Reilingen

Evangelische Kirchengemeinde Architektur des neuen Gemeindehauses besprochen / Baugenehmigung für 1,5-Millionen-Projekt liegt vor / Energetische Konzeption

Haus für alle Generationen und Anlässe

Reilingen.Für die evangelische Kirchengemeinde hat das Warten ein Ende. Die Baugenehmigung für den geplanten Neubau des evangelischen Gemeindehauses wurde erteilt. Damit ist der Weg frei für ein Zukunftsprojekt, das auf 1647 Quadratmetern kircheneigenem Grund, unmittelbar hinter dem alten Lutherhaus gelegen, verwirklicht werden soll. Das veranschlagte Kostenvolumen ist mit insgesamt 1,5 Millionen Euro beziffert, von denen 723 000 Euro von der Landeskirche übernommen werden. 150 000 Euro schießt die politische Gemeinde zu. Den noch verbleibenden Finanzierungsanteil muss die evangelische Kirchengemeinde als Bauträger über Darlehen und Eigenmittel schultern.

Die Baugewerke sind zum großen Teil bereits ausgeschrieben. Den Rohbau wird mit der Schaewo-Bau ein Reilinger Bauunternehmen errichten, das mit dem wirtschaftlichsten Angebot den Vorzug erhalten hat. Vorbereitende Arbeiten beginnen schon am Montag, 10. September. Ein symbolischer Spatenstich zum Baustart soll voraussichtlich zum Erntedankfest stattfinden.

Funktionaler Gebäudekomplex

Ein Gemeindehaus für alle Generationen und verschiedene Anlässe soll der Neubau sein, eine Versammlungsstätte für „alle Priester“, wie der große Reformator Martin Luther einst die Mitglieder der ganzen Gemeinde bezeichnete. Seine architektonischen Besonderheiten und optimalen Nutzungsmöglichkeiten beschreibt der Siegerentwurf des Reilinger Architekturbüros Eberhard Vögele, der sich einem anonymisierten Wettbewerb stellte. „Wir wollten einen Baukörper, der sich mit seiner kleinteiligen Kubatur und einer architektonisch neu formulierten Dachform in die dörflich geprägte Umgebung einfügt, sich aber zugleich mit einer modernen und zurückhaltenden Formenansprache hervorhebt“, veranschaulicht die für das Projekt federführend verantwortliche Architektin Jennifer Hermann ihre Intention.

Angesichts der strengen Vorgaben des Oberkirchenrates in Karlsruhe, der sogar die Grundflächen mit knapp 400 Quadratmeter im Erdgeschoss exakt vorgegeben hat, ist Pfarrerin Eva Leonhardt über den zu erwartenden, funktional ausgereiften Gebäudekomplex begeistert.

Der ebenerdige, eingeschossige Baukörper ist barrierefrei. Holz in Form von schattenspendenden Lamellen und ein sandfarbener Farbton beim Außenputz korrespondieren mit der durch alte Tabakscheunen ländlich geprägten Umgebung.

Die Architektur der zur Kirche und Rathaus ausgerichteten Firste reflektiert die „Zwei-Reiche-Lehre“ Martin Luthers, nämlich eine Trennung von Kirche und Staat, deren Binnenverhältnis aber ein paralleles, sich unterstützendes Miteinander nicht ausschließt.

Durch den Versatz des nördlichen Baukörpers in Richtung ehemaliges Lutherhaus nimmt die Stellung des Baukörpers sehr sensibel auf die umliegende Bebauung und neu entstehende Freiräume Rücksicht.

Der große Saal im westlichen Trakt verfügt über eine Fläche von 146 Quadratmetern und ist teilbar. Über eine mobile Trennwand kann das gesamte Foyer mit eingebunden werden. Durch den schräg verlaufenden First und die schräge Seitenwand erhält der Innenraum einen sehr interessanten Charakter. Er nimmt die Vorteile des Sonnenverlaufs auf, so dass auch bei Teilung eine optimale Belichtung gewährleistet ist. Je nach Bestuhlungsvariante sind bis zu 120 Tischplätze möglich.

Zwei barrierefreie Plätze

Im zurückspringenden östlichen Baukörper befinden sich Lager- und Technikflächen, WC-Anlage und ein großer Raum für die CVJM mit Direktausgang zum angrenzenden Freibereich. Im vorderen Bereich ist die Küche platziert. Ihre Lage lässt es zu, bei Veranstaltungen auch den Außenbereich zu bewirten.

Der Gebäudeversatz ermöglicht zwei barrierefrei gestaltete Plätze mit ganz unterschiedlichem Charakter. Der Vorplatz am Eingangsbereich wirkt großzügig und einladend, und der Saal lässt sich durch großflächiges Öffnen der Glasfront optimal mit dem Platzbereich verbinden. Der überdachte Eingangsbereich mit anschließendem Foyer befindet sich zentral zwischen den beiden Baukörpern.

Rückwärtig bietet der Westgarten einen geschützten Außenbereich. Die zu öffnende Glasfront des Saales gibt den Blick frei auf eine naturnah gestaltete Sitztreppe, die den Außenplatz umrandet und bei geeignetem Wetter als Zuschauertribüne mit Sommerbühne genutzt werden kann.

Bauzeit rund ein Jahr

Planerin Jennifer Hermann verspricht darüber hinaus eine hochwertige energetische Konzeption. Das Thema Nachhaltigkeit hat für sie große Priorität. Auch eine moderne Technik ist Standard. So wird beispielsweise im Saal eine Induktionsschleife verlegt, die es auch Menschen mit Hörproblemen ermöglicht, Gottesdiensten und Vorträgen gut zu folgen.

Beheizt wird das Haus mit einer Brennstoffzellenheizung, die Wärme und Strom gleichzeitig erzeugt. Eine zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung für die Grundlüftung sorgt für ein angenehmes Raumklima und einen bei der heutigen, dichten Bauweise optimalen Gebäudeschutz. LED-Licht mit Präsenzmeldern sind Standard.

Verkehrstechnisch wird das neue Lutherhaus ringförmig durch den Martin-Luther-Weg erschlossen. In räumliche Nähe befinden sich Kirche und neu geplantes Pfarrhaus. Ein Dutzend Stellplätze sind vor dem Gebäude angeordnet. „Das Gemeindehaus wird daher auch im Anschluss an Gottesdienste und bei kirchlichen Veranstaltungen viel genutzt werden können“, erwartet Pfarrerin Eva Leonhardt.

„Der kirchliche Gemeinderat hat dem Bau grünes Licht gegeben“, betont Walter Dorn, der jetzt auf einen raschen Baubeginn noch im September setzt. Dann, so seine Hoffnung, könne das neue Lutherhaus vielleicht schon im Herbst 2019 eingeweiht werden. jd

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