Reilingen

Im Gespräch Früherer Staatssekretär Willy Wimmer kommt zum Chat mit Dirk Müller in die Schlossmühle / Syrien, USA und die CDU als Gesprächsthemen

„Donald Trump steht bisher nicht für einen Krieg“

Archivartikel

Reilingen.Ab und an lädt sich Finanzexperte und Autor Dirk Müller prominente Gäste nach Reilingen in den Firmensitz seiner Firma Finanz-ethos an der Schlossmühle ein, um seinen Online-Follower interessante Chat-Partner zu bieten. Jetzt kam der ehemalige Staatssekretär des Verteidigungsministeriums und langjährige CDU-Bundestagsabgeordnete, Willy Wimmer, vorbei und stand unter anderem zum Thema Syrien und den Machtkonstellationen um Putin und Trump Rede und Antwort. Wir haben ein kurzes Gespräch mit ihm geführt und dabei einige sehr ungewöhnliche und alles andere als dem Mainstream entsprechende Einschätzungen gehört.

Wie sehen Sie das Säbelrasseln in den USA und die Kriegsabsichten im Nahen Osten?

Willy Wimmer: Donald Trump steht aus meiner Sicht nicht für Krieg. Die Kriegsfraktion ist ganz im Gegenteil auf Seite der Demokraten beim verstorbenen John McCain und bei Hillary Clinton zu suchen. Eigentlich können Trump und Putin sowie Netanjahu und Trump jeweils ganz gut miteinander. Wenn Trumps Leute die Senatswahlen im Frühjahr gewinnen, dann sehe ich gute Chancen auf eine Beendigung der kriegerischen Auseinandersetzungen in Syrien und ich glaube auch nicht, dass es dann zu einem Angriff auf den Iran kommt, denn Putin hat wiederum exzellente Beziehungen zum Iran. Wer ehrlich ist, der muss erkennen, dass McCain uns auch den Konflikt in der Ukraine beschert hat, weil Russland verhindern wollte, dass die Nato immer näher an ihr Land heranrückt. Sollte die Wahl die Demokraten in den USA weit vorne sehen und Trump stürzen, dann sehe ich schwarz für den Nahen Osten und die Leute um George Soros und Victoria Nuland werden alles unternehmen, um nach Moskau vorzudringen, um dort Putin zu stürzen.

Welche Zeichen haben Sie dafür?

Wimmer: Schauen Sie auf die Militär-übung Zapad. Sie ist so groß angelegt, wie einst in Zeiten von Solidarnosc, als eine ähnliche Übung dazu dienen sollte, in Polen einzumarschieren und das Land zu teilen. Diesmal sollen 300 000 Soldaten teilnehmen und man kooperiert dabei eng mit der chinesischen Armee. Das ist ein klarer Fingerzeig in Richtung Westen zur Nato. Denn hier in Europa haben bei den amerikanischen Militärs nicht die Trump-Leute das Sagen, sondern die Kriegstreiber. Sie sollen bei dieser Übung sehen, zu was die russischen und chinesischen Truppen im Ernstfall in der Lage wären.

Und wie könnte in Syrien eine Einigung aussehen?

Wimmer: Schon 2011/12 gab es geheime Verhandlungen um die Rückgabe der Golan-Höhen von Israel an Syrien. Das war meines Erachtens der Grund dafür, dass interessierte Kräfte in Syrien einen Bürgerkrieg losgetreten haben. Dass sich Russland hier einmischt, hat auch mit dem weichen Bauch Russlands zu tun, mit den Kaukasus-Gebieten, wo es immer wieder Separatisten-Bewegungen gibt. Der Islamische Staat wird weitgehend aus Kämpfern gebildet, die aus tschetschenischen Familien stammen, die damals von dort vertrieben wurden. Putin hat größtes Interesse daran, dass Syrien wieder ein festes Staatsgebilde wird, um sein eigenes Land an dieser Seite zu schützen und Zeichen dafür zu setzen, dass er in der Weltpolitik Akzente setzen kann. Wenn Putin das hinkriegt, dann wird er sich damit in die Geschichtsbücher eintragen. Und ich glaube auch, dass Assad weiterhin Präsident sein wird nach einem Ende des Krieges. Das könnte in einer Konstellation Trump-Putin-Netanjahu bereits nächstes Jahr zustande kommen. Das größte Problem ist derzeit, dass in den USA das Militär und der CIA machen was sie wollen und Trump über sie kaum Macht gewinnt.

Blicken wir noch kurz nach Deutschland: Wie sehen Sie den Machtkampf um die Fraktionsspitze der CDU?

Wimmer: Wenn es Ralph Brinkhaus gelingt, Fraktionschef zu werden und Kauder nicht mehr gewählt wird, dann ist das gleichbedeutend mit dem Verlust der Macht in der CDU für Angela Merkel. Brinkhaus ist das Wetterleuchten, wenn das gelingt – und er hat einflussreiche Unterstützung – kommt das Gewitter.

Hätte Merkel lieber nicht mehr als Kanzlerin antreten sollen?

Wimmer: Sie hätte nicht mehr kandidieren sollen. Dann hätte noch die Chance bestanden, dass die Mischpoke um sie herum die Ämter unter sich hätte verteilen können. Wenn Merkel jetzt stürzt, dann landen alle, die bisher mit ihr sinnbildlich im Bett lagen, auf dem Bettvorleger der Partei. Dann beginnt der innerparteiliche Machtkampf und ich wüsste heute nicht, wer da die besten Chancen hätte. Auch die Frage, wer nach Merkel Kanzler wird, ist völlig offen.

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