Leserbrief

Gesundheitssystem Flüchtlinge können Teil der Lösung sein

Faire Chance für Migranten

Betrifft „Protokolle des Notstands – die Situation in den Krankenhäusern“ (SZ vom 21. Dezember).

Es ist wahrhaftig erschütternd, was Betroffene hier berichten! Hier muss sich unbedingt etwas ändern. Aber die Schlüsse, die manche Personen aus dieser Erfahrung ziehen, zeigen deutlich auf, dass viele Menschen dazu neigen, nicht wirklich nachzudenken, und Menschen für diese Misere verantwortlich zu machen, die wahrhaftig nichts dafür können! Es ist eben alles nicht so einfach, man muss sich schon informieren, bevor man „Schuldige“ nennt. Insofern ist dieser Artikel ein ganz typisches Beispiel dafür, wie immer und immer wieder, so lange die Menschheit besteht, Minderheiten für Missstände verantwortlich gemacht werden, für die sie überhaupt nicht verantwortlich sind. Im konkreten Fall äußert ein Betroffener in Ihrem Bericht den Satz: „Für die Flüchtlinge ist Geld da! Und ich, der ein Leben lang Beiträge bezahlt hat . . .“

Mal abgesehen davon, dass Flüchtlinge eine wesentlich schlechtere Gesundheitsversorgung bekommen (es werden nur akute Probleme behandelt) und meistens schon aufgrund ihres jungen Alters viel weniger medizinische Versorgung nötig haben, ist es ja gerade umgekehrt: Ohne Migranten, die in der Pflege arbeiten, wäre die Situation in den Krankenhäusern und Altenheimen noch viel schlimmer! Es liegt nicht am Geld, es liegt daran, dass zu wenige Menschen bereit sind, diese Arbeit zu machen. Und der Wahnsinn ist, dass sehr viele Migranten und Geflüchtete, die bereit sind, diese Arbeit zu machen, die in den Heimen und Krankenhäusern gebraucht, anerkannt, beliebt sind und gute Arbeit leisten, immer wieder abgeschoben werden.

Ich selbst kenne etliche Fälle, wo zum Beispiel ein Flüchtling aus Gambia ein (unbezahltes) monatelanges Praktikum in einem Altenheim gemacht hat, bei allen Einwohnern und Kollegen ausgesprochen beliebt war, eine Ausbildung angestrebt hat, Deutsch gelernt hat (mit Unterstützung des Asylkreises), die Deutschprüfung A2 so gut abgeschnitten hat, dass er sogar das Zertifikat B2 bekam. Und in der Woche danach wurde er abgeschoben. Kann das jemand verstehen? Und das ist nur ein Fall. Es gibt zig solcher Fälle, allein hier in der Region.

Also: Die Situation in den Krankenhäusern und Altenheimen ist wirklich schlimm! Aber die Lösung, oder zumindest ein Teil davon, liegt vor unseren Augen – und wird nun auch durch das neue Einwanderungsgesetz Gott sei Dank bestätigt: Geben wir den Migranten, die zu uns kommen, sich integrieren und arbeiten wollen, eine faire Chance auf Arbeit und Bleiberecht und allen ist geholfen!

Claudia Lohmann, Schwetzingen

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