Würzburger Uni-Garten - „Woche der Botanischen Gärten“ vom 13. bis 21. Juni / Begrenzte Besucherzahlen Wo gerade der Jadewein blüht

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Pat Christ
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Gerd Vogg ist froh, dass der Botanische Garten in Würzburg bald zumindest an den Wochenenden wieder geöffnet werden kann. © Pat Christ

Würzburg. Nein, sagt Gerd Vogg, man habe die Menschen nicht verärgern wollen: „Dennoch mussten wir in den letzten Wochen unseren Botanischen Garten schließen.“ Die Sicherheitsauflagen, die dem Corona-Virus verbunden sind, seien einfach nicht erfüllbar gewesen. In der Bevölkerung sorgte die Schließung für Verdruss: „Etliche Menschen riefen deshalb bei uns an.“ Inzwischen hat sich die Situation entspannt, das Freigelände kann voraussichtlich im Juni zumindest an den Wochenenden wieder geöffnet werden.

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Die Corona-Krise ist für den Botanischen Garten alles andere als unproblematisch, schildert der Kustos der Würzburger Universitätseinrichtung. „Wir mussten unsere Belegschaft anfangs in mehrere Schichten einteilen, um zu vermeiden, dass, wenn ein Infektionsfall auftritt, das gesamte Team in Quarantäne kommt“, so Vogg.

Das wäre fatal gewesen, denn im Botanischen Garten wachsen etliche kostbare Pflanzen. Die müssen jeden Tag gegossen und gepflegt werden. 13 gärtnerische Mitarbeiter kümmern sich um die Blumen, Bäume und Sträucher im Freigelände, im Gewächshaus, im Arzneipflanzengarten und Gebirgspflanzenhaus.

Sicherheit gewährleisten

Zwei studentische Hilfskräfte sollen ab Juni für weitmöglichste Sicherheit im Botanischen Garten sorgen. Sie gewährleisten auch, dass die Einrichtung zur diesjährigen „Woche der Botanischen Gärten“ öffnen kann. Diese Woche, in der Botanische Gärten auf sich aufmerksam machen, findet diesmal vom 13. bis 21. Juni statt. Nach aktuellem Stand der Dinge kann der Botanische Garten Würzburg mindestens an den Wochenenden des 13. und 14. sowie des 20. und 21. Juni besucht werden. „Am Einlass gibt es Murmeln“, verrät Vogg. Sind alle Murmeln ausgegeben, müssen die nächsten Besucher warten, bis ein Gast den Garten verlässt und seine Murmel abgibt.

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Die Schließung hat den Botanischen Garten selbst hart getroffen, sagt Vogg. Denn dadurch konnte die Pflanzenbörse als einzige Veranstaltung im Jahr, die Geld einbringt, nicht stattfinden. Die wird normalerweise alljährlich Mitte Mai organisiert. Das Event ist extrem beliebt, um die 5000 Menschen aus der gesamten Umgebung strömen bei gutem Wetter zu diesem Ereignis in den Botanischen Garten, um zu sehen, welche Pflanzenraritäten regionale Spezialgärtnereien anbieten. Mit den Einnahmen finanziert das Team des Botanischen Gartens all das, was nicht im Budget vorgesehen ist.

Die Absage der Börse führt zwangsläufig dazu, dass sich die gärtnerischen Gestaltungsspielräume in diesem Jahr verringern. Besucher allerdings bekommen davon nichts mit: Die Pflanzen in allen Arealen sind top gepflegt. Für alle diejenigen, dies es gar nicht erwarten können, den Botanischen Garten in seiner Frühlingspracht zu sehen, hat sich Gerd Vogg mehrere digitale Angebote ausgedacht. Über die Startseite der Einrichtung kann man seit kurzem eine virtuelle Führung durch den Garten absolvieren. In einer Bildergalerie ist zu sehen, was just blüht. Jadewein und Aloen zum Beispiel. Ein Online-Bild zeigt Frösche aus dem Gartenteich beim Sonnenbaden.

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Weil die Sicherheit mit Blick auf die Infektionsgefahr Vorrang hat, musste das Team des Botanischen Gartens auch die Lehre komplett umstrukturieren. „Derzeit sind keine Studierenden bei uns“, sagt Vogg. Im Garten lernen angehende Biologen normalerweise, Pflanzen zu bestimmen.

Neues Online-Konzept

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Der obligatorische Bestimmungskurs, so Vogg, läuft stets dreiteilig ab. Am Beginn steht eine Vorlesung. Danach machen sich die Studierenden im großen Kurssaal des Gartens daran, Pflanzen zu bestimmen. Im dritten Teil des Kurses gehen die jungen Leute auf Exkursion, um Gewächse in der Natur zu erleben. In Corona-Zeiten musste ein völlig neues Online-Konzept für den Kurs gestrickt werden.

Die beste Audiodatei, das beste Online-Video und der beste Chat schlagen gegenüber dem realen Leben meist in vielerlei Hinsicht ab – und so ist das auch mit dem Bestimmungskurs. Dessen praktischer Teil läuft nun über das von der Uni Würzburg entwickelte Programm CaseTrain ab. Die Studierenden sehen Bilder von Pflanzen, etwa vom Buschwindröschen, und erhalten dazu Fragen gemäß dem Bestimmungsschlüssel: Wie sehen die Blüten aus? Wie viele Fruchtknoten sind zu sehen? Welche Form hat der Stängel? Auf diese Weise lernen sie Pflanzen zwar ganz gut kennen. Vogg: „Doch eigentlich müssten sie sie in der Hand haben.“

Auch wenn sich die restriktiven Maßnahmen allmählich lockern, werden wohl noch länger keine Veranstaltungen stattfinden können. Das ist für Vogg vor allem mit Blick auf eine für Juni geplante Ausstellung des Landesbunds für Vogelschutz und des Bauernverbands sehr schade. Dabei hätte es um das wichtige Thema „Landwirtschaft und Naturschutz“ mit allen seinen Facetten gehen sollen: „Also zum Beispiel um Bodenschutz, Blühstreifen und Biodiversität.“ Den Besuchern soll vor Augen geführt werden, welche Tiere und Pflanzen zu den Verlierern der landwirtschaftlichen Intensivierung zählen. Und aus welchem Grund genau diese Lebewesen akut bedroht sind.

Weil die Schau für Gerd Vogg sehr wichtig ist, würde er sie gerne so bald als möglich zeigen: „Vielleicht klappt es ja im Juli.“ Die Ausstellung stellt dem Botaniker zufolge dar, dass die Landwirtschaft der entscheidende Schlüssel zu mehr Naturschutz ist: „Wobei die Bauern nicht die Buhmänner sind.“ In erster Linie seien die Konsumenten gefordert, die endlich höhere Preise akzeptieren müssten.