Schöffengericht Würzburg - Hansa Rostock-Anhänger verurteilt Fußball-Fan den Schal geraubt

Von 
Franz Barthel
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Würzburg. 20 Euro gab der Verteidiger eines Hansa Rostock-Fans vor dem Schöffengericht einem Würzburger Kickers-Anhänger, damit der sich einen neuen Fan-Schal kaufen kann, "obwohl der nur 15 Euro kostet". Das änderte aber nichts daran, dass der Rostock-Fan jetzt auch einen Raub in seinem Vorstrafenregister hat.

Verärgerung

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Aus Verärgerung über die Niederlage seines Vereins bei den Würzburger Kickers im April 2016, als beide Mannschaften in der dritten Liga spielten, hatte der 22-jährige Arbeitssuchende am Würzburger Hauptbahnhof Stunden nach Spielende einem 17-jährigen Kickers-Fan dessen Schal abgenommen. Gesagt habe er dabei nichts, so der Zeuge, aber ihm mal kurz an die Kehle gegriffen, sodass er keine Luft mehr bekam und seinen Schal freiwillig losließ. Da der Angeklagte bereits am Abend vor dem Spiel mit anderen per Bahn Richtung Würzburg aufgebrochen war und sich seitdem überwiegend nur noch aus Flaschen ernährt hatte, konnte er sich angeblich nicht mehr so genau an das Geschehen am Bahnhof erinnern.

Er müsse den Schal, meinte er, dann gleich wieder weiter verschenkt haben. "Dumm gelaufen" sagte er beim sogenannten "letzten Wort", aber das könne man jetzt nicht auch nicht mehr ändern.

Bewährung

Das Gericht verurteilte den Mann aus Mecklenburg-Vorpommern zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten, gab ihm, da Geständnis und geringer Schaden, Bewährung. Dazu kam als Auflage 250 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Außerdem, auch wenn die Würzburger Kickers inzwischen eine Liga höher spielen als Hans Rostock, verhängte das Gericht "für alle Fälle" für Würzburg ein Stadionverbot von drei Jahren Dauer.

Weiterer Schal-Fall

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Das Urteil ist sofort rechtskräftig geworden, allerdings ist ein weiterer Schal-Fall noch offen. Das Gericht wies darauf hin, dass der Angeklagte auf der Fahrt zum Kickers-Spiel in Würzburg in Berlin beim Umsteigen zusammen mit einem Kumpel einem Fan von Union Berlin den Fan-Schal mit Gewalt abgenommen hat.

Daher müsse der Angeklagte demnächst mit einem weiteren Strafverfahren beim Amtsgericht in Berlin und einer weiteren Verurteilung wegen Raubes rechnen - und dann könne es für die Bewährung aus Würzburg "eng werden".