Schwetzingen

Auf Entdeckertour Unser Reporter auf Kurzweil-Suche für die Ferienzeit / Zu Hause muss es nicht langweilig werden / Vom Blau-Museum bis zur Schwetzinger Hardt

Kleine Oasen abseits des Alltags

Archivartikel

In den Sommerferien vermutet man das Schöne und Unbekannte ja meist eher in einiger Entfernung. Die Ferne verheißt Entdeckung und Abwechslung. Das Zuhause erscheint dagegen eher geprägt von Alltag und kennt man schon. Doch dieser Schein trügt.

Denn auch Schwetzingen ist voller Orte, und Geschichten, die noch längst nicht alle gesehen oder gar gehört haben – das Schwarze Loch zum Beispiel oder der Seerosenteich in der Schwetzinger Hardt, der Hexenkeller unter dem Sonnentempel im Schlossgarten oder das herrliche Arboretum. Letzteres ist der Teil des kurfürstlichen Gartens, der zu früheren Zeiten nur Carl Theodor zugänglich war und noch heute als abgeschiedene Oase erscheint. Im „Museum Blau“ begegnet man dem Gespenst „Spukiblu“ und mit geschlossenen Augen über die chinesische Brücke gehen ist wichtig. Es gibt eine beachtliche Zahl von mindestens dunklen, wenn nicht schwarzen Flecken auf der kurfürstlichen Karte. Auf dem Weg zu diesen wird man nicht gleich ein Christopher Columbus (Amerika), Roald Amundson (Arktis), James Cook (Hawaii) oder David Livingstone (Afrika). Aber Spaß macht es – und die Ferien zu Hause fühlen sich gleich ganz anders an.

Relativ viele schwarze Flecken vermuten die Leiterin der Touristinformation, Christiane Drechsler und ihre Kollegin Karin Erle in der Schwetzinger Hardt. Auf einer Fläche von über drei Hektar bietet dieses größte regionale Waldschutzgebiet in Baden-Württemberg Erholung und Abenteuer ohne Ende. Zu Fuß oder mit dem Fahrrad lockt dieser Wald wie das Häuschen der Knusperhexe. Wildtiergehege mit Wildschweinen und Rotwild bei Oftersheim und ganz viel fantastische Abenteuer für Kinder, Spaziergänge für Verliebte, Fitnesswalk für Sportbegeisterte oder einfach etwas Ruhe und Entschleunigung für alle. Und noch zwei paradiesische Orte verstecken sich hier: Das Schwarze Loch und der Seerosenteich wirken fast etwas verwunschen. Sie finden sich auf der Fahrradkarte „Südliche Kurpfalz“ (erhältlich in der Touristinformation). Beim Suchen kommen beachtliche Entdeckergefühle auf.

„Wunderbare Spielplätze“

Zugegeben, der Schlossgarten ist touristisch erschlossen. Und trotzdem gebe es hier verlassene Ecken, in die sich nur sehr wenige verirrten. Ganz vorne hier das Arboretum. Der Teil des Gartens, der früher dem Kurfürsten und seiner engsten Entourage vorbehalten war und noch heute fast als kleine unbekannte Oase daherkommt. Ummauert gibt es hier nur zwei Zugänge und im Inneren offenbart sich dem Besucher ein Stück erhabener Natur. Exotische, seltene Bäume an einem Weg rund um einen kleinen See. Hier eine Zeitung oder ein Buch zu lesen, wird zum Ereignis.

Das mit dem Ereignis gilt auch für den Hexenkeller unter dem Sonnentempel und die römischen Wasserleitungen (Aquädukt). Orte im Schlossgarten, an denen sich gerade für Kinder die Zeit zu dehnen scheint. In Erinnerung an die eigene Kindheit, die sich zu einem beachtlichen Teil hier abgespielt haben soll, geraten Drechsler und Erle noch heute ins Schwärmen: „Einfach wunderbare Spielplätze.“

Ganz wichtig war damals auch die chinesische Brücke. Früher eher bekannt als „Lügebrückl“ galt es sie mit geschlossenen Augen zu überqueren, wer stolperte, nahm es mit der Wahrheit nicht so ernst (siehe SZ vom Donnerstag, 23. August, Seite 10). Das mit dem Nicht-Stolpern sei hier, so Drechsler, übrigens eine ziemliche Herausforderung.

Und wenn der Himmel mit Blau etwas zu geizen beginnt, springt sozusagen das „Museum Blau“ gegenüber vom Rathaus in die Bresche. Gerade für Kinder hat der Initiator und Macher Dr. Dietmar Schuth mit „Spukiblu“ und „Tinti mit Kringeln“ zwei Highlights im Programm. Bei ersterem gibt es gespenstige Abenteuergeschichten und bei letzterem lernen die Kinder die Blauringkrake kennen, ein wunderschön anzusehendes, aber enorm giftiges Tier.

Schwetzingen als „Terra incognita“ führt sicher etwas zu weit. Aber die Residenz birgt über das Offensichtliche hinaus eine beachtliche Zahl von kleinen und größeren Geheimtipps zum Neu- oder Wiederentdecken.

Termintipps im „Museum Blau“: Geschichten zu „Spukiblu“ gibt es mittwochs, 12. und 19. September, jeweils ab 16.30 Uhr. Und „Tinti mit Kringeln“ wird Kindern zwischen acht und zehn Jahren am Mittwoch, 26. September, zwischen 15.30 und 16.30 Uhr vorgestellt.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional