Leserbrief

Hygiene im Handel und auf der Straße Die Zustände an Backstationen im Supermarkt und beim Spucken auf das neue helle Pflaster

Der Mut, sich unbeliebt zu machen

Es ist schon einige Jahre her, als ich in einer Bäckerei ein Brot kaufte. Als es eingetütet auf der Theke lag, erwähnte die Bäckersfrau dass es ein Kümmelbrot sei – was wir nicht mögen! Ich bat sie, es mir gegen ein anderes einzutauschen. Sie weigerte sich mit dem Argument, dass Sie das, was auf der Theke liege, nicht zurücknehmen dürfe. Ich musste das notgedrungen akzeptieren und schlich mit dem Fehlkauf davon.

Warum schildere ich das? Wie sich doch die Zeiten ändern: heutzutage beobachte ich in Großmärkten Menschen, die bei Backfaktories ungeniert ohne Handschuhe oder ohne Zangenbenutzung an den Ausgaben für Ware herumfummeln und auch Kinder nicht davon abhalten, mal kurz zu testen!

Was nützen da die Hygienevorschriften und das bereitgestellte Equipment, wenn sich keiner dran hält? An solchen Stationen kaufen wir nicht ein. Wir möchten lieber von einer kompetenten Fachverkäuferin bedient werden, die sich natürlich ihrerseits entsprechend verhält. Ist leider auch nicht immer und überall der Fall; einen solchen Einkauf warf ich gar in den Müll. Ich hätte den Mut aufbringen sollen, die Ware im Laden zurückzuweisen. Das ist keine Schikane des Personals, auch wenn sich der/die eine oder andere Verkäufer/in mokiert.

Ja, es geht im Grunde genommen um den Mut, sich zu beschweren, sich nicht wegzuducken! Eine Form der Zivilcourage, zu der wir finden sollten. Es auszuhalten, aufzufallen und sich unbeliebt zu machen! Das gilt auch anderswo, und es kann gefährlich werden; zum Beispiel den jungen Mann, der neben dir permanent auf den Gehweg spuckt, darauf aufmerksam zu machen, dass dies nicht nur ein Angriff auf die Ästhetik, sondern auch auf die Gesundheit seiner Mitmenschen ist. Es wird ihn wahrscheinlich nicht interessieren, die Provokation ist ihm wichtig. Deshalb ist es verständlich und dringend geboten, dass die Kommunen demnächst saftige Ordnungsstrafen androhen. Es wird hoffentlich nicht beim Androhen bleiben, weil es überall an Personal fehlt, das zu ahnden. Bleibt nur noch der jährliche Dreck-weg-Tag, an dem Idealisten das wegräumen, was uneinsichtige Zeitgenossen gleich wieder hinterlassen? Das ist ehrenvoll, kann aber nicht die Lösung sein.

Mit dem Argument, keine Zeit zu haben, um vor Ort zu essen, rennen alt und vor allem jung durch die Lande, als ob sie jeden Moment verhungern oder verdursten müssten! Entsorgt wird durch einfaches Wegwerfen, da die künstlich verkleinerten Müllschlucker überquellen. In Mannheim löst man das Problem durch große unterirdische Kavernen, wie jetzt zu lesen war.

Seit man Streetfood propagiert, verdrecken die Kommunen. Was für Anstrengungen unternommen werden müssen, um das in den Griff zu bekommen – unglaublich! Die hohen Kosten trägt die Allgemeinheit, nicht die Verursacher.

In Mannheim werden die neuen Planken kräftig gefeiert, doch müssen diese mit heller Pflasterung bald täglich mit Hochdruck gereinigt werden! Um den Schmutz leichter weg zu kriegen, hat man die hellen Steine zweimal mit Acryl eingelassen. Das wäre auch für das neue helle Betonpflaster in Ketsch zu empfehlen; auf dem dunklen Porphyr-Pflaster aus Naturstein hat man diesen Schmutz weniger gesehen.

Wie viel einfacher wäre es, das Problem an der Quelle anzugehen und durch gesetzliche Vorgaben der Vermüllung Herr zu werden. In anderen Bereichen wird der Bürger unverhältnismäßig stark gegängelt. Nur beim Dreck scheint es zu heißen: „Freier Dreck für freie Bürger!“

Klaus Tremmel, Ketsch

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