Corona-Krise - Musikschulen Crailsheim und Hohenlohe veranstalteten zweiten Flashmob Frühlingslied als Hoffnungsbotschaft

Von 
Birgit Trinkle
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Als die Kirchenglocken verstummten, stimmten Natalie und Bianca Rücker ihre Melodie an. Sie beteiligten sich am zweiten Flashmob der Musikschulen Crailsheim und Hohenlohe. © Trinkle

Zum zweiten Mal haben die Musikschulen Crailsheim und Hohenlohe an einem Sonntag nach dem Mittagsläuten zur Flashmob-Aktion aufgerufen.

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Hohenlohe. L’inverno e passato“ spielt’s aus einigen Fenstern, von Terrassen und Balkonen. In diesem alten italienischen Frühlingslied, das in vielen deutschen Schulen Unterrichtsstoff ist, wird davon erzählt, dass der Winter vergangen ist. Auch Bianca und Natalie Rücker, Mutter und Tochter, imitieren in Jagstheim mit Klarinette und Querflöte den Ruf des Kuckucks, „Cucù, cucù“.

Die zweite Flashmob-Aktion der Musikschulen Crailsheim und Hohenlohe sollte ein weiteres Zeichen der Solidarität sein, eine starke Botschaft an die europäischen Nachbarn, aber auch an Kranke und Infizierte im eigenen Land, an diejenigen, die sich – in welcher Position auch immer – aufreiben im Kampf gegen das Virus und im Bemühen, die Versorgung der Menschen sicherzustellen.

Bianca Rücker weiß mehr als die meisten anderen, was derzeit insbesondere in den Krankenhäusern geleistet wird. Sie arbeitet selbst als Krankenschwester im Klinikum Crailsheim. Seit ihrem Examen vor 25 Jahren hat sich ihr Traumberuf schon sehr verändert, sagt sie mit Blick auf Dokumentationspflicht, Personalabbau und drohende Schließungen. Das ändert nichts daran, dass sie gerne Krankenschwester ist und sich jederzeit wieder für diesen Beruf entscheiden würde. Trotz, oder vielleicht gerade wegen der aktuellen Corona-Krise, in der maximale Belastung im Bewusstsein ertragen wird, mehr denn je gebraucht zu werden und wirklich einen Unterschied auszumachen.

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In Deutschland, sagt sie, sei der Höhepunkt der Erkrankungswelle noch nicht erreicht: „Da kommt mehr.“ Sie und ihre Kolleginnen und Kollegen schützen sich so gut sie können, aber darüber hinaus lasse sich wenig tun. Wie gut, dass sie, wie sie sagt, „kein Typ ist, der in Panik verfällt“.

Zur Musik kam Bianca Rücker über ihren Grundschul-Klassenlehrer, der damals den Musikzug der Bürgerwache dirigierte – immer wieder wird thematisiert wie wichtig es für die Nachwuchsgewinnung der Bürgerwache ist, dass die Musikmeister in der Musikschule oder an den Grundschulen unterrichten. Bianca Rücker jedenfalls ist ihrem Instrument und der Bürgerwache treu geblieben. Und als es an der Zeit war, hat sie ihre Hinwendung zur Medizin und ihre Freude an der Musik ihrer Tochter Natalie weitergegeben.

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Die 21-Jährige, eine gelernte Physiotherapeutin, macht seit der musikalischen Früherziehung Musik; über einen Schnuppertag in der Musikschule kam sie bereits in der ersten Klasse zur Querflöte und letztlich zum Musikzug der Bürgerwache.

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Für beide Frauen war es selbstverständlich, dem Aufruf der Musikschulen nachzukommen und sich an der Aktion zu beteiligen. Die Musik, die den beiden selbst gut tut, seit sie als Kinder mit dem Unterricht begonnen haben, ist jetzt dazu gedacht, eine Hoffnungsbotschaft hinauszutragen, nach Crailsheim, nach Hohenlohe und insbesondere nach Italien: Der Winter ist vorbei, alles Bedrohende, alles Schmerzhafte, vergeht. Die Aktion der beiden Musikschulen, an der sich Musizierende aus ganz Hohenlohe beteiligen, wird am kommenden Sonntag nach dem Glockenläuten mit „Winter ade“ fortgesetzt. Mutter und Tochter Rücker sind wieder dabei. Birgit Trinkle