Leserbrief

Gemeinderat Ketsch Der mündige Bürger will keine notorischen Neinsager / Grüne Fraktion hat nicht einmal drei Jahre gehalten

Ohne Kompromisse geht es nicht

Endlich hatte einmal jemand die Muse, in einem Leserbrief das Wirken unseres Grünen-Gemeinderats Günther Martin mit ein paar Fakten zu belegen. Ergänzend dazu sollte man sich so kurz vor der nächsten Kommunalwahl daran erinnern, dass die 2014 aus drei Personen geschaffene Fraktion der Grünen nur bis Ende 2016 hielt. Die beiden weiblichen Ratsmitglieder bildeten dann eine neue Fraktion „Unabhängige Grüne“, weil ihnen eine weitere Zusammenarbeit mit Günther Martin nicht mehr zumutbar erschien.

Die Probleme in der Fraktion hatten bereits kurz nach der Wahl begonnen. Im Gemeinderat müsse man nun einmal Mehrheiten bilden und könne nicht immer dagegen sein. Dafür müsse man auch mit anderen Ratsmitgliedern oder dem Bürgermeister zusammenarbeiten, hieß es in der Schwetzinger Zeitung vom 23.11.2016. Da dies mit Günther Martin schon damals nicht möglich war, kam es zu dem Bruch.

Erstaunlich ist nun, dass Wilfried Windisch als weiterer Gemeinderatskandidat der Grünen in Ketsch, offenbar die Überschrift „Umweltschutz können auch andere in unserer Gemeinde“ in dem bereits erwähnten Leserbrief vom 9. März zum Anlass für eine Presseerklärung in der Schwetzinger Zeitung vom 15. März genommen hat. Oder wollte er damit nur die Ankündigung Günther Martins in seinem im Amtsblatt vom 28. Februar abgedruckten Drohbrief vom 5. Februar an den Umweltbeauftragten der Gemeinde erfüllen?

In der langatmigen Presseerklärung geht es wieder einmal – man glaubt es kaum – um den Rückschnitt eines Weidenstrauchs! Hierzu wurde doch in der letzten Gemeinderatssitzung vom Bürgermeister ausführlich erklärt (Amtsblatt vom 28.Februar), dass die Ausdehnung der Weide bereits bei der letztjährigen Grabenschau im Naturschutzgebiet ein Thema gewesen sei und sich die Beteiligten auf einen fachgerechten Rückschnitt geeinigt hatten, der dann Anfang Februar erfolgt ist. Was also soll diese Presseerklärung? Sollen Baum- und Heckenschnitte künftig erst nach Bürgerentscheiden durchgeführt werden dürfen?

Und wie kommt man hier auf Kosten des Weidenschnitts in Höhe von 1000 Euro? Umgerechnet würde das sage und schreibe rund 20 Arbeitsstunden entsprechen. Da müsste also ein Arbeiter fast drei Arbeitstage mit diesem Schnitt beschäftigt gewesen sein. Hier wurde doch offenkundig einfach eine Zahl in den Raum gestellt, um Stimmung zu machen.

Auch die ohne Grundlage erhobenen Vorwürfe gegen Landwirte, sind durch deren Presseerklärung vom 20. März in der Schwetzinger Zeitung widerlegt worden.

Und was diesen Leuten so alles an seltenem Getier begegnet. Sei es nun die seltene Haubenlerche, die dem Günther Martin angeblich auf einem blauen Holzpfahl Modell stand, oder die Haarstrangeule, ein Nachtfalter, der offenbar anno 2008 einmal gesichtet wurde (siehe Amtsblatt vom 28. Februar). Die Haarstrang-eule ist übrigens laut der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) in ihrem Vorkommen vollkommen von ihrer Futterpflanze, dem Arznei-Haarstrang, abhängig und nicht von einer Weide.

Zu der Presseerklärung vom dritten grünen Ratskandidaten Bernd Kraus in der SZ vom 19. März ist lediglich zu sagen: „Der mündige Ketscher Bürger möchte keine notorischen Neinsager im Gemeinderat“. Ohne Kompromisse kann eine Demokratie nicht leben. Das ist nicht nur die Meinung unseres grünen Ministerpräsidenten.

Werner Bock, Ketsch

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