Leserbrief

Zum Tod von Horst Stern Die eigene Achtlosigkeit in Frage stellen

Jeder kann was für die Natur tun

Das war eine traurige Nachricht: Am 22. Januar musste ich lesen, dass der TV-Journalist Horst Stern tot ist – der Naturschützer und Mitbegründer der Umweltorganisation BUND. Auch ich habe früher, gemeinsam mit meinem Bruder, die Sendung „Sterns Stunde“ gesehen und immer wieder in seinen Büchern geblättert. Oft war ich mit meinem Bruder und dem Hund in der Natur unterwegs. Wir haben den Tierlauten gelauscht und die Rehe beobachtet. Ich liebe die Natur und bin mit meinem Hund heute auch gern dort. Mich faszinieren die Gerüche und das Wachsen der Bäume und Pflanzen.

Heute macht mich aber auch vieles traurig. Auch die Aussage Sterns, er habe seine hochgesteckten Ziele nicht erreicht. Diese nicht erreichten Ziele lassen mich nachdenken. Ich kam mal an einem Biohof vorbei. Die Kühe angebunden im Stall. Freigang gab es nicht. Mutterschweine liegend eingepfercht, damit die Kleinen säugen können. Kälber, die von der Mutter entfernt werden. Kühe werden stets trächtig gehalten, damit die Milch ohne Probleme fließt. Hühner, zu Tausenden in einem Stall, zwar keine Käfighaltung, aber artgerecht ist etwas anderes. Felder werden mit Pestiziden gespritzt.

Letztes Jahr musste ich feststellen, dass auch in meinem Garten weniger Bienen unterwegs waren. Der Honig, belastet mit Schadstoffen, von Schülern produziert, musste weggeschmissen werden. Als Kind fand ich den Schmetterling faszinierend. Wo ist er hin? Merkt denn niemand, dass wir unsere Welt zerstören? Jeder denkt nur an sich und dass es ihm gut geht. Hunde und ihre Hinterlassenschaften – der Mensch lässt es liegen. Warum auch wegmachen, man zahlt doch Hundesteuer. Ich bin auch Hundehalterin und ich finde es zermürbend, wenn ich Straßen und Wege entlang gehe und eine Tretmine nach der anderen umlaufen muss.

Essensreste und Papier werden achtlos weggeworfen, obwohl ein paar Schritte weiter ein Mülleimer steht. Und die vielen Glasscherben. Achtlos laufen die Menschen über Grünflächen und zerstören diese. Wo ist der Respekt unter uns Menschen geblieben? Man muss sich mit Schimpfwörtern betiteln lassen. Was ich mir wünsche, ist eine saubere Welt, eine Natur, die wachsen kann, damit die Luft sauber bleibt und Tiere, die artgerecht leben und sterben können. Tränen hatte ich in den Augen, als ich eine Doku sah, wie man Kühe schlachtet, die bei lebendigem Leib ausbluten mussten. Respekt gegenüber Mensch, Tier und Natur – ist das zu viel verlangt? Wo soll das alles hinführen?

Wir sollten selbst Hand anlegen und nicht nur nach der Politik rufen. Schützt die Welt. Aber heute gelangt man für kleines Geld überall hin. Die schönsten Städte und Ecken der Welt werden in Massen besucht. Oft ohne Respekt. Selbst der Jacobsweg in Spanien ist mittlerweile überlaufen. Achtsamkeit, ein in sich gehen? Kann man vergessen. Es gibt Pilger, die wissen nicht was pilgern bedeutet. Die rennen von einer Herberge zur anderen. Warum nur diese Hektik? Dann gibt es einen Menschen, der will einfach nur leben. Er benötigt keinen Luxus, er möchte einfach ein Dach über dem Kopf und ein Bett zum schlafen, bezahlbar. Dabei die Schönheit dieser Welt genießen mit Respekt. Geht mal in euch. Denkt darüber nach. Habe ich nicht ein klein wenig Recht?

Birgit Haaf, Schwetzingen

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