Leserbrief

Steinwüsten in Oftersheim

Den Bienen ihre Nahrung geben

Eine neue Steinwüste ist am Ortseingang von Walldorf kommend entstanden. Während der Nabu verzweifelt versucht, für die Schönheit von Naturgärten mit heimischen Pflanzen, die für Bienen und Insekten Futter und Lebensraum bieten, zu sensibilisieren, wandelt die Gemeinde Oftersheim öffentliche Bepflanzungen in Wüsten um. Ohne Bienen keine Bestäubung, ohne Bestäubung kein Obst, kein Honig, kein Essen.

Im letzten Jahr wurden in Heilbronn Vorgärten, die nur mit Steinen gestaltet sind, verboten, Bremen will sie jetzt ebenfalls untersagen. Man kann nachvollziehen, wenn Haus- und Gartenbesitzer auf ihr Recht verweisen, den Garten nach eigenen Vorstellungen zu gestalten, aber muss eine Gemeinde da mitmachen? Im Zuge der Nachverdichtung fallen im Ortskern immer mehr Gartenflächen Steinen zum Opfer.

Doch auch der Mensch braucht Grün um sich herum – nicht erst außerhalb der Bebauungsgrenze. Er braucht frische Luft, nicht zusätzlich durch Steinflächen aufgeheizte. Wohin sollen Kinder und Jugendliche, die mit ihren Familien in die Neubauwohnungen einziehen, im Sommer? Es gibt keine Gärten, in denen man spielen und feiern könnte. Kinder müssen auf den nächsten Spielplatz, wollen sie nicht zwischen laut wiederhallenden Mauern spielen.

Jugendlichen bleibt nichts anderes als die Sitzgelegenheiten an der Friedrich-Ebert-Schule, wo sie nicht gern gesehen sind, oder die Bank oberhalb der Grillhütte, deren Mülleimer dann die Chipstüten und Energydrink-Dosen nicht mehr fassen kann. Die Attraktivität einer Gemeinde steigt nicht, indem sie die Wohnviertelbauweise von Großstädten nachahmt, sondern indem sie ihren Dorfcharakter betont. Dazu gehören naturnahe Grünflächen, bepflanzt mit heimischen Pflanzen, die ruhig auch ein bisschen unordentlich aussehen dürfen – denn umso mehr Lebensraum bieten sie.

Dorothea Müller, Oftersheim

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