Narrhutia Aub - Närrisches Jubiläum bei der Fastnachtsgesellschaft / Kurzweiliger Programm-Mix als Rückblick Immer voller Einsatz für das Lachen

Von 
Alfred Gehring
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Nachgestellte Suche nach dem ersten Vereinsvorsitzenden im Jahr 1971: Die "Narrhutia" machte aus der Gründerzeit gleich eine hinreißende Humor-Nummer.

© Gehring

Aub. Mit einem "Helau Radau", dem ursprünglichen Ruf der Auber Fastnacht erinnerten Narrhutia, der Auber Fastnachtsverein, am Samstag an seine Vereinsgründung vor 44 Jahren. Der Zeitpunkt war sorgsam gewählt, die Gründungsversammlung jährte sich fast auf die Minute genau. Exakt am 21. November 1971 hatten vierzehn Gründungsmitglieder im damaligen Gasthaus zum Löwen den Grundstein für den Verein gelegt - und hatten gleich das erste Problem: Niemand wollte den Vorsitz übernehmen.

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Mit einem Zwiegespräch zwischen Marktbrunnen "Bruno" und Stadtturm "Ulli" führten Bernhard Rappert und Anna Schreiber, die die beiden Auber Wahrzeichen verkörperten, durch den Festkommers und wussten beispielsweise auch zu berichten, wie vor 44 Jahren doch noch ein Vereinsvorsitzender gefunden wurde.

Franz Lesch, damals etwas verspätet zur Versammlung gekommen, übernahm den Vorsitz und ebnete damit den Weg für seither 44 Jahre erfolgreiche Auber Fastnacht. Anschaulich wurde die Szene der Vereinsgründung auf der Bühne dargestellt.

Es gab aber auch schon einen Vorgängerverein, die im Jahr 1911 gegründet "13er Narrhutia" veranstaltete schon in den Jahren vor und zwischen den Weltkriegen Umzüge. Unbeliebt war damals das Sammeln nach den Veranstaltungen, als Sammler von Gaststätte zu Gaststätte gingen und die Gäste um einen Obolus für die Kosten des Umzuges baten.

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Mit einem kurzweiligen Mix aus Spielszenen, Vorträgen, Fotos und Filmausschnitten von den verschiedenen Veranstaltungen führten die beiden Moderatoren sowie die derzeitige Vereinsvorsitzende Maria-Theresia Weber durch den Abend. Sie zeigten den geladenen Gästen Szenen und Bilder aus den Prunksitzungen, Ausschnitte von Büttenreden, Tanzvorführungen und von den Fastnachtszügen.

Veranstalteten zur Gründerzeit noch verschiedene Vereine ihre Kappenabende und Fastnachtsveranstaltungen, so übernahm Narrhutia ab 1973 das Geschehen mit der ersten Prunksitzung. Damals gab es nur einen einzigen Abend, seit vielen Jahren wird das Programm vier Mal an zwei Wochenenden aufgeführt

Zwischen Spaß und Arbeit

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"Lachen ist ein wertvolles Gut, aber nicht immer möglich", führte Bürgermeister Robert Melber in seinen Grußworten aus: "Gut, dass es viele von eurem Schlag gibt,

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die sich dem Lachen verschreiben". Aber was für die einen ein erheiternder Spaß sei, sei für die anderen harte Arbeit. Dennoch gelinge es den Auber Narren, jedes Jahr ein buntes Programm auf die Beine zu stellen. Besonders die Garden üben über einen sehr langen Zeitraum und sorgen für die sportliche Komponente im Verein.

Claus Menth als gemeinsamer Sprecher überbrachte die Glückwünsche der zahlreichen Auber Vereine in gereimter Form und auch der Patenverein aus Dachdorf (Giebelstadt) reihte sich in die Schar der Gratulanten ein.

Es gab aber auch statistisches zu erfahren an diesem Abend. Bernhard Rappert rief nicht nur an die Reihe der Sitzungspräsidenten (Ludwig Hirth, Kurt Kistner, Herbert Enzelberger und Christopher Dietl), die seit dem Jahr 1973 durch Prunksitzungen mit durchschnittlich 22 Programmpunkten führten und an die bisher 77 verschiedenen Büttenredner, die in der Bütt in Aub ihre Ansprachen hielten.

Die eifrigsten Redner in der Bütt waren dabei Bernhard Hammer, Josef Schnell und Doris Dening. Nicht ein einzige Mal musste auch nur ein Programmpunkt von auswärts eingekauft werden; darauf sind die Auber Narren letztlich ganz besonders stolz.

Rappert erinnerte an die Auber Fastnachtsordenwerkstatt in den Heizungskellern von Ehrenfried Allschinger und Herbert Enzelberger. Dort wurden über viele Jahre hinweg die Fastnachtsorden in Eigenarbeit hergestellt und die Ehefrauen der beiden hatten das zweifelhafte Vergnügen, die zeitweise mehr als hundert von den Ehemännern gefertigten Orden mit Kordeln zu versehen.

Bei einem Stelldichein der Garden zeigten die Kindergarde und die Prinzengarde, die Crazy-Girls, das Männerballett und das Mini-Männerballett wie viele Beine sich Jahr für Jahr bei Garde- und Schautänzen auf der Bühne tummeln.

Stolz ist man aber auch auf die Prinzenpaare. Narrhutia hat seit den ersten Prunksitzungen im Jahr immer ein Prinzenpaar gefunden. Da konnte Rappert aus eigener Erfahrung berichten: "Du sitzt abends bei einem Schoppen, knabberst an deinen Erdnüssen oder an deiner Frau, da läutet es an der Türe. Draußen steht eine Delegation von Narrhutia. Hinter dir steht lächelnd deine Frau, die schon Bescheid weiß..." Insgesamt 42 Prinzenpaare kamen so im Laufe der Jahre in Amt und Würden, später wurden jährlich auch Kinderprinzenpaare gekürt.

Die Auber Fastnacht brachte legendäre Gruppen auf die Bühne wie die Schoppenhauer, die Auber Schachteln, die über viele Jahre hinweg aus den Prunksitzungen nicht wegzudenken waren. Neben den Prunksitzungen und den Fastnachtszügen gehören die Kinderprunksitzungen und der Besuch im Seniorenheim zum jährlichen Programm. Es wurden über viele Jahre hinweg legendäre Harbachfeste ausgerichtet, die Wanderungen im Frühjahr und im Herbst waren immer gut besucht. Über die Region hinaus hat Narrhutia im Jahr 2006 Aufsehen erregt, als in Aub die erste rauchfreie Prunksitzung veranstaltet wurde.

Erinnert wurde aber auch an den leider viel zu früh verstorbenen Liedermacher Wolfgang Mitzler, der mit seinen unvergessenen Liedern auch über seinen Tod hinaus noch die Auber Fastnacht prägt. Lieder wie "echte Auber Fastnacht gibt es nur ein Mal und Karneval in Rio kann auch nicht schöner sein" dürfen auch heute noch in keiner Prunksitzung fehlen.