Medizin - Neues kooperatives Zentrum für Alterstraumatologie am Diakonie-Klinikum Schwäbisch Hall und Landkreis-Klinikum Crailsheim Schon bei der Aufnahme Risikopatienten erkennen

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Schwäbisch hall. Der demographische Wandel beeinflusst nahezu alle Bereiche der Gesellschaft. Auch in den Kliniken der Region macht sich dies bemerkbar und stellt große Herausforderungen an deren Organisation und Abläufe im Klinikalltag.

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Als derzeit einziges alterstraumatologisches Zentrum zwischen Mannheim und Nürnberg sowie Stuttgart und Würzburg wurde nun die Kooperation zwischen dem Diakonie-Klinikum in Schwäbisch Hall und dem Klinikum Crailsheim zertifiziert.

Die Zahl betagter Patientinnen und Patienten mit Verletzungen durch Stürze kontinuierlich zu, so Andreas Burgschweiger, Oberarzt der Klinik für Unfallchirurgie am Diakonie-Klinikum.

Im Jahr 2015 waren 43 Prozent der behandelten Patienten der Unfallchirurgie des Diakonie-Klinikums Schwäbisch Hall älter als 70 Jahre. Ab einem Alter von 65 Jahren stürzen Menschen statistisch gesehen mindestens einmal im Jahr. Das Risiko weiterer Stürze ist deutlich erhöht und steigt mit zunehmendem Alter an. Ein Sturz hat bei betagteren Patienten oft weitreichendere Auswirkungen als in jungen Jahren.

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Ältere Patienten leiden heutzutage meist zeitgleich an ganz verschiedenen Erkrankungen. Diese erschwert die Behandlung und erfolgreiche Rehabilitation maßgeblich und macht sie insgesamt zu Risikopatienten. Oft ist durch Osteoporose ohnehin schon ein erhöhtes Frakturrisiko gegeben.

Durch die flächendeckende Einrichtung geriatrischer Rehabilitationseinrichtungen in den vergangenen 30 Jahren und nun auch geriatrischer Fachabteilungen in den Krankenhäusern in den letzten zehn Jahren, wurde die Versorgung älterer, multimorbider Patienten maßgeblich verbessert und weiterentwickelt.

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Immer klarer wurde, dass die geriatrische Behandlung bereits frühzeitig möglichst bei Aufnahme in ein Krankenhaus ansetzen sollte. Die unfallchirurgischen und geriatrischen Fachgesellschaften begannen ein gemeinsames Konzept zu entwickeln, das 2013 an zehn Pilotkliniken in Deutschland erprobt wurde.

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Im November 2012 wurde die Zusammenarbeit zwischen der Unfallchirurgie des Diakonie-Klinikums und der geriatrischen Abteilung des Klinikums Crailsheim zum Aufbau eines kooperativen Zentrums für Alterstraumatologie ins Leben gerufen. Belohnt wurde die Zusammenarbeit im Dezember 2016 durch die offizielle Zertifizierung des kooperativen Zentrums für Alterstraumatologie als 50. Zentrum der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, bei rund 2000 Akutkliniken deutschlandweit. Das Diakonie-Klinikum Schwäbisch Hall und das Landkreis-Klinikum Crailsheim stehen seitdem als Kooperatives Zentrum für Alterstraumatologie für eine qualifizierte und möglichst optimale Behandlung älterer Traumapatienten. Sie stellen sich der Herausforderung einer immer größer werdenden Anzahl älterer Patienten.

Versorgung optimieren

Chefarzt Dr. Dieter Richter und Chefarzt Dr. Norbert Andrejew haben sich für ihr kooperatives Alterstraumazentrum große Ziele gesteckt: In erster Linie geht es natürlich darum, die Versorgungsqualität für ältere Menschen erheblich zu verbessern und langfristig die Zufriedenheit von Patienten und deren Angehörigen zu erhöhen. Dr. Norbert Andrejew sieht einen großen Fortschritt der Behandlung darin, dass nun bereits bei der Aufnahme auf einfachem Wege festgestellt werden kann, ob es sich um einen sogenannten "Risikopatienten" handelt. Durch die Einbindung verschiedener Fachgebiete in die Versorgung der Patienten und das Entwickeln interdisziplinärer Therapiekonzepte, wird die Versorgung der geriatrischen Patienten optimiert. Festgeschriebene Abläufe und Handlungsanweisungen fördern dies zusätzlich und verkürzen damit die Verweildauer im Krankenhaus.

Fortbildungen des Personals stellen zu jedem Zeitpunkt eine Versorgung nach den aktuellen Standards sicher. Patienten profitieren von der speziell auf ältere Menschen ausgerichteten Ausstattung des Alterstraumazentrums und der Kooperation zwischen Unfallchirurgie und Akutgeriatrie, heißt es in einer Pressemitteilung des Diak. Zudem findet zwischen Crailsheim und Hall ein reger Austausch statt. pm