Wirtshaussingen - Über den Trend und das "Bernamer Wirtshausliederbuch" Die Bücher raus und einfach mitsingen

Von 
Eva-Maria Lechner
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Mainbernheim. Wirtshaussingen ist "in". Achim Zepter aus Mainbernheim reitet jedoch nicht einfach auf dem Trend. Vielmehr hat sich der 48-Jährige auf seine "alten Tage" auf sein neues Hobby Gitarre spielen und Singen gestürzt.

Achim Zepter in seinem Element. Der Mainbernheimer ist mit seiner Anlage, Gitarre und dem "Bernamer Wirtshausliederbuch" unterwegs.

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Er stellt in Fußgängerzonen oder Wirtschaften seinen Hocker und nebenan seinen Hut auf, singt und spielt volkstümliche Weisen und Gassenhauer bis hin zu deutschen Schlagern oder englischsprachigen Lagerfeuer-Klassikern. Mal alleine, am liebsten aber mit vielen Mitsängern. Für die gibt es jetzt das "Bernamer Wirtshausliederbuch".

166 Stücke zusammengestellt

Exakt 166 Stücke umfasst die Sammlung, die Achim Zepter in den vergangenen Monaten zusammengestellt hat und die eine Mainbernheimer Gemeinschaftsproduktion ist: 50 Exemplare wurden gedruckt, die Stadt hat das Papier, Angler Computer, den Drucker und den Toner gestellt, in der Druckerei Hügelschäffer setzte Zepter an den Maschinen mit Folien und Bindematerial die Seiten zusammen.

Die Texte von Traditionals wie "Im Märzen der Bauer" oder Oldies wie "So schön war die Zeit" wurden über Generationen weiter gegeben. Viele Texte hatte Zepter bereits von befreundeten Wirtshaussängern aus Bergrheinfeld erhalten. Über die Hälfte der Stücke im Wirtshausliederbuch sind solche Melodien, die einfach jeder kennt.

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Erst im hinteren Teil sind auch solche Lieder zu finden, die viele noch vom Jugendzeltlager oder aus dem Radio kennen: Von "Weine nicht, kleine Eva" bis zu "Country Roads" ist da alles dabei, was möglichst viele Leute mitsingen können.

"Am liebsten spiele ich mit Menschen ab 50 Jahren aufwärts. Die kennen die alten Lieder und freuen sich, zusammenzukommen und gemeinsam zu singen", erklärt der kaufmännische Angestellte.

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Vorwiegend an den Wochenenden zieht Zepter spontan los, klopft in einem Gasthaus an und fragt, ob er singen darf. Oder Achim Zepter begleitet offiziell angekündigte Wirtshaussingen.

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Dann werden Bücher ausgeteilt, gespielt wird auf Zuruf, erlaubt ist, was gefällt. Und am Ende werden die Bücher eben wieder eingepackt, so der 48-Jährige.

Wirtshaussingen ist immer mehr im Kommen, was Reinhard Hüßner schon seit Jahren beobachtet. Entsprechend freute sich der Leiter des Mönchsondheimer Kirchenburgmuseums auf den unterfränkischen Volksmusiktag, der erst kürzlich stattgefunden hat und zu dem die Besucherinnen und Besucher zum gemeinsamen Singen zusammenkamen, begleitet von einem Akkordeonspieler.

"Selber machen, nicht einfach berieseln lassen, das ist hier angesagt", sagt Reinhard Hüßner. Bereits vor 20 Jahren habe er schon mal eine Veranstaltung in dieser Art organisiert, damals noch mit verhaltenem Zuspruch.

Spontan und ursprünglich

Seit wenigen Jahren aber würden sich die Menschen immer mehr auf das gemeinschaftliche Singen alter Lieder besinnen - ungezwungen, ungeübt, spontan und ursprünglich. Wenn es dazu noch etwas zu essen und zu trinken gibt, dann sind diese "Events", zu denen die Singen in den Augen Hüßners mittlerweile stilisiert werden, meist gut besucht.

Gemeinschaftsgefühl

Ankündigungen von Wirtshaussingen liest man immer öfter, teils tun sich ganze Gruppen zusammen und reisen mit Bussen zu den Veranstaltungen. Und hierbei machen sich oft auch die älteren Semester auf den Weg.

Hier sieht auch Achim Zepter den Schlüssel zum Erfolgskonzept Wirtshaussingen: "Es kommen zumeist Leute, die sonst nicht mehr viel weg gehen und die bei diesem Singen ein Gemeinschaftsgefühl erleben, wie sie dies bei anderen Festen nicht geboten bekommen."