Filmemacherin Justine Bauer - Sie will das Landleben jenseits der Klischees zeigen / Für Kurzfilm Darstellerinnen gesucht Interesse gilt zuallererst den Menschen

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seb
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Justine Z. Bauer stammt aus dem Gerabronner Ortsteil Großforst, ist Filmemacherin, Autorin und Bauerntochter. Ein Roman und zwei Filme sind in der Mache. Sie sucht Darstellerinnen.

Man sieht’s ihr an: Justine Z. Bauer ist nicht optimistisch, was die Wirkung von Kunst angeht. Aber sie hofft. © Semih Korhan Güner
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Gerabronn. Manche gehen und kommen nie wieder. Das Dorf, das Landleben, das, was die einen Heimat nennen und andere Hölle, lassen sie liegen, wo es ist und wie es ist. Bei Justine Z. Bauer ist das nicht so. Sie ist zwar gegangen aus Großforst im Jagsttal, hat Kunst in Leipzig studiert und macht jetzt ihren Abschluss in Spielfilmregie und Drehbuch in Köln. Aber sie ist auch ein bisschen geblieben, emotional, und kommt immer wieder zurück, zur Familie, zum Hund, zur Jagst, zur Ruhe.

Bitte ausdrucksstark, gern auf hohenlohisch

Die Protagonistin Katinka ist im Kurzfilm „Milch ins Feuer“ zwischen 16 und 24 Jahre alt.

„In Hohenlohe suchen wir deshalb nach jungen, ausdrucksstarken Frauen, die keine Spielerfahrung haben müssen, nur Lust und Interesse daran, vor der Kamera zu stehen“, sagt Justine Bauer.

Hohenlohisch ist dabei von großem Vorteil, aber auch kein Muss. Ausstrahlung und Persönlichkeit sind das Wichtigste“, so Justine Bauer. Wer Interesse hat, kann sich unter milchinsfeuer@posteo.de melden.

Es gibt zunächst ein Onlinegespräch und im November oder Dezember ein Casting in Hohenlohe. Gedreht werden soll im Jagsttal – zwei Wochen lang, voraussichtlich im Juli 2021. sebu

Bauer zog es von jeher zum Künstlerischen. Sie hat natürlich gelesen und sie hat (nicht nur) als Jugendliche Gedichte über den Weltuntergang geschrieben. Weil es am Gymnasium Gerabronn in der Oberstufe keinen Kunstkurs gab, wechselte sie ans Albert-Schweitzer-Gymnasium in Crailsheim. Gleichzeitig lernte sie in der elterlichen Landwirtschaft, wie man schafft und eine Mistgabel hält (nicht so jedenfalls, wie’s meist im Film geschieht). Herausgekommen ist eine Mischung, die man als bodennahes Höherstreben bezeichnen könnte, wenn man unbedingt ein Etikett bräuchte. Besser, man stellt einfach fest: Ihr Hohenloher Hintergrund zeigt sich in dem, was sie heute tut.

Und das tut sie: Sie hat die Kurzgeschichte „Sprudel am Brandrand“ geschrieben, mit der sie zuletzt ein Stipendium nach dem anderen abräumte, zum Beispiel eines der Kunststiftung Baden-Württemberg. Für ihren Abschluss-Kurzfilm, der 2021 gedreht werden soll, „Milch ins Feuer“ heißen wird und für den Bauer noch Darstellerinnen sucht, hat sie ebenso bereits eine Produktionsfirma gefunden wie für ihr Spielfilm-Debüt „Honey in a squeeze bear oder Frauen, die zu Eisschollen rennen“. Und an einem Roman – basierend auf der Kurzgeschichte – arbeitet sie gerade auch noch; Corona-Entschleunigung und Stipendien-Geld sei Dank. Bauer kennt es anders, unterfinanziert, unentschieden. Sie wusste lange ja nur, dass sie Kunst machen wollte, jobbte hier, jobbte da, schrieb darüber auf ihrer Facebook-Seite, suchte ihren Weg unter den Tausenden in unserer Möglichkeitsgesellschaft.

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Bildende Kunst? Die heute 30-Jährige hatte in Leipzig bald den Eindruck, dass da ein akademisches Milieu im eigenen Sud köchelt. „In Galerien sind eigentlich nur Kunststudenten und reiche Menschen“, sagt sie. Theater? Sie hat, um sich als Regisseurin zu probieren, zweimal das Kinderstück der Burgfestspiele Leofels auf die Bühne gebracht. Das hat Spaß gemacht, aber für die große, die professionelle Theaterwelt gilt für sie dasselbe wie für die Bildende Kunst: eigener Sud.

Bauer merkte, dass sie Geschichten erzählen will, schreibend, Regie führend, nicht für wenige Eingeweihte, sondern gerne für ein großes Publikum. „Ich glaube eigentlich nicht, dass man mit Kunst etwas erreichen kann“, sagt sie zwar. Und wünscht es sich doch. In „Milch ins Feuer“ jedenfalls, mit der Bauerntochter Katinka aus dem Jagsttal als Protagonistin, geht es um nicht weniger als um die ganz großen Themen: Heimat, Zukunft der Landwirtschaft, Klimawandel, Rechtsradikalismus, Geschlechterrollen.

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Wichtig ist es Bauer, sagt sie, authentisch zu erzählen, gerade vom Bäuerlichen und vom Landleben, jenseits der sattsam bekannten Klischees, die in Büchern und Filmen wuchern wie das Unkraut auf dem unkultivierten Acker.

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Zur Authentizität gehört für Bauer auch, dass ihre Hauptfiguren weiblich sind. „Ich glaube, dass ich Frauengeschichten besser erzählen kann“, sagt sie. Dass damit auch ihr feministischer Anspruch erfüllt wird: umso besser.

In ihrem Spielfilmdebüt soll es um fünf Frauen gehen, die sich in der Arktis treffen. Ganz weit weg von Hohenlohe also. Aber nicht weit weg von Bauer: Sie hat in Kanada und in Nordschweden gelebt, für ihren Film will sie zur Recherche zu den Inuit reisen, wenn die Corona-Lage es zulässt.

Es ist einfach so: Bauer interessiert sich, in Hohenlohe, in der Arktis, in der Kunst, zuallererst für Menschen, die bleiben. seb