Erlebniszentrum - Im Gramschatzer Wald gibt es ein deutschlandweit einmaliges Bildungsprojekt Lust auf Mathematik im „Zahlenwald“

Von 
Pat Christ
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Gabi Preiß geht an einer der der Outdoor-Tafeln der Frage nach, worin alles die Zahl „Fünf“ steckt. © Pat Christ

Würzburg. Es klopft viermal an den Stamm: Klack, klack, klack, klack… Die Kinder zählen gespannt mit. Na, wie oft war der hölzerne Specht zu hören? Die Antwort kommt prompt. Sie kommt begeistert. Denn alle haben Spaß daran, sich über Zahlen dem zu nähern, was um sie herum passiert. Im „Zahlenwald“, einem kürzlich offiziell eröffneten Projekt im Walderlebniszentrum Gramschatzer Wald bei Würzburg, wird Kindern ab drei Jahren Mathematik auf ganzheitliche, emotionale Weise vermittelt.

Zahlen und Emotionen

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Viele Menschen haben höchst unangenehme Erfahrungen mit Mathematik. Wie abstrakt es im Unterricht zugegangen war. Wie oft man nicht kapiert hat, was der Lehrer da vorne an der Tafel tat. Wer solche Erfahrungen gemacht hat, für den ist die Welt der Mathematik meist für alle Zeiten verleidet.

Dass die Lust an Zahlen so oft ausgetrieben wird, fand Gerhard Preiß, Professor für Mathematikdidaktik in Freiburg, bitter. Der leidenschaftliche Zahlenfan entwickelte deshalb das Konzept „Zahlenland“, das inzwischen in viele Kitas integriert ist. Aus diesem Konzept heraus entstand nun in Gramschatz der deutschlandweit erste „Zahlenwaldweg“ mit sieben festen Stationen.

Vor etwa acht Jahren sind die Würfel für das Projekt gefallen, erzählt Wolfgang Graf, Leiter des Walderlebniszentrums. Damals lebte der 2017 verstorbene Mathematiker Gerhard Preiß noch. Die Vorbereitungen zogen sich hin, vor allem mussten Geldgeber gewonnen werden: Über 85 000 Euro kostete das letztlich mit Preiß’ Tochter Gabi realisierte Projekt, das seit wenigen Wochen von Kitas, Grundschulen und Familien kostenlos besucht werden kann. Finanziert wurde der „Gramschatzer Zahlenwald“ vom Förderverein des Walderlebniszentrums, aus EU-Mitteln sowie aus Spenden.

Zahlen werden hörbar

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Entlang des „Zahlenwaldwegs“ werden Zahlen hörbar, tastbar und sichtbar. So sind Kinder an der ersten Station aufgefordert, hübsche Geburtstagsthrone aus Holz zu schmücken. Auf einem der Throne prangt eine lustige rote Zwei. Logisch, was in die dazugehörige Vase kommen muss: Zwei Fundstücke aus dem Wald. Also etwa zwei Zweige. Oder zwei Blumen. Zwei Kerzen aus Holz verschönern den Thron, zwei aufgemalte Luftballons sorgen für gute Laune. Auf dem Sitz ist Platz für zwei weitere Gegenstände. Etwa zwei Blätter. Oder zwei Tannenzapfen.

Im „Zahlenwald“ lernen Kinder rechnen und erfahren zudem noch eine Menge Interessantes über die Natur. So schaut also ein Ahornblatt aus: „Es besteht aus fünf spitz zulaufenden Blättern“, erläutert Förster Wolfgang Graf. Viele Insekten haben sechs, Spinnen acht Beine. Spinnen mögen Kinder oft ebenso wenig wie Mathematik. Doch auch das kann sich im „Zahlenwald“ ändern: Über ein „Spinnenlied“ an einer der Stationen wird die Sympathie für die krabbeligen Netzkünstler geweckt.

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Es ist tatsächlich möglich, die Welt der Zahlen mit spielerischer Leichtigkeit zu erobern, zeigen Förster Wolfgang Graf sowie Gabi Preiß und Jörg Finke mit ihrem Projekt „Zahlenwald“. Inzwischen haben das auch schon mehrere Kinder erlebt. Graf: „Viele kamen bisher mit ihren Omas und Opas in unseren Zahlenwald.“ Kitas und Grundschulen steht der Zahlenwaldweg gegen eine Voranmeldung das ganze Jahr über kostenlos zur Verfügung. Erzieherinnen und Lehrer, die mehr über das Projekt wissen wollen, können sich im Walderlebniszentrum melden.

Barrierefreier Weg

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Letztlich steht der Weg jedem offen, der sich eine Auszeit vom Alltag nehmen möchte. Denn auch, wenn die Stationen für Kinder von drei bis acht Jahren ausgelegt sind, gibt es Interessantes für Erwachsene zu entdecken. Der Weg selbst ist barrierefrei zugänglich. Das geschah mit Blick auf Kinder im Rollstuhl, versteht sich doch das Walderlebniszentrum als inklusiver Ort der Umweltbildung. Eben weil der Weg so „schön“ ist, entdeckte Graf in den letzten Wochen häufig betagtere Waldbesucher mit Rollator.

Bisher tauchten alle Gäste rundum zufrieden aus dem „Zahlenwald“ auf. Verabschiedet werden sie von freundlich blickenden Zahlen im Ausgangsbereich, die zum Abschied ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Der Satz: „Seid freundlich zu den Zahlen, dann sind die Zahlen auch freundlich zu euch“, gehört zu den bekanntesten Aussprüchen von Gerhard Preiß.