Kirche Crailsheim - Großer ökumenischer Pfingstgottesdienst wird heuer in kleinem Rahmen gefeiert „Krise wird Gesellschaft ändern“

Von 
Birgit Trinkle
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Pfingsten: das Hochfest der Christen? In diesem Jahr hatte man – nachdem Ostern schon ins Wasser gefallen war – fast das Gefühl.

Pfingsten: Die Kirche feiert Geburtstag

Pfingsten ist ein christliches Fest, an dem die Gläubigen die Sendung des Geistes Gottes zu den Jüngern Jesu und seine bleibende Gegenwart in der Kirche feiern.

Der Pfingstsonntag ist der 50. Tag der Osterzeit, also 49 Tage nach dem Ostersonntag, und liegt zwischen dem 10. Mai (frühester Termin) und dem 13. Juni (spätester Termin).

Im Neuen Testament wird in der Apostelgeschichte erzählt, dass der Heilige Geist auf die Apostel und Jünger herabkam, als sie zum jüdischen Fest Schawuot („zum 50. Tag“) in Jerusalem versammelt waren.

Dieses Datum wird in der christlichen Tradition auch als Gründung der Kirche verstanden.

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Crailsheim. Gab es jemals zuvor in der Geschichte des christlichen Abendlands Karund Ostertage ohne öffentliche Gottesdienste? Zum Pfingstfest nun konnte wenigstens in kleinem Rahmen in die Kirchen eingeladen werden – ausgerechnet an diesem wohl am meisten vernachlässigten Hochoder Hauptfest der Kirche, das an den großen Traum vom Miteinander aller Christen erinnert.

Im kleinen Kreis

Crailsheims ökumenischer Pfingstgottesdienst wurde nicht, wie sonst, von Hunderten auf dem Burgberg, sondern von einigen wenigen in der Dreifaltigkeitskirche auf dem Sauerbrunnen gefeiert. Pfarrer Eyub Aksoy von der Christuskirche übernahm die Liturgie, Diakon Werner Branke die Predigt. Er erzählte von der Beerdigung eines Corona-Toten, für die sich die Angehörigen das Lied „Einmal sehen wir uns wieder“ gewünscht hatten. Dieses Lied und Brankes Worte wurden über Lautsprecher übertragen: „Man hätte meinen können, wir beschallen vom Hauptfriedhof aus ganz Crailsheim.“

Für Branke war das auch ein Zeichen gegen das Corona-Virus. Hoffnung weitergeben So sehr dieses Virus den Menschen zeige, dass sie verwundbar seien - es gebe doch jemanden, der stärker sei.

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Dank der Kirche, so Branke, wüssten die Menschen von dieser Hoffnung; die Kirche habe diese Hoffnung durch die Jahrhunderte getragen. An Pfingsten nun feiere die Kirche den 1990. Geburtstag. Im Jahr 30, so erinnerte er an die Anfänge, sei der Heilige Geist über das nach Jesu Tod völlig verängstigte, hoffnungslose Häuflein Jünger gekommen, habe Freude und Kraft und einen Sendungsauftrag gebracht: Sie sollten hinausgehen, diese Jünger, „um den Geist Gottes unter allen Menschen spürbar und sichtbar zu machen durch eine radikale Nächstenliebe“. Damals seien die Jünger wundersamer Weise von allen verstanden worden, alle hörten sie in ihrer jeweiligen Muttersprache predigen. Das sei auch eine Vorausschau gewesen, so Branke mit Blick auf über tausend Sprachen, in denen heute an Pfingsten gepredigt wird. „Verkündigung kann nicht hinter verschlossenen Türen stattfinden,“ war Brankes zentrale Aussage: Kern des Pfingstgeschehens sei, dass die Apostel damit begannen, zu verkünden, dass sich Glaube und Vertrauen ausbreiteten. Ökumene stärken Auch in anderen Kirchengemeinden im Altkreis gab es in kleinem Rahmen Gottesdienste.

Alternativen genutzt

Die große Mehrheit der Gläubigen aber nutzte andere Möglichkeiten wie die der Online-Gottesdienste. „Ich glaube, die Corona-Krise hat uns auch ökumenisch weitergebracht“, erklärte Branke mit Blick auf die von allen Konfessionen genutzten neuen Kommunikationskanäle. Im ökumenischen Gottesdienst bat Branke die Gläubigen, Jesu radikale Liebe spürbar und erlebbar zu machen, etwa im Umgang mit Menschen, die von der Corona- Krise besonders betroffen seien.

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Diese Krise werde die Gesellschaft verändern und die Kirchengemeinden: „Ob es eine positive Verwandlung gibt, das liegt in unseren Händen.“ hota