Plankstadt

Lesung Professor Karl Erich Grözinger stellt sein Buch „Jerusalem am Rhein“ vor

Eintauchen in die jüdische Geschichte

Archivartikel

Speyer.Für alle an Speyerer Geschichte und speziell am Leben der Juden in der Stadt Interessierten ist dieses Buch ein absolutes Muss: „Jerusalem am Rhein“ heißt der Titel des Buches, mit dem Professor Karl Erich Grözinger jüdische Geschichten aus Speyer, Worms und Mainz einem breiten Leserkreis nahebringen will. Bei der Präsentation im Trausaal des Historischen Rathauses machte der Professor für Religionswissenschaft und Jüdische Studien Lust auf das 240 Seiten starke Werk, wobei ihm Volker Gallé mit der Lesung der erstmals aus dem Hebräischen in Deutsche übersetzten Erzählungen versiert assistierte. Wer die Befindlichkeiten der Juden in den drei „SchUM“-Städten kennenlernen will, kommt an diesen Geschichten nicht vorbei. Das wurde den Besuchern deutlich.

Worms ist das Jerusalem am Rhein, Mainz die jüdische Akademie des aschkenasischen Judentums, Speyer der Zufluchtsort nach dem Mainzer Stadtbrand, erläuterte Grözinger. Der koschere Spitzenwein kommt aus Worms, der erste jüdische Papst stammt aus Mainz und die Lehre von den jüdischen Wundermännern aus Speyer. In allen drei „SchUM“-Städten („SchUM“ ist ein Akronym aus hebräischen Anfangsbuchstaben der mittelalterlichen, auf die lateinische Sprache zurückgehenden Namen der drei Rheinstädte: Schin für Schpira, Waw für Warmaisa und Mem für Magenza) sind Wunder geschehen.

Die baufällige Brücke über den Rhein hielt gerade solange, bis die Säulen der Wormser Synagoge hinübergebracht waren, Samuel der Fromme besiegte in einem Zauberwettkampf drei Pfaffen und erschuf den ersten Golem, das Boot mit dem Sarg Rabbi Amrams schwamm alleine gegen den Strom von Köln nach Mainz, und so entstand die Kirche St. Emmeran und Worms ist die Heimat der jüdischen Zauberkünstler, der Ba’ale Schem. Aber es gab auch viele Verfolgungen und Morde an den Juden, welche die Nachfahren nie vergaßen. All das und Vieles mehr erfährt der Leser aus den teils humorvollen teils traurigen jüdischen Volkserzählungen.

Mordfeldzüge der Götzendiener

Bewusst verzichtet Grözinger bei der Lesung auf das Kapitel über die Mordfeldzüge der Götzendiener (Kreuzfahrer) ab 1096, da in diesen Erzählungen Bitterkeit und Verschmähungen in heute schwer verständlichen Worten zum Ausdruck kommen. Breiten Raum nehmen im ersten Kapitel die Gründungslegenden ein. So etwa die Erzählung von der Rettung durch den Speyerer Bischof Johann währen des Kreuzzuges 1096: „Elf Personen waren getötet worden, die übrige Gemeinde wurde durch ihn gerettet; sein Andenken sei immerdar gesegnet und erhoben!“

Ein „Pfaffe“ wird verprügelt

Die Städte als Orte der Verfolgung und des Leids behandeln die Geschichten im zweiten Kapitel. In einer Erzählung spielt ebenso ein Bischof eine entscheidende Rolle. Rabbenu Jehuda war beim hingebungsvollen Vorbeten am Pult der Synagoge von einem „Pfaffen“, ein Ratsherr des Bischofs, ins Gesicht gespuckt worden. Kurz entschlossen befahl er seinen Leuten, dass sie ihn verprügeln sollten. Das Wehgeschrei des Malträtierten sei dem Bischof schnell zu Ohren gekommen. Der ließ den Vorsteher der Juden zu sich kommen und wollte ihn eigentlich Böses antun. Aber er habe seinen Sinn geändert, „denn Gott ist mit euch und ihr seid seine Söhne. Es war Recht, was dem Priester widerfuhr, dass er geschlagen wurde.“ Aus den Gerichtsstuben stammen die Geschichten des letzten Kapitels, die am besten Einblick geben in das damalige Leben in Speyer.

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