Freilichtspiele im Alarmzustand - Bei den Haller Theatermachern herrscht wegen Corona große Unsicherheit Eventuell mit abgespecktem Programm

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Jürgen Stegmaier
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Freilichtspiele-Mitarbeiter haben am 11. März Bauprobe zu „Der kleine Horrorladen“ auf der Großen Treppe in Schwäbisch Hall. Es ist kalt und es regnet an diesem Tag, doch sind die Theatermacher noch guter Dinge. Jetzt steht in den Sternen, ob das Stück in diesem Sommer gezeigt werden kann. © Bettina Lober

Bei den Haller Theatermachern herrscht wegen Corona große Unsicherheit. Kann geprobt werden? Wird gespielt? Wann ist Saisonstart? Diese und weitere Fragen sind offen.

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Schwäbisch Hall. Cervantes sitzt im Gefängnis. Er ist der Ohnmacht ausgeliefert. Wie die Hauptfigur in „Der Mann von La Mancha“, mag sich Christian Doll dieser Tage vorkommen. Der Intendant der Haller Freilichtspiele sieht der geplanten Sommersaison ähnlich ohnmächtig entgegen wie Cervantes.

Die Corona-Pandemie bedroht die Sommerspielzeit der Freilichtspiele Schwäbisch Hall. „Die verrückte Figur Don Quijote träumt den unmöglichen Traum. Es wäre schön, wenn wir in dieser Zeit diese Geschichte erzählen könnten“, sagt Christian Doll. Dieser unmögliche Traum verbindet die Freilichtspiele mit der Figur, die sie ins Globe bringen wollen.

Drei mögliche Szenarien

„Die Krise wird uns treffen. Ich mache mir große Sorgen, auch in finanzieller Hinsicht“, sagt Christian Doll. Ein Blick in die Bilanz des zurückliegenden Jahres macht deutlich, wie sehr das Haller Theater von den Einnahmen des Kartenverkaufs abhängig ist. 2019 haben rund 69 000 Zuschauer die Stücke der Freilichtspiele gesehen.

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Der Etat betrug 2,8 Millionen Euro. Etwa 70 Prozent davon wurden aus dem Spielbetrieb erwirtschaftet.

Das heißt, dass knapp zwei Millionen Euro durch den Kartenverkauf eingenommen wurden. Nicht beantwortet werden kann zu diesem Zeitpunkt, wie hoch die Einnahmen der Freilichtspiele in diesem Sommer sein werden, ob es überhaupt welche geben wird und wer ein mögliches Defizit übernehmen kann. Die Haushalte der unterstützenden Unternehmen dürften angesichts Corona ebenso angespannt sein wie die Kassen von Stadt und Land.

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Mit Hochdruck arbeiten die Freilichtspiele an alternativen Szenarien.

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Diese wären: Die Sommersaison der Freilichtspiele fällt komplett aus, das Programm wird auf das kommende Jahr verschoben. Die Spielzeit verschiebt sich nach hinten. Das Programm wird reduziert.

„Meiner Meinung nach ist ein Kurzprogramm mit zwei, maximal drei Stücken die wahrscheinlichste Variante. Für diesen Fall halte ich als Spielzeit den Sommermonat August für gut geeignet. Viele haben dann Urlaub, fahren aber wegen Corona wahrscheinlich nicht weg“, vermutet Thomas Lützelberger. Der Chef der Sparkasse Schwäbisch Hall-Crailsheim ist Vorstand der Gesellschaft der Freundinnen und Freunde der Freilichtspiele Schwäbisch Hall.

Geplant war, dass das Kinderstück „Die Schöne und das Biest“ am 10. Mai im Globe Premiere feiert. „Es ist nicht wahrscheinlich, dass wir diesen Termin halten können“, befürchtet der Intendant. Die Proben dazu sind zunächst einmal verschoben.

Zwischen Hoffen und Bangen

Für den 12. Juni ist dann die Premiere zu „Blues Brothers“ im Globe vorgesehen, tags darauf soll das Trauerspiel „Maria Stuart“ von Friedrich Schiller auf der Treppe aufgeführt werden. Ob diese Termine Bestand haben, vermag derzeit niemand zu sagen.

Die Freilichtspiele befinden sich in einem Zustand zwischen Hoffen und Bangen. Möglich erscheint, dass das Land die Kontaktsperre mit Ende der Osterferien am 19. April lockert.

„Die Bedeutung der Freilichtspiele für Hall ist außerordentlich groß! Sie sind neben der Kunsthalle das kulturelle Aushängeschild der Stadt – daran ändert auch Corona nichts. Man merkt speziell in dieser Situation, wie wertvoll ein hochwertiges Kulturangebot für die Freizeitgestaltung ist. Die Treue aller Zuschauer und Sponsoren zu unseren Freilichtspielen ist nun wichtiger als je zuvor“, sagt Thomas Lützelberger, der Vorsitzende des Freundeskreises.

Die Proben zu den Hauptstücken haben noch nicht begonnen, doch die übrigen Vorbereitungen dazu seien schon sehr weit, macht Christian Doll deutlich.

In nicht allzu ferner Zukunft müssen Halls Theatermacher entscheiden, wie und ob sie in die Sommersaison starten. Wahrscheinlich ist, dass auch der Probenstart für andere Stücke vom April in den Mai geschoben werden.

„Wir versuchen, miteinander eine Perspektive zu finden. Wir wollen uns nicht im Corona-Käfig einsperren lassen“, macht Christian Doll deutlich. Jürgen Stegmaier