Innenstadt-Entwicklung - Diskussionen, den Bereich hinter dem Würzburger Dom autofrei zu machen, führen zu offenem Brief an den OB Neuer Streit um Parkplätze

Lesedauer: 
Das friedliche Bild täuscht: Um die Parkplätze hinter dem Würzburger Dom ist erneut ein Streit entfacht. © Hildenbrand/dpa

Würzburg. SPD, Grüne und weitere Parteien im Würzburger Stadtrat wollen die Parkplätze hinter dem Dom abschaffen und den Paradeplatz begrünen. Die CSU ist dagegen. Der Handelsverband Bayern und das Stadtmarketing „Würzburg macht Spaß“ wenden sich nun mit einem Schreiben an den Oberbürgermeister und die Stadtratsfraktionen, um vor diesen Planungen zu warnen und auf die Gefahr für die Unternehmen und die Innenstadt hinzuweisen.

AdUnit urban-intext1

Die Kritik der Händler richtet sich in erster Linie an diejenigen, die bis 31. März den Wegfall der Stellplätze am Dom kurzfristig erreichen und ebenfalls unter Streichung der Parkflächen Hofstraße und Kardinal-Döpfner-Platzes zur Fußgängerzone ausweisen wollen.

In diesem Brief heißt es unter anderem: „Einen schlechteren Zeitpunkt dafür kann es nicht geben: Alle Hoffnung der Unternehmen richtet sich aktuell auf eine zwingend notwendige – mittlerweile aber längst nicht mehr für alle selbstverständliche – Möglichkeit der Wiedereröffnung in einer erreichbaren und gut besuchten Innenstadt. Dabei gilt es unter anderem, Kunden, die in den vergangenen Monaten auf den Onlinekauf zurückgreifen mussten, wieder für die Innenstadt zu gewinnen“. Mit dieser Maßnahme würde man genau das Gegenteil erreichen. Gegen eine „solide, nachvollziehbare und schrittweise“ Verkehrsplanung im gemeinsamen Diskurs sei auch seitens des Einzelhandels nichts einzuwenden. Auch einer touristischen Aufwertung stünde man nicht entgegen – weder Paradeplatz noch Kardinal-Döpfner-Platz seien dabei jedoch von touristischer Relevanz. Auch nach der Pandemie, so heißt es weiter, sei es eine der wichtigsten Aufgaben für die Städte, einen nutzbringenden Ausgleich zwischen Erreichbarkeit und Aufenthaltsqualität zu erarbeiten – und dieser Spagat sei nicht immer einfach: Eine hohe Aufenthaltsqualität in einer Stadt sei unter qualitativen Gesichtspunkten gut und sinnvoll; Verkehrsbeschränkungen zu Lasten der Erreichbarkeit jedoch mit einer quantitativ ausufernden Aufenthaltsqualität zu begründen, sei „unpassend“.

Im Brief schreiben die Unterzeichner weiter: „So können weniger Abstellmöglichkeiten ohne die Schaffung eines adäquaten Ausgleichs wie beispielsweise die Aufstockung des Theater-Parkhauses zwei Folgen haben: Entweder meiden die Bürger diesen Standort und weichen auf besser erreichbare Parkplätze aus, oder der Parksuchverkehr wird im besten Falle an anderer Stelle zunehmen, da sich damit die Anzahl der Besucher nicht automatisch reduziert – beide Varianten können nicht gewünscht sein.“

AdUnit urban-intext2

Und weiter: „Mit Nachdruck müssen wir hier erneut auf den entscheidenden Umstand hinweisen, dass die Würzburger Innenstadt maßgeblich von der Kaufkraft der Bürger aus dem Umland lebt. Diese wichtige Kundengruppe ist vor allem wegen fehlender Alternativen zu großen Teilen auf den Individualverkehr angewiesen. Der Antrag legt zu unserem größten Bedauern die Annahme nahe, dass in Teilen des Stadtrats die Meinung vorzuherrschen scheint, auf Kundenschichten leichtfertig verzichten zu können. Der Einzelhandel kann dies – mit und ohne Pandemie – nicht, sofern er weiterhin Attraktivitätsfaktor der Innenstadt sein soll“. Dies gelte genauso für die Gastronomie, Hotellerie, Kultur und Dienstleister.

Auch sei seitens der Stadt verpasst worden, die erforderlichen Alternativen zu schaffen, etwa durch den ausreichenden Ausbau des ÖPNV oder des P&R. Dieses Versäumnis dürfe nun nicht „übers Knie gebrochen“ werden. Am Ende heißt es: „Sicher verstehen Sie die Enttäuschung der Unternehmen über den Schnellschuss auf Kosten der Wirtschaft, über den falschen Zeitpunkt und über den fehlenden Dialog.“