Landwirtschaft - Der Kampmann-Hof ist einer der ältesten Demeter-Betriebe in der ganzen Region / "Feld nicht großen Konzernen überlassen" Saatgut als ganz spezielles Kulturgut

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Landwirt Wolfgang Kampmann mit zwei seiner 30 Milchkühe. Sie stellen das Fundament des Demeter-Bauernhofs dar, auf dem auch die Saatgutforschung fußt.

© Nils Gundel

Wolfgang Kampmann aus Tiefenbach setzt auf Nachhaltigkeit: Er ist Demeter-Bauer mit Leib und Seele. Dafür entwickelt und vermehrt er auch eigene Öko-Getreidesorten.

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Tiefenbach. Es ist ein großer Traum unserer Zeit: In seiner Arbeit aufgehen, das Hobby zum Beruf machen. Wolfgang Kampmann aus dem hohenlohischen Tiefenbach ist Landwirt, und hat genau das geschafft: "Pflanzenzucht und Saatgutvermehrung haben mich schon immer interessiert. Vor einiger Zeit haben wir für eine neue Sorte die Zulassung erhalten: der Jagsttaler. Mein Hobby ist damit zum Betriebszweig geworden." Dazu kommen dann noch das Milchvieh und der Futterbau.

Der Betrieb wurde bereits 1966 von seinem Vater zum Demeter-Hof gemacht. "Das heißt, wir haben spätestens 1963 damit begonnen, den Hof umzustellen", sagt Kampmann: "Wir sind einer der ältesten Demeter-Höfe in der Region."

"Gute Lebensmittel kosten mehr Geld. Tun sie das nicht, dann existiert irgendwo in der Produktion Ausbeutung, sei es an Mensch, Umwelt oder Tier." Die Landwirtschaft ist vielfältig und macht ihm Spaß, gleichzeitig sieht Wolfgang Kampmann aber auch seine Verantwortung als Landwirt.

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Dies geht auf eine Erfahrung aus seinen ersten Jahren als Landwirt zurück: "In meiner Meisterprüfung habe ich mich auf Pflanzenzucht und Kräuter konzentriert. Mit meiner ersten Aussaat flog ich dann aber richtig auf die Schnauze." Der Grund: Das Saatgut war qualitativ mangelhaft. "Da hab ich mich immer mehr mit dem Thema beschäftigt", sagt Kampmann: "Für den Ökobau braucht es einfach andere Sorten als für die konventionelle Landwirtschaft. Aber die muss man ja auch erst mal züchten."

Wolfgang Kampmann will das Feld auch nicht den großen Konzernen überlassen, schließlich ist Saatgut Kulturgut. Daher ist sein Betrieb in Tiefenbach auch Teil eines Öko-Züchternetzwerks, das vom Bodensee bis nach Hessen reicht.

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Möglich wird das durch den starken Einsatz aller Familienmitglieder. "Mein jüngerer Sohn Michael wird irgendwann den Hof übernehmen und kümmert sich schon jetzt um das Milchvieh. Dadurch hab ich natürlich mehr Zeit für die Sorten."

Blick ins Mikroskop

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Dies ist nämlich nötig, wenn man die Entwicklung des Saatguts immer gut im Auge behalten möchte - und dafür reicht dann keine Lupe mehr, sondern nur noch ein Mikroskop.

Zum Hof gehört zudem seit mehreren Jahrzehnten ein Hofladen. Er geht auf die Backkunst von Kampmanns Großmutter zurück, die Vollkornbrot frisch vom Hof verkaufte. Inzwischen führt Ehefrau Cornelia den Laden. Dort bekommt man alles, was der anspruchsvolle Kunde für eine nachhaltige Ernährung benötigt. Aber was macht ein Mann, der sein Hobby bereits zum Beruf gemacht hat, in seiner Freizeit? Er reist. Genauer: Er fährt mit seiner Frau ab und an spontan weg. "Seit die Söhne alt genug sind, um sich selbst um den Hof zu kümmern, geht das problemlos."

Vor allem in Deutschland sind Wolfgang und Cornelia Kamp mann dann unterwegs. An einen Ort wollen sie bald wieder fahren: Berlin. "Da gibt es noch so viel zu entdecken. Mit Berlin sind wird noch lange nicht fertig, es ist einfach eine beeindruckende Stadt." nigu