Schwetzingen

Kinder, wie die Zeit vergeht

Gert Häusler über die Veränderungen bei vertrauten Dingen

As time goes by . . . (Wie die Zeit vergeht) an diesen Klassiker aus dem Film „Casablanca“ musste ich kürzlich beim Stöbern im Internet denken. Auf der Website eines unserer Lieblingshotels im Schwarzwald sprang mich der Button „Lust auf Sylt?“ förmlich an, den Hinweis auf ein „Schwesterhotel“ hatte ich hier nicht erwartet. Presseartikel brachten die Lösung: „Unser“ Hotel wurde von der Eigentümerfamilie aus privaten Gründen an eine Unternehmerfamilie abgegeben, die eine kleine Hotelkollektion aufbaut und sich vom Norden aus auch Filetstücke im Süden einverleibt.

Somit ist auch das Schwarzwälder „Genießertal“ nicht mehr ausschließlich in Familienhand. Man mag dies bedauern, gab doch gerade die persönliche Handschrift über Generationen den Gästen ein heimatliches Gefühl. Die Gründe sind unterschiedlich, oft sind es der harte Wettbewerb oder die Nachfolgefrage.

In kleinen und mittelgroßen Städten und Gemeinden steigen die Leerstandszeiten nach einer Geschäftsaufgabe und die Neugeschäfte haben, ohne manchen Nachfolgern zu nahe zu treten, nur selten die Qualität von den früheren lokalen Platzhirschen. Bei den großen Ladenketten, die folgen, sitzen dann zumeist spitze Rechner in den Zentralen und fackeln nicht lange, wenn die geforderten Zahlen nicht zügig erreicht werden. Dann, Mietvertrag hin oder her, werden die Geschäfte halt ruckzuck wieder geschlossen.

In unzähligen Orten gibt es auch schon keine Gaststätten mehr, wo sich alle treffen können. Andernorts hält die oft kurzlebige System- oder Eventgastronomie Einzug. Ganz oben im Wirtschaftsleben gibt es die einst be-rühmte „Deutschland AG“ nicht mehr – prägende Unternehmen, die ein Grundverständnis einte. Aktuell fällt die führende Bank Deutschlands aus dem europäischen Aktienindex und der einst stolzeste deutsche Autobauer ist schon in erheblichem Umfang in chinesischer Hand.

Aus unserem größten Technikkonzern kamen Planspiele, bei denen es mal um die Entlassung von 20 000 Arbeitnehmern geht. Auf der Strecke bleibt das früher vorhandene Vertrauen in die Fürsorgebereitschaft eines Arbeitgebers.

Auch das kommunale Leben wird zunehmend davon betroffen sein, dass Großunternehmen aus „globaler Marketingsicht“ in der Förderung von kleinen Amateurvereinen, lokalen Kulturveranstaltungen oder Hilfseinrichtungen keinen wirklichen Mehrwert mehr sehen, wenn sie auch Stars für ein „Mega-Event“ sponsern können. Es wäre geträumt, diese Entwicklungen nicht realistisch zu sehen.

In unserer kleinen lokalen Welt wird es darauf ankommen, den Blick für das große Ganze zu schärfen. Angefangen bei der Suche, Ausbildung und Unterstützung von „Geschäftsnachfolgern“ bis hin zu verantwortungsvoll und zukunftsorientiert handelnden Vermietern und Banken. Nicht zu vergessen: Es geht um uns Kunden, die diese Angebote vor Ort dann auch regelmäßig nutzen.

Denn, ob gut oder schlecht, am Ende eines Jahres werden wir bestimmt wieder „as time goes by“ sagen.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional