Leserbrief

Dokumentation Geschichte der Familie Weiss schockiert mich

Wahrlich nicht nur ein Vogelschiss

Zum ersten Mal habe ich die vierteilige US-Produktion über die Familie Weiss im Nazi-Deutschland gesehen und war tief erschüttert und gleichzeitig abgestoßen von der Grausamkeit und Menschenverachtung der Nazis gegenüber den Juden. Der Mord an zirka 6 Millionen Juden in Europa lässt sich nicht relativieren, auch wenn man mit der heutigen Israel-Politik nicht einverstanden sein muss. Schon gar nicht ist er ein „Vogelschiss“ (Gauland) in der deutschen Geschichte. Jedes Jahr sollte dieser Film im TV gezeigt werden. Allein in Polen wurden 3 Millionen Juden ermordet – 10 Prozent konnten ins Ausland flüchten.

Von den deutschen Juden sind seit 1933 bis zum Kriegseintritt 100 000 nach Frankreich emigriert, 65 000 nach Großbritannien, 25 000 in die Schweiz, Belgien und die Niederlande haben 65 000 Juden aufgenommen, Italien 68 000, Jugoslawien 55 000, Spanien 30 000 und Portugal 80 000. Nach Palästina sind 60 000 Juden emigriert. Bis zum Auswanderungsverbot im Oktober 1941 lebten noch 160 000 Juden in Deutschland, die deportiert wurden.

Die Juden haben bis zur Kristallnacht 1938 nicht geglaubt, zum Tode verurteilt zu sein. Bereits seit 1935 wurde der Bevölkerung bei Strafe verboten, bei Juden einzukaufen oder Juden einzustellen. Ein Widerstand in der Bevölkerung – bis auf wenige Andersdenkende – blieb aus. Das Propaganda-Ministerium sorgte dafür, dass das Programm der „Endlösung“ lange geheim blieb.

Bemerkenswert ist das Reichskonkordat, das Hitler mit der katholischen Kirche unter Papst Pius VI. am 20. Juli 1933 geschlossen hat, das der katholischen Kirche freies Handeln ohne Mitwirkung des Staates garantierte und somit von ihr kein Widerstand gegen das Regime zu erwarten war. Bei einer freien Presse und freier, uneingeschränkter Meinungsäußerung wäre dieses Massaker wahrscheinlich nicht möglich, zumindest erschwert gewesen. Freie Meinungsäußerung, auch wenn sie nicht dem „Mainstream“ folgt, ist für eine Demokratie unabdingbar.

Marlies Böcker-Stastny,

Hockenheim

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