Leserbrief

Gemeindebücherei Neulußheim Überraschung darüber, dass die Mehrheit des Gemeinderats plötzlich auf der Seite der Nutzer ist

CDU hat bisher immer gebremst

Ein Schelm, der Arges dabei denkt, so lautet die noble Devise des englischen Hosenbandordens. So könnte man auch denken, wenn man die allerneueste Initiative der Neulußheimer CDU-Gemeinderäte betrachtet. Jahrelang wurde durch die CDU eine personelle Aufstockung der Gemeindebücherei und eine Erhöhung des Etats zur Neuanschaffung von Büchern verhindert.

Nach der Pensionierung der langjährigen und verdienstvollen Leiterin Jutta Roth, die während ihrer 16 Wochenstunden noch den Neulußheimer Weihnachtsmarkt und den kompletten Ferienspaß organisierte, wurden drei Damen mit Minijob dafür eingestellt. Man wollte dadurch längere Öffnungszeiten erhalten, was mit einer Erweiterung von einer Wochenstunde mehr auch gelungen ist. Eine dieser Damen ist die Ehefrau eines CDU-Gemeinderates. Da sie nur einen Minijob ausübt, war ihr Ehemann in der Abstimmung zur Etaterhöhung der Bücherei nicht befangen und durfte mit abstimmen.

Eigentlich ist eine Etaterhöhung der Gemeindebücherei längst überfällig und an sich eine sehr gute Sache. Dies wurde von den ehrenamtlich tätigen „Bücherwürmern“ auch immer eingefordert, nur dass sie jetzt von der CDU eingebracht wurde, das hat, würde der Schwabe sagen, „ä Gschmegle“ (hochdeutsch: einen Beigeschmack). Warum haben die Bücherwürmer aufgehört? Weil man ihr jahrelanges Engagement als Ehrenamtliche in keiner Weise von der Gemeinde gewürdigt hat. Als ehemaliger „Bücherwurm“ kann ich mich an lange zurückliegende Anfeindungen eines bekannten CDU-Gemeinderates erinnern. Es ging damals, beim Ausbau der Bücherei in der Alten Schule von einem auf zwei Räume, um neue und bequeme Stühle. Der promovierte CDU-Gemeinderat wollte damals in polemischer Weise wissen, wie viele Ausleiher denn überhaupt vor Ort in den Büchern stöbern wollen und wozu man dazu bequeme Stühle benötige, die dann auch nicht bewilligt wurden.

Dafür schaffte die Mehrheit im Gemeinderat für die Flure im Alten Schulhaus bequeme Ledersessel an, damit die Besucher des Standesamtes angenehm warten konnten. Aber „De mortuis nil nisi bene – über die Toten soll man nichts Schlechtes sagen.“ Was passiert aber nun, wenn sich jetzt, auf die rein auf das Wohl der Leser bedachte Initiative der CDU, der Buchbestand vergrößert? Denn die Räume im ehemaligen Modehaus Faulhaber waren von Anfang an zu klein, was aber die CDU bestritt und sogar eine Verkleinerung durch eine Abtrennung von Büroräumen durchsetzte. Der jetzige Standort der Bücherei ist völlig ungeeignet, weil nicht zugänglich für Rollstühle, Rollatoren und Kinderwagen und mit Fluchttüren, die nach innen aufgehen.

Dies beklagten die Bücherwürmer bei der Verlegung vom zentralen Standort in der Alten Schule an die jetzige Stelle, aber sie fanden kein Gehör. Wenn es mehr Bücher gibt, was zu begrüßen ist, muss die Bücherei verlegt werden. Es bleibt zu hoffen, dass der Gemeinderat einen weisen Entschluss zum Wohle der Gemeinde und ihrer Leser fasst und die Bücherei in der Ortsmitte verbleibt, wo sie hingehört. Eine Verlegung in die Lußhardtschule wäre fatal und würde die Ortsmitte noch weiter veröden lassen. Dies kann, meiner Meinung nach, nicht das Ziel einer klugen Gemeindepolitik sein.

Dr. Ralf Wagner, Neulußheim

Verwundert und erstaunt

Den Bericht zur Sitzung des Neulußheimer Gemeinderates zum Thema Gemeindebücherei am letzten Samstag möchte ich nicht unkommentiert lassen. Mit Verwunderung und Erstaunen las ich den von der CDU-Fraktion gestellten Antrag zur Erhöhung des Büchereietats um 15 000 Euro. Verwundert deshalb, weil eben diese Fraktion sowie die Fraktion der FWV seit Jahren diesen Etat immer wieder gekürzt haben und man oftmals erst nach hartem Ringen einen Betrag von 5000 Euro in den Gemeindehaushalt einstellen konnte.

Laut wurde auch immer wieder über die Schließung der Bücherei nachgedacht. Und jetzt diese Kehrtwende. Liegt es wirklich nur am Konzept des neuen Büchereiteams? Wie ist man zu dieser Meinungsänderung gekommen? Denn Zahlen, Fakten, Wünsche und Anregungen gab es über viele Jahre hinweg auch von Frau Roth. Auch mit dem schmalen Etat fanden Vorlesestunden für die Kleinen, der Frederick-Tag, Leseabende für Erwachsene und Büchereiführungen für Schulklassen statt.

Die Zahlen der Bibliotheken von Gemeinden aus dem Rhein-Neckar- Kreis kann man auch nicht erst seit diesem Jahr im Netz abrufen. Hat man sich vielleicht ins Gedächtnis gerufen, dass die Gemeindebücherei einen Bildungsauftrag hat und es auch heute Kinder und Erwachsene gibt, die sich keine neuen Bücher aus dem Buchhandel leisten können?

Ein Schelm, der Böses dabei denkt: Nächstes Jahr ist Gemeinderatswahl und es macht sich doch gut, wenn im Parteiflyer steht: Wir setzen uns für eine erstklassige Ausstattung unserer Gemeindebücherei ein.

Dagmar Engelhardt,

Neulußheim

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