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Uni Würzburg - Lehrstuhl für Altorientalistik wird verstärkt / Volkswagen-Stiftung fördert Aktion mit einer Million Euro / Unterstützung durch Akademie der Wissenschaften und Bundesforschungsministerium

Sie erforschen die Hintergründe der Menschheitsgeschichte

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Martin Gruber und Elisa Roßberger verstärken den Lehrstuhl für Altorientalistik der Universität Würzburg. © Uni

Würzburg. Elisa Roßberger und Martin Gruber wurden auf zwei neu geschaffene Juniorprofessuren am Lehrstuhl für Altorientalistik der Universität Würzburg berufen. Beide forschen und lehren im Fach Vorderasiatische Archäologie.

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Forschung und Lehre in den Altertumswissenschaften an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) werden dadurch nachhaltig gestärkt: Der Lehrstuhl für Altorientalistik hat im Rahmen seiner strategischen Weiterentwicklung Mittel für zwei neue Stellen eingeworben, die beide seit Herbst 2021 besetzt sind.

In beiden Fällen handelt es sich um so genannte „Tenure-Track-Professuren“. Sie werden zunächst befristet besetzt, sind aber von Beginn an mit einer festen Zusage verbunden: Nach einer Bewährungsphase erfolgt ein direkter Übergang auf Lebenszeitprofessuren an der JMU.

Die Volkswagen Stiftung (Hannover) fördert die beiden Juniorprofessuren in den kommenden sechs Jahren mit einer Million Euro. In der Zeit danach finanziert die Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz eine der beiden Stellen zur Hälfte. Weitere finanzielle Förderung stammt aus dem Tenure-Track-Programm des Bundesforschungsministeriums.

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Dr. Elisa Roßberger wurde auf eine Juniorprofessur für Digital Humanities für Vorderasiatische Archäologie und Altorientalistik berufen, Dr. Martin Gruber auf eine Juniorprofessur für Vorderasiatische Archäologie.

Beide erforschen die Zeugnisse alter Kulturen in einem Gebiet, das von der heutigen Westtürkei bis nach Afghanistan und vom Kaukasus bis auf die Arabische Halbinsel reicht. Diese Kulturen haben – von den prähistorischen Epochen bis in die Spätantike – die Menschheitsgeschichte in vieler Hinsicht geprägt.

Elisa Roßberger ist im Chiemgau aufgewachsen. Sie hat Vorderasiatische Archäologie, Politikwissenschaft und Altorientalistik an der LMU München, in Beirut und in Tübingen studiert. Schon früh im Studium konnte sie an Grabungen in Jordanien und Syrien teilnehmen – ab da war sie vom Alten Orient und seinen Keilschriftkulturen fasziniert.

Als Doktorandin pendelte sie zwischen Tübingen und München: An der LMU war sie Stipendiatin im Graduiertenkolleg „Formen von Prestige im Altertum“, über die Universität Tübingen war sie in ein Grabungsprojekt im syrischen Qatna eingebunden. 2010 schloss sie die Dissertation in Tübingen ab.

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Als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Postdoc lehrte und forschte Roßberger an der Universität Freiburg und an der LMU. Dort leitete sie zuletzt ein Projekt, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Programm eHeritage zur digitalen Erschließung kulturellen Erbes gefördert wird.

Das BMBF-Projekt führt sie in Würzburg weiter. Es geht darin um vorderasiatische Rollsiegel – kleine zylinderförmige Steinwalzen, die Menschen im Alten Orient auf Tontafeln, Tür- und Gefäßverschlüssen abrollten. Auf diese Weise wurden zum Beispiel Haus- oder Grundstücksverkäufe besiegelt. „Nicht nur Beamte und Institutionen hatten damals Siegel, sondern auch sehr viele Privatpersonen“, erklärt die Wissenschaftlerin.

Roßberger will rund 25 000 Siegel und ihre Abrollungen auf Ton – bestehend aus Bildern und Keilschriftinschriften – mit digitalen Methoden erschließen. Dazu werden zweidimensionale Scans und Zeichnungen mit Spezialsoftware und Methoden des Maschinellen Lernens bearbeitet. Ein Ziel dieser Arbeit ist es, Interaktions-Netzwerke zwischen Menschen, Bildern und Dingen aufzuspüren: Welche Menschen benutzten welche Siegelmotive, wie waren sie untereinander verbunden? Am Ende des Projekts, im Herbst 2023, soll eine öffentlich zugängliche Online-Plattform stehen, die der Fachcommunity und der interessierten Öffentlichkeit vielfältige Möglichkeiten zur Erkundung antiker Quellen bietet und als Basis für weitere interdisziplinäre Forschungen dient. Den Studierenden bringt Elisa Roßberger bei, wie sich Objekte, Bilder und Fundkontexte der vorderasiatischen Archäologie digital erschließen, verknüpfen und vermitteln lassen.

Martin Gruber hat Vorderasiatische Archäologie, Assyriologie sowie Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie an der LMU München studiert. Dort war der gebürtige Südtiroler auch Stipendiat im Graduiertenkolleg „Formen von Prestige in Kulturen des Altertums“. Promoviert wurde er 2016. Im Lauf seiner Karriere sammelte er bei vielen Grabungen in verschiedenen Ländern einen reichen Erfahrungsschatz. Mit einem Fortbildungsstipendium des Deutschen Archäologischen Instituts Istanbul beteiligte er sich nach seiner Promotion an den langjährigen Forschungen in der Hethiter-Hauptstadt Hattuscha (Türkei) und war wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Grabungsprojekten im Kaukasus und Irak. Die Feldforschungen in Hattuscha wird er an der JMU weiterführen. Ab Sommer 2022 übernimmt er eine Teilgrabung an einem der westlichen Stadttore. „Geophysikalische Messungen haben gezeigt, dass dort Überreste von Gebäuden vorhanden sein müssen“, sagt der Forscher. Als Grenze zwischen Stadt und Umgebung sei das Umfeld von Stadttoren archäologisch besonders interessant. Mindestens sechs Jahre lang soll das Grabungsprojekt in Hattuscha laufen. Es bietet kommenden Studierendengenerationen ein Betätigungsfeld für archäologische Praktika und Abschlussarbeiten. Das gilt natürlich auch für die Projekte von Elisa Roßberger: „Wir wollen an der JMU neue Bachelor- und Masterstudiengänge für Vorderasiatische Archäologie mit einer starken digitalen Komponente aufbauen“, kündigen sie an. Die ersten Studierenden können sich voraussichtlich zum Wintersemester 2022/23 einschreiben.

Ein weiteres Projekt von Martin Gruber ist im Kaukasus angesiedelt. Mit Förderung durch die Gerda-Henkel-Stiftung erforscht er seit 2020 in Aserbaidschan die Überreste einer fast vergessenen Kultur, die rund 3000 Jahre alt ist. Entdeckt wurde sie bereits im 19. Jahrhundert, als im Zuge von dort begonnenen Bergbauarbeiten des Unternehmens Siemens auch erste archäologische Untersuchungen durchgeführt wurden.

Man legte zahlreiche Gräber frei und fand unter anderem reiche Bronzebeigaben und Keramikgefäße, mitunter auch große Grabhügel mit Wagen- und Pferdebestattungen. „Bis heute ist wenig über diese Kultur bekannt“, so Martin Gruber.

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