Schwetzingen

Dr. Seltsam

Gert Häusler wundert sich über so manche Namensfindung

Als ich neulich eine Flasche Wein öffnete, es war ein schlichter aber wohlschmeckender Dornfelder aus Rheinhessen, musste ich an ein Filmkunstwerk aus der Mediathek denken, das vor über einem halben Jahrhundert gedreht wurde: „Dr. Seltsam“ mit Peter Sellers. Vom Film erinnere ich mich nur noch, dass es um einen geistesgestörten US-General geht, der auf eigene Faust einen Atomkrieg führen will und an den Namen Dr. Seltsam.

Die Verbindung zu meinem Wein ist schnell erklärt, heißt er doch nicht einfach Dornfelder, sondern auf schwarzer Flasche mit weißer Schrift: „From Dusk Till Dawn“. Da meine Gedanken bei einem guten Glas Wein gerne auf Reisen gehen, beschäftigte ich mich noch etwas mehr mit Namen und Bezeichnungen, die Aufmerksamkeit erwecken sollen.

Was einem sofort in den Sinn kommt, sind die Promikinder, die sich mit allerlei Vornamen herumschlagen müssen, die oft nur wenig Sinn machen, aber auffällig sind. Manche Firmennamen gehören in die Kategorie verunglückt oder auch krampfhaft originell. Es gibt inzwischen eine ganze Branche, die sich um Namensfindungen kümmert.

In diversen Hitlisten und Blogs werden „gelungene“ Beispiele aufgeführt. Die Fahrschulen Beule, Folter oder Schrott (Namen der Inhaber) wirken wahrscheinlich auf Anfänger wenig anziehend, wie auch die Namen des Elektrogeschäftes Schlag, der Autohäuser Rost oder Rumpel & Stark, der Bäckerei Schimmel oder des Baugeschäftes Bruchhaus nicht den positivsten Klang haben.

Fast in jeder Stadt gehäuft anzutreffen sind Friseursalons. Sie nennen sich aber nur noch ausnahmsweise so. Vom Kopfgärtner, Kopfsalat, Alpenkamm, Hairoin über Kaiserschnitt (!) und Herzschnittmacher bis zur fast normalen Haarpracht ist alles dabei. Da ich naturgegeben kein Haarspalter bin, habe ich mich beim „Hairstyler’s Schnittchen“ wieder mit dem Wein beschäftigt und herausgefunden, dass auch die Weinfantasie offenbar keine Grenzen kennt: Born to be wild (Pinot Blanc de Noir) und Kleines Schwarzes (Dornfelder trocken) können das Quäntchen Glück (Pinot Blanc) sein. Vielleicht bin ich ja etwas „Old School“, aber gute Leistung, nicht nur beim Essen und Trinken, sind für mich wichtiger als kunstvolle Namen, umso besser, wenn beides zusammenkommt.

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