Forschung

Neuer Sonderforschungsbereich

Vielfalt an wichtigen Erregern, die in Würzburg erforscht werden, ist fast einzigartig

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pm
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An der Julius-Maximilian-Universität geht ein neuer Sonderforschungsbereich an den Start. © Universität

Würzburg. In Würzburg geht ein neuer Sonderforschungsbereich an den Start. Er befasst sich mit kritischen Entscheidungsprozessen, die den klinischen Verlauf von Infektionskrankheiten bestimmen. Immer mehr Krankheitserreger werden unempfindlich gegen antimikrobielle Wirkstoffe wie Antibiotika. Daher müssen ständig neue Wirkstoffe entwickelt werden. Es scheint so, als könne die Menschheit das „Wettrüsten“ gegen die Erreger bald verlieren.

„Die Strategie, ausschließlich die Erreger direkt anzugreifen, wird langfristig nicht ausreichen“, sagt Professor Thomas Rudel, Leiter des Lehrstuhls für Mikrobiologie im Biozentrum der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU).

Was zu ändern ist: Die Wechselwirkungen zwischen Krankheitserregern und dem Gewebe und Immunsystem des Menschen müssen besser analysiert werden, so Rudel. Bisher kaum auf breiter Ebene erforscht, aber von großer Bedeutung seien hier bestimmte zentrale Entscheidungsprozesse, die den klinischen Verlauf einer Infektion bestimmen.

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Das ist zum Beispiel die Frage, ob sich nach einem Erregerkontakt eine aktive Infektion entwickelt oder ob aus einer lokal begrenzten Infektion eine systemische Erkrankung wird. Von Bedeutung ist auch die Frage, ob Erreger, die sich aktiv vermehren, in ein Stadium der Persistenz oder Chronifizierung übergehen.

Genau diese Entscheidungsprozesse sollen im neuen Würzburger Sonderforschungsbereich (SFB) „Decisions in Infectious Diseases“, kurz „Decide“, untersucht werden. Das Besondere: Der SFB konzentriert sich nicht auf einen einzelnen Erreger, sondern kombiniert Arbeiten zu verschiedenen Bakterien, Viren und Pilzen, die Infektionen des Menschen verursachen.

„Die Vielfalt an wichtigen Erregern, die am Standort Würzburg erforscht werden, ist fast einzigartig – das war eine wichtige Voraussetzung für unseren Erfolg“, so SFB-Sprecher Thomas Rudel. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert ihn in den kommenden vier Jahren mit 13 Millionen Euro. Offizieller Start des SFB ist in diesem Januar. Das Geld wird auch für die Finanzierung von Personal eingesetzt; unter anderem sieht der SFB zahlreiche Stellen für Promovierende und Postdocs vor. „Wir freuen uns sehr, dass wir so auch viele Nachwuchstalente in die Spitzenforschung einbinden können“, so Thomas Rudel.

„Decvide“ vereint 26 Forschungsteams. 19 davon sind von der JMU, drei vom Universitätsklinikum Würzburg und jeweils eines vom Helmholtz-Zentrum für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) in Würzburg, vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig, von der Technischen Universität Berlin und der Universität Münster. Alle Teams sind führend in Infektionsbiologie und Immunologie. Auf beiden Gebieten haben die JMU und das Universitätsklinikum jahrzehntelange Expertise.

In den vergangenen Jahren wurde dieses Profil weiter geschärft, unter anderem durch die Ansiedlung des HIRI sowie der Max-Planck-Forschungsgruppen für Systemimmunologie auf dem Würzburger Medizincampus. pm