Landwirtschaft - Die LBV in Schrozberg sieht keine Gefahr von Engpässen / Bäckereien leiden unter der Corona-Krise „Schweinepest ist größere Bedrohung“

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Alexander Schreiber
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Frische Waren kommen jeden Tag“, heißt es von der LBV Raiffeisen in Schrozberg. Selbst für massive Ausfälle durch Krankheit hat man vorgesorgt. © dpa

Auch in Hohenlohe gibt es Hamsterkäufe – doch von generellen Engpässen könne keine Rede sein, heißt es bei der LBV in Schrozberg.

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Schrozberg. Andreas Rohr von der Bauerngenossenschaft LBV sagt: „Die Lebensmittelversorgung ist sicher, aber es gibt Herausforderungen“. Auf Meldungen über Hamsterkäufe reagiert er mit Stirnrunzeln: So ganz verstehe er das nicht. Der Geschäftsführer der Landwirtschaftlichen Bezugs- und Verwertungsgenossenschaft (LBV) in Schrozberg, die drei Edeka-Filialen betreibt, befürchtet keine Engpässe in den Liefer- und Produktionsketten.

Die Pandemie hat Verbraucher in Aufruhr versetzt. Auch in Hohenlohe gibt es Hamsterkäufe, Klopapier steht hoch im Kurs. Wer dieser Tage einkaufen geht, kennt das Bild von leeren Regalen. „Frische Waren wie Fleisch, Käse oder Gemüse kommen jeden Tag“, sagt Rohr. Nur länger haltbare Produkte wie Konserven, Nudeln oder eben Klopapier würden von den Vorlieferanten kontingentiert. „Man bekommt die Mindestbestellwerte nicht. Unsere Lieferanten sagen, es gebe Artikelbereiche, in denen sie 300 Prozent der normalen Bestellungen haben. Das heißt aber nicht, dass es einen Mangel gibt.“

Sprich: Dass Lieferanten rationieren, ist ein hausgemachtes Problem, verursacht durch überproportional große Käufe der Verbraucher. Eigentlich wäre genug für alle da. Das einzig wirklich schwer beschaffbare Produkt: „Händedesinfektionsmittel.“ In ihrem Tierfutter-Geschäftsbereich hat die Genossenschaft ihre Kunden um frühzeitige Bestellungen gebeten. „Für den Fall, dass mal etwas beim Zulieferer wäre.“ „Die Leute kaufen mehr ein“, sagt Rohr und vergleicht das aktuelle Kaufverhalten mit dem „Weihnachtsgeschäft.“

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Die Hochkonjunktur in den Supermärkten kann die Genossenschaft gut gebrauchen: Sie befürchtet Umsatzverluste in ihren 28 Bäckereifilialen, vor allem durch die Schulschließungen. „Uns sind die Schüler weggebrochen. Allein in Crailsheim gibt es ja sieben Schulen“, sagt Rohr. In allen Filialen gibt es Backwaren nur noch zum Mitnehmen, Sitz- und Stehcafés sind vorerst geschlossen. Die Produktion der Backwaren sei nicht gefährdet, die Versorgung mit den nötigen Rohstoffen sichergestellt. Das einzige Problem könne sein, „dass in der Produktion ein Team krankheitsbedingt ausfällt“, so Rohr. Dann würde die LBV die Produktvielfalt zurückfahren. Für den Notfall, dass keine Produktion möglich wäre, hat sich die Genossenschaft abgesichert: Mit einem konkurrierenden Unternehmen hat sie vereinbart, im Zweifel den Bedarf des jeweils anderen mit abzudecken. Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen.

Um die Erzeugerfähigkeit der Bauern macht sich Rohr keine Gedanken. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein großer Teil von ihnen gleichzeitig krankheitsbedingt ausfällt, hält er „für ganz, ganz gering. Sie sind ja in der ganzen Region verteilt und haben nicht so viele sozialen Kontakte.“ Bislang ist der LBV kein Fall eines erkrankten Mitglieds bekannt. „Die Afrikanische Schweinepest ist für uns eine viel größere Bedrohung“, sagt Rohr.

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Das für den Menschen ungefährliche Virus tritt immer wieder in Wild- und Hausschweinen im europäischen Ausland auf, vor allem in Osteuropa. Sollte es ein Hausschwein in Deutschland infizieren, würden alle Schweine im betroffenen Betrieb getötet und ein Sperrbezirk von mindestens drei Kilometern um ihn herum errichtet. Als Reaktion auf die von der Bundesregierung beschlossenen Grenzschließungen hatten Landwirte vor Folgen für die Ernte gewarnt, darunter auch der Landesbauernverband Baden-Württemberg. Sie befürchten, dass in Obst- und Gemüsebaubetrieben Erntehelfer aus dem Ausland fehlen könnten.

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Bei der LBV blickt man gelassen auf die Situation. „Wir sind fast ausschließlich Ackerbaugebiet. Die Landwirte bestellen ihre Felder selbst. Eines unserer Mitglieder hat einen größeren Erdbeerbaubetrieb. Wenn es jemanden trifft, dann dieses“, sagt Rohr. Es sei zu früh, um sich schon jetzt Sorgen um Ernteerträge zu machen. „Wir hatten einen sehr milden Winter, die Feuchtigkeit ist da. Das sind gute Bedingungen für die Ernte.“ Alexander Schreiber