Brühl

Europaparlament Für in der Gemeinde lebende Briten ist die Stimmabgabe selbstverständlich / Anders sieht es allerdings im Vereinigten Königreich aus

Offensichtlich durchzieht die Insel ein sehr tiefer politischer Graben

Archivartikel

Brühl.Eigentlich dürfen an den Wahlen in der Bundesrepublik nur deutsche Staatsbürger teilnehmen. Doch es gibt eine Ausnahme für EU-Bürger, die in der Kommune, in der sie wohnen, beispielsweise ihren Gemeinderat mitwählen dürfen. Außerdem dürfen EU-Bürger von ihrem Wohnort aus auch ihre Stimme für das Europäische Parlament abgeben. Den Weg dazu machte 1992 der Maastrichter Vertrag frei.

Doch mit dem Brexit ergab sich eine spannende Situation, denn wäre Großbritannien bereits aus der EU ausgetreten, wären die Briten keine EU-Bürger mehr gewesen. So hätten die Untertanen Ihrer Majestät auch in Brühl an der Wahl zum Europäischen Parlament nicht mehr teilnehmen dürfen. Für die gleichzeitige Kommunalwahl in Baden-Württemberg hätte dasselbe gegolten. Nun sind sie aber – wohl nur noch für kurze Zeit, bis der Brexit vollzogen ist – EU-Bürger. Das Wahlrecht haben sie also noch. Und so traten die Briten am Donnerstag trotz allem bei den Europawahlen an.

Nahmen sie das Wahlrecht auch wahr? Die Wahlbeteiligung bei Europawahlen war auf der Insel traditionell gering – gerade einmal ein Drittel der Bevölkerung machte das Kreuz. „In meinem Freundeskreis dort sind die Menschen zur Europawahl gegangen“, sagt Susan Zimmermann (Bild). Die 77-Jährige stammt ursprünglich aus der Nähe von London, lebt seit den 1970er Jahren in Deutschland, seit langer Zeit in Brühl. Und für sie war es auch selbstverständlich, wählen zu gehen, immerhin werde sie ja auch weiterhin in der EU leben – die Wahlentscheidungen beträfen sie also noch weiterhin, auch in den Kommunalparlamenten. „Den Brexit finde ich furchtbar – ich war sehr traurig, als er beschlossen wurde“, sagt sie.

Und auch für die seit den 1990er Jahren in Brühl lebende Alison Ruffler (Bild rechts) war es keine Frage, vom demokratischen Recht Gebrauch zu machen. „Ich lebe in dieser Gemeinde, da ist es für mich normal, zumindest über meine Stimmabgabe am kommunalpolitischen Geschehen teilzunehmen“, sagt die 55-Jährige, die aus York stammt. „Gerade wir Briten haben doch gesehen, zu was es führt, wenn man nicht wählt“, sagt sie und verweist auf den Brexit. „Da war die Wahlbeteiligung auch niedrig, weil alle gedacht haben, dass der Ausstieg keine Chance haben würde – und jetzt haben wir den Schlamassel.“ Von ihrer Familie und von Freunden in England weiß sie allerdings, dass viele nicht zur Wahl gegangen sind, weil sie keinen Sinn mehr darin sahen, ihr Kreuz zu machen. ras/Bilder: Privat

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