Verbrechen - Beschuldigter Schütze von Rot am See in Stammheim in U-Haft / Auch Verteidiger macht keine Angaben zum Motiv Schwerverletzter außer Lebensgefahr

Von 
Andreas Harthan
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Rot am See. Der Anwalt von Adrian S. weist den Verdacht, dass es um Erbstreitigkeiten gegangen sein könnte, zurück. Eine Trauerfeier findet am Samstag im „Forum“ in Rot am See statt.

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Wie konnte es dazu kommen, dass Adrian S. in Rot am See sechs Familienangehörige erschossen und zwei weitere durch Schüsse verletzt hat? Was ist in den Sekunden vor der Bluttat im Kopf des 26-Jährigen vorgegangen? Diese Fragen bewegen nicht nur die Menschen in Rot am See.

Staatsanwaltschaft Ellwangen und Polizeipräsidium Aalen hatten in einer gemeinsamen Pressemitteilung bestätigt, dass der Beschuldigte, der inzwischen in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Stammheim in Stuttgart sitzt, bei Vernehmungen am Wochenende Angaben zur Tat gemacht hat. Wörtlich heißt es: „Hierbei ließ sich der Beschuldigte (...) auf seine Motivlage ein.“ Um welches Motiv es sich handelt, wurde in der Pressemitteilung mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht gesagt. Auf Anfrage betonte Andreas Kugel, der Anwalt von Adrian S., dass es bei dem Familientreffen am vergangenen Freitag nicht um Erbstreitigkeiten gegangen sei. Der Strafverteidiger aus Schwäbisch Hall wörtlich: „Das ist frei erfunden.“ Der Jurist weiter: „Es gibt ein Motiv.“ Aber auch er wollte keine näheren Angaben machen.

Mittlerweile steht fest, dass es kein siebtes Todesopfer geben wird. Laut Staatsanwaltschaft und Polizeipräsidium ist der 68-Jährige, der von Adrian S. am Freitagmittag angeschossen wurde und später mit einem Rettungshubschrauber ins Haller Diakonie-Krankenhaus kam, außer Lebensgefahr. Auch die Ehefrau des 68-Jährigen war angeschossen worden, erlitt aber keine lebensgefährlichen Verletzungen.

Trauerfeier im „Forum“

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Bei dem Ehepaar aus dem Landkreis Offenburg handelt es sich um die Großeltern väterlicherseits der beiden Kinder der Halbschwester von Adrian S. Während er die beiden Buben im Alter von 12 und 14 Jahren am Leben ließ, erschoss er ihre Mutter – und damit seine Halbschwester.

Siegfried Gröner, der Bürgermeister von Rot am See, bestätigte, dass es am kommenden Samstag um 13.30 Uhr eine Trauerfeier im „Forum“ in Rot am See gibt. Dekan Siegfried Jahn sagte dem evangelischen Pressedienst (epd), dass die Menschen in Rot am See tief betroffen seien. Sie würden jetzt einen Ort brauchen, „an dem sie Zusammenhalt spüren“. Was am Freitag geschehen ist, so der Dekan des Kirchenbezirks Blaufelden weiter, habe „eine Dimension, die nicht vorstellbar ist“. Auch die zehn Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger, die im Einsatz waren, erfuhren eine extreme Belastung. Sie würden nun, so der Dekan, prüfen, ob sie für die Verarbeitung des Geschehens eine psychologische Nachsorge brauchen. Die Zusammenarbeit zwischen den Seelsorgern und den Einsatzkräften sei vorbildlich gewesen, sagte der Dekan. Die Frauen und Männer betreuten unter anderem die beiden Jungen, die der Täter zwar bedroht, aber nicht erschossen hat.