Schwetzingen

Datenschutzgrundverordnung Vereine haben sich meistens Unterstützung bei sachkundigen Mitgliedern und ihren Verbänden geholt / Kritik an Politik

Jede Menge Zeit, Arbeit und Nerven investiert

Die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) hat mittlerweile alle Vereine beschäftigt. Wir haben uns bei einigen Vorsitzenden erkundigt, ob und wie sie das Thema umgesetzt haben und was sie davon halten.

Jürgen Pfau (Budo-Club): Unser Webmaster hat dies umgesetzt. Ich weiß nur es war ein Akt, er hat Stunden damit verbracht. Die EU kostet nun auch uns Vereine Zeit und Nerven.

Dr. Marc Hemberger (DLRG): Wir haben uns früh damit befasst, auch weil wir einen starken Bundesverband haben, der uns viel geholfen hat und da ich beruflich mit der technischen Seite befasst bin. So furchtbar ist es nicht. Man darf nur nicht alles glauben, was die, die Geld damit verdienen können einem weismachen wollen. Ach ja, und natürlich die Politik, die dieses durchaus sinnvolle Gesetz mit Schwächen für Vereine für ihre Zwecke missbraucht. Ist ja ein Gesetz der EU und dann noch der Grünen. Und da ist es egal, dass ein Parlament darüber abgestimmt hat. Schlecht war die Information darüber im Vorfeld.

Sabine Rebmann (Sängerbund): Unser förderndes Mitglied Joachim Schäfer) hat sich, da er auch beruflich in diesen Dingen befasst ist, damit näher auseinandergesetzt. Die Sitzung, in der er die Vorstandsmitglieder über die notwendigen Regularien aufklärte, war einer der längsten Sitzungen, an die ich mich erinnern kann. Die Vorstandsmitglieder, die mit den Mitgliederdaten direkt zu tun haben, bekamen noch eine Extra-Unterweisung und mussten auch eine „Belehrungserklärung“ unterschreiben, dass sie immer pfleglich mit den Daten umgehen und über die Bedeutung der Daten speziell unterrichtet wurden. Alle aktiven Mitglieder sowie die Eltern der Kinderchormitglieder haben eine Zustimmungserklärung unterschrieben, dass sie mit der Bild-und Tonaufnahme bei Konzerten und Auftritten einverstanden sind. Bei den fördernden Mitgliedern sind wir noch dabei, diese Unterschriften einzuholen. Freundeskreis-Besucher sowie die Mitglieder, die beim diesjährigen Gartenfest waren, haben es schon getan. Da beim Freundeskreis auch Gäste sind, die kein Mitglied sind, mussten wir wegen den Bildrechten auch von diesen die Unterschriften einfordern. Im Mitteilungsheft, das jedes Quartal an die Mitglieder verteilt wird, stehen auch immer die Geburtstage der Mitglieder – ohne Jahresangabe. In der Ausgabe III/2018 vom Juli fehlen diese drei Seiten. Wir haben stattdessen auf die Datenschutzgrundverordnung hingewiesen und die Mitglieder aufgefordert, sich zu melden, falls sie nicht mehr auf diese Geburtstagsliste wollen. Die Frist ist am Sonntag abgelaufen und es hat sich keiner dagegen ausgesprochen. Im Gegenteil: Ich bekam eigentlich nur positive Rückmeldungen.

Jens Rückert (Stadtmarketing-Verein): Die Anforderungen der neuen Datenschutzgrundverordnung sind in der Datenschutzerklärung auf unserer Website umgesetzt. In ihr finden sich alle wichtigen Informationen und Widerrufshinweise. Im Kontaktformular werden persönliche Daten – Name und E-Mail-Adresse – erst nach einer entsprechenden Einverständniserklärung zur Bearbeitung des Anliegens verwendet.

Simon Abraham (Musikverein): Datenschutz gab es selbstverständlich auch vorher schon bei uns im Verein. Wir verwenden eine Software zur Mitgliederverwaltung, diese unterliegt ohnehin strengen Datenschutzbestimmungen. Die DSGVO haben wir zum Anlass genommen, nochmals zu schauen, an welchen Stellen wir uns noch weiter verbessern können. Wir verfallen jetzt aber auch nicht in Panik oder übertriebenen Aktionismus. Daher ja, wir haben uns schon mit der DSGVO befasst oder sind bei einzelnen Maßnahmen noch in der Umsetzung. Wichtig ist uns die Information unserer Mitglieder, daher informieren wir unsere Mitglieder umfassend in einem Extra-Kapitel durch unsere Vereinszeitschrift, die nächste Ausgabe erscheint in Kürze. Unterstützung erhalten wir durch den Blasmusikverband BW sowie Austausch mit anderen Vereinen und eigene Vorstandsmitglieder mit juristischen Background. Datenschutz ist wichtig keine Frage, aber Hauptadressaten der DSGVO nicht die Vereine, wenngleich wir ebenso gefordert sind. In Vereinen sind Werte wie Vertrauen und Integrität noch stärker verankert, in der Regel kennt man sich. Leider ist Datensicherheit global betrachtet auch immer im Kontext von Datenmissbrauch durch Unternehmen, wirtschaftlichen Interessen bis hin zu kriminellen Auswüchsen zu sehen, so dass der Schutz der Verbraucher unumgänglich ist.

Stephan Englert (Reservistenkameradschaft): Wir handhaben das ganz nach den Statuten des Reservistenverbandes. Bei unseren Veranstaltungen weisen wir am Stand darauf hin, dass es ein öffentlicher Bereich ist, dass Fotoaufnahmen gemacht werden. Ansonsten halte ich mich wie sonst auch an die Vorgaben von Verband und Bundeswehr, wie was zu handhaben ist. Es wird aber auch zu viel hochgeputscht. ali/ Bilder: SZ-Archiv

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