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Leserbrief - Zu „Worin bestand der Mehrwert?“ (FN, 1. Februar) Konstruktiver Weg gegen Diskriminierung

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Am 24. Januar 2022 haben sich 125 Mitarbeitende der Kirche als queer geoutet. Sie stellen die Frage, worin der Mehrwert dieses Outings lag. Darauf möchte ich Ihnen antworten.

Die katholische Kirche ist eine der größten Arbeitgeberinnen Deutschlands. Sie stellt Personen im Rahmen des „kirchlichen Arbeitsrechts“ an, was sich vor allem in der „Loyalitätsverpflichtung“ vom Arbeitsrecht unterscheidet. Die Loyalitätsverpflichtung schreibt vor, mit den Glaubens- und Moralvorstellungen der katholischen Kirche auch privat übereinzustimmen. Im Konkreten bedeutet das beispielsweise, dass queere Personen berechtigt Angst haben müssen, gekündigt zu werden.

In der Initiative out in church erzählen Religionslehrende, Krankenpflegende und eben auch Priester, dass sie aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Identität fürchten ihren Job bei der Kirche zu verlieren und daher ihr Privatleben geheim halten.

Ja, alle Mitarbeitende der Kirche kennen das katholische Arbeitsrecht. Aber warum muss man dieses kritiklos hinnehmen? Priester beispielsweise verpflichten sich zölibatär zu leben. Aber ein Leben im Zölibat bedeutet nicht, dass Priester keine Sexualität haben.

Sie entscheiden sich nur aktiv diese nicht auszuleben. Sprechen Priester momentan darüber, dass sie nicht heterosexuell sind, fürchten sie eine Kündigung. Tun Priester das mit ihren heterosexuellen Neigungen, ist das ein normales Gespräch mit ihrem Bischof.

Die katholische Kirche hat eine Kultur der Angst geschaffen, in dem eigene Mitarbeitende Angst haben über ihr Leben zu sprechen. Es erfordert großen Mut offen zur eigenen Sexualität zu stehen und damit auf Missstände in der katholischen Kirche, dem eigenen Arbeitgeber, aufmerksam zu machen und diese verändern zu wollen.

Ich halte das für einen konstruktiven Weg sich gegen Diskriminierung zu engagieren.

Der Mehrwert der Initiative liegt in der Hoffnung auf eine Kirche für alle, in der die Mitarbeit jedweder Person vorbehaltlos angenommen wird

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