Leserbrief - Zu „Papst betet für Jemen“ (FN, 2. Januar) Kranke Welt, kranker Mensch

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Leserbrief-Schreiber: Anton Mittenhuber
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Kranke Welt, kranker Mensch! Papst Franziskus hat in seiner Weihnachtsbotschaft unter anderem gesagt: „Wir haben zu lange geglaubt, dass wir in einer kranken Welt gesund bleiben können“. Damit liegt er nach meiner Ansicht vollkommen richtig, auch wenn das nicht jeder so sehen mag.

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Durch Ausbeutung, ständiges Streben nach immer mehr und Wachstum um jeden Preis ist unser Planet zum hochgradigen Patienten geworden.

Jetzt in der Coronazeit ist die persönliche Hygiene eine Verpflichtung, aber unser Lebensraum (Luft, Wasser usw.) darf weiter nach Belieben verschmutzt und verpestet werden.

Die Aussage des Papstes trifft auch im übertragenen Sinne auf die zunehmende Verschmutzung der Weltmeere, vor allem mit Plastikmüll, zu.

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Das Gleiche gilt für die Tierhaltung (Massentierhaltung) und den Handel mit Tieren. Bekanntermaßen hat das Covid-19-Virus seinen Anfang auf einem Markt in Wuhan genommen, wo vor allem exotische Tiere gehandelt wurden. Circa 60 Prozent der Viren werden vom Tier auf den Menschen übertragen. Es war nur noch eine Frage der Zeit, wann die geschundene Natur zurückschlagen wird.

Vielleicht ist das jetzt erst der Anfang, oder es ist als Warnung zu verstehen, endlich den Schalter umzulegen.

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Wie krank ist das denn, wenn – wie vor kurzem im Fernsehen gezeigt – ein T-Shirt von den vergifteten Baumwollfeldern bis zum Fertigteil rund 20 000 Kilometer zurücklegt, 1000 Liter Wasser verbraucht und dann bei uns für 3,99 Euro (Online ab 1,49 Euro) verkauft wird? Wer denkt beim Kauf an die Frauen, die für einen Hungerlohn bis zu 14 Stunden am Tag schuften bzw. an die Umwelt?

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Als 2013 in Bangladesch ein Brand in einer Textilfabrik mehr als 1000 Tote kostete, war der Aufschrei groß und die Schwüre aus Politik und Textilindustrie noch größer. Geändert hat sich seither so gut wie nichts.

Dieses Beispiel steht für vieles, was wir täglich kaufen. Nur wir Verbraucher hätten es in der Hand, diesen Irrsinn durch unser Kaufverhalten zu beenden. Wie die Krise jetzt zeigt, kann man auch mit weit weniger Konsum gut leben!