LeerRaumPioniere - Fünfte Ausstellung in der Würzburger Annastraße soll im Oktober eröffnet werden / Konzept kommt jungen Künstlerin zugute Kunst statt gähnender Leere

Von 
Pat Christ
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An den rohen Wänden einer ehemaligen Eckkneipe in der Annastraße werden in wenigen Wochen Kunstwerke von Felix Röhr und anderen LeerRaumPionieren zu sehen sein.

© Pat Christ

Würzburg. "Zeit" ist für Felix Röhr ein faszinierendes Phänomen. Wie Fassaden allmählich Risse bekommen. Wie ein Haus nach und nach zerfällt. Wie sich die Dinge unmerklich verwandeln unter dem Einfluss der Zeit. Mit seiner Kamera ist der Würzburger Archäologe auf der Suche nach "Zeitstrukturen". Was er einfängt, verfremdet und bearbeitet er. "Ausgestellt habe ich meine Sachen allerdings noch nie", bekennt Röhr. In Kürze wird Premiere sein. Und zwar über das Projekt "LeerRaumPioniere".

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Seit Sommer 2014 gibt es die "LeerRaumPioniere" in Würzburg. Das sechsköpfige Team spürt Leerstände in Würzburg auf und fragt nach, ob dort, wo gerade nichts zu sehen ist, junge Kunst gezeigt werden darf. Vier Mal schon wurden leerstehende Räume künstlerisch zwischengenutzt.

Fünfte Ausstellung geplant

"Anfang Oktober werden wir unsere fünfte Ausstellung haben", so Röhr. Die soll als kleine "Jubiläumsschau" mit Kunst verschiedener junger Kreativer aufgezogen werden. Ausstellungsort ist diesmal die Annastraße 11 in Würzburg. Hier gab es bis vor einiger Zeit eine kleine Eckkneipe. Seit Januar werden die leeren Räume von der Würzburger Verbraucher-Erzeuger-Gemeinschaft (VEG) renoviert. Die begann vor wenigen Wochen, in einem der beiden Räume regionale Produkte aus kontrolliert biologischer und kleinbäuerlicher Landwirtschaft anzubieten. In dem noch nicht genutzten hinteren Raum wird die "Jubiläumsschau" der "LeerRaumPionier"e präsentiert.

Felix Röhr wird dann abstrahierte Zeichnungen, Fotografien und Mix Media-Werke zum Thema "Zeitstrukturen" zeigen, die selbst enge Freunde noch nicht gesehen haben. Seit zehn Jahren arbeitet er an seinem Werk, ohne dass er sich bisher um eine Ausstellung bemüht hätte. Nun, findet er, ist es an der Zeit, an die Öffentlichkeit zu gehen. Das Gute: Mit ihm stellen andere aus: "Und zwar ebenfalls Künstler, die noch nie zuvor eine Ausstellung gehabt hatten."

Nicht einfach

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Leicht ist es in Würzburg nicht, leerstehende Räume für junge Kunst zu gewinnen, meint Röhr: "Gerade in den guten Innenstadtlagen lehnen die Vermieter unseren Wunsch nach Zwischennutzung oft ab." Darum auch hat es nun ein ganzes Jahr gedauert, bis die Pioniere einen neuen Raum gefunden haben.

Beitrag zur Stadtentwicklung

Letztlich ist das für die Stadt natürlich ein gutes Zeichen. Es gibt hier längst nicht so viel Leerstand wie in anderen Orten Deutschlands. Auch stehen die Läden kaum einmal für längere Zeit leer: Oft dauert es nur wenige Wochen bis zur Neueröffnung eines Geschäfts. Allenfalls in Nebenstraßen ist mitunter ein Laden länger verwaist.

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Die "LeerRaumPioniere" sehen sich auch als ein Werkzeug zur Stadtentwicklung. Gleichzeitig bereichern sie das kulturelle Leben. Denn wo kann man in Würzburg schon junge, experimentelle Kunst betrachten?

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Wer noch nicht etabliert ist, also noch nicht dem Berufsverband Bildender Künstler (BK) oder der Vereinigung Kunstschaffender Unterfranken (VKU) angehört, hat es in Würzburg nicht eben leicht, Arbeiten auszustellen. Es gibt kaum Räume für experimentelle Kunst. Das Konzept der "LeerRaumPioniere" ermöglicht es ihnen, eine erste Ausstellung "low budget" zu realisieren. Völlig ohne Risiko.