Brühl

Die Qual der Wahl

Ralf Strauch weiß von Stolpersteinen des Kaffee-Genießens

Wir können ihm nicht mehr entrinnen. Wir treffen ihn auf der Straße, im Büro und im Supermarkt. Wir holen ihn in der Tankstelle, beim Bäcker und beim Fast-Food-Giganten: den Coffee to go. Dabei ist es erst ein paar Jahre her, dass der Kaffee zum Mitnehmen seinen Siegeszug durch die Republik angetreten hat.

Und das alles, obwohl die Anbieter alles unternehmen, um ihr müllproduzierendes Produkt möglichst unattraktiv zu machen. Das muss auch der Mann vor mir an der Tankstelle erfahren. Noch mit selbstbewusster Stimme bestellt er einen Kaffee.

Doch schnell wird ihm der Wind aus den zuvor so kraftvoll geblähten Segeln genommen. Und das mit einer Freundlichkeit, die jeden ins Trudeln bringt. „Café au Lait, Latte Macchiato, Cappuccino, Caffé Latte, Espresso oder Espresso Doppio?“ wird er polyglott nach der exakten Ausrichtung seines Genusswunsches gefragt. Seine Antwort verliert an Selbstbewusstsein, klingt fast schon wie eine Frage: „Kaffee – ganz einfach eine Tasse Kaffee ohne Schnickschnack . . .“

„Also eine einfache Tasse Kaffee?“, wird nachgefragt. Es keimt wieder Selbstbewusstsein beim Kunden auf: „Ja, bitte.“ Doch vor ihm baut sich schon die nächste Fragenflut auf: „XS, klassisch oder maxi?“ Der Mann zuckt zusammen, wird zum Schatten seiner selbst: „Geht ganz normal? Eine ganz normale Tasse Kaffee?“, fleht er verzweifelt. Die Fachverkäuferin scheint zu verstehen: „Also klassisch. Mit Milch und Zucker?“ Der Kunde streicht die Segel. Sein „egal“ ist kaum noch zu hören. Schiffbruch mit Kaffee.

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