

Luther-Bibel und Katechismus

Auf der Sammlung zur Geschichte der Evangelischen Kirche der Pfalz basierend, aber in Inhalt und Gestaltung grundlegend überarbeitet, ermöglicht die Präsentation einen Überblick über 500 Jahre Protestantismus, beginnend von der Frühzeit bis in die Gegenwart. Im Zentrum der Betrachtung stehen Schlüsselgestalten wie Martin Luther, Philipp Melanchthon, Martin Bucer und Johannes Calvin. Zu den herausragenden Exponaten zählen eine Luther-Bibel, ein Exemplar des Heidelbergers Katechismus sowie zwei Wappenträger aus Sandstein vom ehemaligen Speyerer Ratshof. Dort haben die Reichstage 1526 und 1529 stattgefunden.

Regionale Bezüge veranschaulicht auch ein Ölgemälde des Kurfürsten Ludwig V., was ebenso für das 1931 von Friedrich Ulm gemalte Historienbild vom Protestations-Reichstag 1529 gilt. Drei Turmhähne aus dem 16. und 17. Jahrhundert zierten einst Kirchen in der Pfalz. Aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammen Abendmahlsgeschirr und Kirchenstuhlschilder. In Wort und Bild informiert die Ausstellung ferner über den Bauernkrieg, die Kirchenunion von 1818 und die zur Erinnerung an den Protestationsreichstag erbaute Gedächtniskirche.

Dem NS-Regime gefolgt

Nicht ausgespart werden auch Herausforderungen, denen die Evangelische Kirche der Pfalz aus heutiger Sicht nicht immer gewachsen war. Beispielhaft nachzulesen ist es etwa im Evangelischen Kirchenboten vom 29. März 1936. Dort heißt es auszugsweise: "Zur Vollendung der vollen nationalen Freiheit der Deutschen in der Westmark des Reiches danken wir aus übervollem Herzen dem ewigen Gott, das er dieses Wunder vor unseren Augen dem Führer hat gelingen lassen und bitten um seinen Segen auch weiterhin für Führer und Volk".

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