Überregionales Forschungsprojekt gestartet - Forschungsministerium gibt 2,3 Millionen Euro / Würzburger Experten beteiligt Neuer Therapieansatz bei Covid

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pm
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Ein Impfstoff ist bereits gefunden, doch bislang gibt es nur sehr wenige Medikamente wie den Wirkstoff Remdesivir, einem antiviralen Breitspektrum-Medikament (Bild), die bei einer ausgebrochenen Covid-19-Erkrankung helfen. Jetzt forschen Würzburger Experten mit an einem neuen, offenbar vielversprechenden Therapieansatz. © dpa

Würzburg. An der Erforschung eines neuen Therapieansatzes gegen Covid-19 sind auch Würzburger Forscher beteiligt. Das überregionale Forschungsprojekt will eine zielgerichtete Therapie gegen SARS-CoV-2 entwickeln. Es wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Konsortiums „InfectControl“ mit rund 2,3 Millionen Euro gefördert. Die beteiligten Institutionen aus Jena, Würzburg und Hamburg verfolgen einen vielversprechenden Ansatz, mit dem das Virus zielgerichtet vom Immunsystem eliminiert werden kann.

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Neben präventiven Maßnahmen wie Impfkampagnen und Kontaktreduzierungen sind möglichst schnell wirksame Therapien und Medikamente gegen SARS-CoV-2 ebenso wichtig. Bis heute gibt es allerdings nur wenige vielversprechende Therapieansätze, schreibt die Universität Würzburg in einer Pressemitteilung.

Forschende des Leibniz-Instituts für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie (Leibniz-HKI), der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der Julius-Maximilians-Universität Würzburg sowie des Heinrich-Pette-Instituts/ Leibniz-Instituts für Experimentelle Virologie in Hamburg vereinen deshalb jetzt ihre Expertisen in den Bereichen Wirkstoffentwicklung, Infektionsmedizin und Virologie. Ziel des Projekts ist es, einen neuartigen Therapieansatz für SARS-CoV-2-Infektionen zu entwickeln. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen außerdem dazu beitragen, bei möglichen zukünftigen Infektionsausbrüchen mit anderen Erregern rasch neue Therapeutika entwickeln zu können.

Die Wissenschaftler wollen das Immunsystem dazu bringen, die Viruspartikel eigenständig zu erkennen und zielgerichtet zu beseitigen: Dabei machen sie sich die hochspezifische Wechselwirkung zwischen Virus und menschlicher Zelle zunutze: Nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip interagiert ein Oberflächenprotein – das sogenannte Spike-Protein – des Sars-Coronavirus-2 mit Rezeptoren menschlicher Zellen. Aufgrund seiner geringen Größe und durch die Aufnahme ins Zellinnere können menschliche Immunzellen, die sogenannten Fresszellen, das Virus nicht in sich aufnehmen und zerstören.

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Axel Brakhage ist Sprecher von „InfectControl“ und Direktor des Leibniz-HKI. „Wir entwickeln maßgeschneiderte Aggregate, die dem Rezeptor der menschlichen Zelle nachempfunden sind. Unsere Hoffnung ist, dass die Viren schließlich an den künstlichen Rezeptor binden und nicht an die menschliche Zelle. So könnten die Zellen des Immunsystems die Viren erkennen und eigenständig eliminieren“, so der Molekularbiologe. Der Chemiker Florian Kloß ergänzt: „Wir werden die potenziellen neuen Wirkstoffe durch Laboruntersuchungen auf Funktionalität und Verträglichkeit analysieren und Möglichkeiten für die therapeutische Nutzung prüfen.“ Kloß leitet die Transfergruppe Antiinfektiva am Leibniz-HKI und widmet sich mit seinem Team der frühen klinischen Entwicklung aussichtsreicher Wirkstoffe. Die Würzburger Virologin Simone Backes und der Immunologe Georg Gasteiger, Leiter der Max Planck-Forschungsgruppe für Systemimmunologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, werden dann untersuchen, ob die entwickelten Wirkstoffe eine Coronavirus-Infektion verhindern können: Sie wollen herausfinden, ob die künstlichen Aggregate die Coronaviren tatsächlich markieren und für einen Angriff durch das menschliche Immunsystem sichtbar machen. „Im Vorhaben werden wir zusätzlich die antiviralen Eigenschaften der neuen Wirkstoffe gegen Sars-CoV-2 in einem humanen Lungenmodell evaluieren“, fügt Gülsah Gabriel hinzu. Sie leitet die Abteilung „Virale Zoonosen-One Health“ am Heinrich-Pette-Institut, Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie in Hamburg. Gemeinsam mit ihrem Team erforscht sie die molekularen Mechanismen der Virusübertragung zwischen verschiedenen Arten sowie die Pathogenese von zoonotischen Viren. Das Forschungsnetzwerk „InfectControl“ vereint Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft, die gemeinsam neue Strategien zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten entwickeln. Die Forschungsprojekte des im BMBF-Programm „Zwanzig20 – Partnerschaft für Innovation“ geförderten Konsortiums überschreiten die Grenzen von klassischen Fachdisziplinen und betrachten Infektionen konsequent nach dem so genannten „One Health“-Ansatz. pm