Brühl

Planmäßige Ankunft

Anette Zietsch über das Selbstverständnis der Deutschen Bahn

 

Eine der Goldenen Regeln im Journalismus lautet: "Hund beißt Mann ist keine Meldung. Mann beißt Hund dagegen schon." Das ist nun nicht wortwörtlich zu nehmen, denn es gibt ja immer wieder - mal mehr, mal weniger - dramatische Situationen dieser Art, die auch ihren Weg in die Zeitung finden. Zum Glück gehen sie oft ohne größere Blessuren aus. Allerdings kommen solche Vorfälle (leider) auch ziemlich häufig vor.

Und genau das ist der Kern der Aussage: Der Leser erwartet die Überraschung und keine Banalitäten. So geht es uns allen ja auch im Alltag. Wir wollen nicht mit Selbstverständlichkeiten gelangweilt werden.

Die Deutsche Bahn sieht das offenbar ein wenig anders. Mit Verwunderung habe ich bei einer meiner zugegebenermaßen seltenen Bahnfahrten sinngemäß die Durchsage gehört: "Wir erreichen Frankfurt Hauptbahnhof planmäßig. Sie bekommen alle Anschlusszüge." Fehlt nur noch ein zünftiger Tusch und der Applaus der Fahrgäste.

Vielleicht sind meine Ansprüche überzogen - aber ich erwarte eigentlich von der Bahn, dass sie mich in der von ihr vorgeplanten Zeit von A nach B bringt. Das sollte meines Erachtens die Regel sein. Doch es sagt viel über das Selbstverständnis des Unternehmens aus, wenn dies den Passagieren kommuniziert werden muss und fast schon als Sensation präsentiert wird.

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