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Metal-Festival - 33 Stunden, bevor die US-Band Metallica in Hockenheim auftritt, beschäftigen sich 300 Mitarbeiter mit gigantischer Technik

Die größte Bühne seines Lebens

Von 
Stephan Alfter
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Letztmals war Metallica im Jahr 2017 in Hockenheim: Damals kamen an zwei Tagen jeweils etwa 50 000 Besucher. Unser Bild stammt aus dem Jahr 2009 © privat

Hockenheim. Bühnentechnik ist wirklich nicht jedermanns Sache, aber von den Dimensionen, die seit vergangenen Samstag auf dem Hockenheimring angeliefert werden, lassen sich selbst Menschen beeindrucken, die mit Widerstand, Stromstärke und Spannung relativ wenig am Hut haben. Johannes Mey (kleines Bild) ist mit 15 Jahren Erfahrung im Bühnenbau schon lange kein Anfänger mehr. Er hat die großen Festivalbühnen in Deutschland gesehen und aufgebaut – nicht nur bei Rock am Ring. Er kennt sich aus und weiß, wie viel Ampere auf einer Phase liegen, wenn die Bässe krachen und die Lichtshow ihren Peak erreicht.

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100 Tonnen Licht- und Tontechnik

Als er knapp 24 Stunden vor Beginn des Download-Festivals am Donnerstagmittag davon erzählt, dass er eine größere und gigantischere Stage noch nie in seinem Leben errichtet hat, da ist klar, was die Stunde geschlagen hat. Das Unternehmen, das sie zur Verfügung stellt, heißt High Rise und sitzt in Mainz. Weit über 100 Tonnen an Licht- und Tontechnik können hier allein unter dem Dach hängen. Und jedes einzelne Teil muss gut befestigt sein, um niemanden zu gefährden. Noch tragen alle Helm.

Marten Pauls ist der Leiter der Veranstaltung, die am heutigen Freitag wohl mehr als 70 000 Menschen ins Motodrom ziehen wird. Zur Erinnerung: Ed Sheeran hat seinerzeit an zwei aufeinanderfolgenden Abenden jeweils 100 000 Menschen in die Rennstadt gelotst. Über dem aktuellen Download-Festival prangt heuer der große Name von Metallica. Das sind die Ikonen des 80er Jahre Thrash-Metal, die Band um Rhythmusgitarrist und Sänger James Hetfield sowie den Schlagzeuger Lars Ulrich. Mit „Enter Sandman“, „The Unforgiven“ und „Nothing Else Matters“ haben sie Rock-Hymnen geschrieben, die nahezu jeder mitsummen kann.

Stromaggregat schluckt viel Diesel

Wenn Hetfield, Ulrich und die anderen Bandmitglieder am Abend gegen 21 Uhr von den unweit hinter der Bühne gelegenen Dressrooms auf die Bühne springen, wird einige Meter hinter ihnen ein Stromaggregat laufen, das bis dahin wohl schätzungsweise schon 10 000 Liter Diesel geschluckt haben wird. Mey erzählt, dass in der Stadt eventuell die Versorgung in die Knie gehen könnte, würde man den Höhepunkt des Festivals ausschließlich mit Strom aus Hockenheim bestreiten. Dann doch lieber 10 000 Liter Diesel, auch wenn sich die Veranstalterfirma „Livenation“ – nach eigenen Angaben die größte der Welt – auf die Fahnen geschrieben hat, bis 2030 nur noch die Hälfte der heutigen CO2-Produktion zu emittieren. Dafür beschäftige man im Unternehmen eigene Nachhaltigkeitsmanager, sagt Marten Pauls, der in der Branche schon fast alles gesehen hat. Ständig klingelt sein Telefon an diesem Vormittag. Er koordiniert ein Team, das alle Belange im Auge haben muss. Vom Ravenol-Tower aus beobachtet er das Geschehen am Freitagabend gemeinsam mit den Ordnungsbehörden. Sein Job ist erledigt, wenn alle Bands fertig und alle Zuschauer draußen sind. Am Samstag reist er wieder ab, während die Bühne abgebaut wird, um sie mit 60 oder 70 Trucks ins spanische Bilbao zu bringen, wo James Hetfield und Lars Ulrich am 3. Juli wieder auf ihr spielen werden.

Blick in die Künstler-Räume

Marten Pauls ist derweil voll des Lobes über die Modernisierung, die am Hockenheimring während der Corona-Zeit über die Bühne gegangen ist. Die Infrastruktur, die er vorfinde, gehöre zum Besten, was man sich wünschen könne.

Bei den Toiletten hat „Livenation“ selbst aufgerüstet. Das Dixie-Klo hat ausgedient. Mit Blick auf die weiblichen Besucher hat man mehr an Komfort gedacht und bei Dienstleistern Wasser sparende Vakuum-Toiletten geordert. Apropos Komfort: Pauls lässt jetzt auch einen Blick in die Räume zu, in denen sich die Künstler die Klinke in die Hand geben werden. Eine Bar ist hier aufgebaut. Zusätzlich stehen die Namen an den Türen, hinter denen sich unbekanntere Bands einfinden. Ein Tischkicker steht herum. Metallica steht bisher nirgendwo. Wer Pauls beim Telefonieren zusieht, der weiß, das sich am Ende alles fügen wird. Ein Zeitraffer-Film könnte gut zeigen, wie die Puzzleteile hier über Tage zusammengesetzt wurden. Das Ziel ist die perfekte Show. Die Besucher zahlen meist 140 bis 160 Euro für das Tagesticket, von denen es noch genügend gibt ..

Redaktion Reporter in der Metropolregion Rhein-Neckar

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