Zwei Jahre auf Bewährung - Ehemals international erfolgreicher Nachwuchsfechter stand vor Gericht / Als Anlageberater abgestürzt Dilettantische Überfälle auf eine Sparkassen-Filiale und eine Tankstelle

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Würzburg/Tauberbischofsheim. Er war einmal ein international bereits erfolgreicher Nachwuchsfechter, der als Anlageberater abgestürzt ist und nun wegen zwei Überfällen auf eine Sparkassen-Filiale und eine Tankstelle in Würzburg vor Gericht stand. Verurteilt wurde der 33 jährige am Montag wegen versuchter räuberischer Erpressung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Er bekam Bewährung und wurde nach der Urteilsverkündung aus der Untersuchungshaft entlassen.

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Den Überfall auf eine Sparkassen-Filiale bezeichneten Prozess-Beteiligte nachträglich als dilettantisch-einmalig. Kurz vor Schalterschluss war der stark verschuldete Finanzmakler dort erschienen, mit Sonnenbrille und Kapuze überm Kopf. Er solle nur etwas abgeben, sagte er zum Mann an der Kasse, überreichte einen Umschlag, auf dem "dringend" stand und verließ die Sparkasse.

Auf einem Zettel standen, handgeschrieben und durchnummeriert, Aufträge für den Kassier: Er solle nicht-registrierte Scheine in einen Koffer oder eine Tasche packen, zu Kollegen und Kunden sagen, dass er wegen einer technischen Störung mal kurz die Kasse schließe, aber gleich wieder da sei. Das Geld, eine konkrete Summe forderte er nicht, solle auf der anderen Straßenseite an einem Zigaretten-Automaten deponiert werden, es werde abgeholt. Niemand komme zu Schaden, wenn man sich an seine Anweisungen halte, der Kassier könne seine Familie am Abend in die Arme schließen und der Verlust für die Sparkasse halte sich in Grenzen, da die ja für solche Fälle versichert sei. Dann kam die Drohung: Sollte die Polizei verständigt werden, explodiere ferngesteuert ein im Vorraum der Sparkasse abgelegtes Sprengstoff-Paket. Der Kassier blieb cool, schickte zwei Kunden nach draußen, lotste die Belegschaft in einen Besprechungsraum und verständigte die Polizei. "Ich bin doch nicht so blöd und trage einem Räuber noch Geld hinterher" sagte er vor Gericht auf die Frage, warum er kein Geld eingepackt und wie vom Räuber gefordert, innerhalb von einer Minute und 30 Sekunden am Zigarettenautomaten zum Abholen bereitgelegt hatte.

Eine Kripo-Beamtin berichtete als Zeugin, dass der Fall schon als ungelöst zu den Akten gelegt werden sollte, man sei bei den Ermittlungen gegen Unbekannt nicht weiter gekommen.

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Einen Monat später hat der Finanzmakler dann versucht, eine Tankstelle zu überfallen. Nach seiner Festnahme machte er reinen Tisch und gestand auch den Sparkassen-Fall.

Der Überfall auf die Tankstelle war gescheitert, weil der Tankwart zu der Zeit gerade Altpapier hinterm Haus entsorgte. Als er zur Tankstelle zurückkam, sah er durch die Scheibe drinnen einen Kunden mit Pistole an der Kasse stehen und verständigte vorsichtshalber die Polizei. Bei der Pistole handelte es sich um eine Spielzeug- Pistole aus einem 1-Euro-Shop. fb