Landwirtschaft - Spritze mit sogenannten Dropleg-Düsen im Einsatz / Bienen sollen nicht mit Pflanzenschutzmitteln in Kontakt kommen „Es geht immer um Kompromisse“

Lesedauer: 
Dieter Böhmer (links) und Hans-Martin Syring (Zweiter von links) stehen mit Gerd Schonder (rechts) und dessen Mitarbeiter Simon Vogtmann vor einer Pflanzenschutzspritze. Die beiden Imker vertrauen darauf, dass die Mittel dort landen, wo die Pilze an den Pflanzen sitzen, nicht die Bienen. © Dagmar Alberti

Eine neue Spritztechnik soll verhindern, dass Bienen mit Pflanzenschutzmitteln in Kontakt kommen. Gerd Schonder von der Betriebsgemeinschaft Neuhof wendet das Verfahren an.

AdUnit urban-intext1

Schöntal. Im Thema Landwirtschaft und Imkerei steckt Zündstoff. Aktionen einiger Interessenvertreter hätten bestehende Vorurteile nicht abgebaut, sondern weiter bestärkt. Das schreibt der Bauernverband, der ein Beispiel für ein funktionierendes Miteinander von Landwirten und Imkern zeigen will.

Fronten, die zwischen der Landwirtschaft als „Räuber” und den Imkern als „Beschützer“ aufgebaut wurden, hätten mit der Realität wenig zu tun. Dieser Meinung sind der Landwirt Gerd Schonder von der Betriebsgemeinschaft Neuhof und die beiden Imker Hans-Martin Syring und Dieter Böhmer. „Denn da geht es immer um Kompromisse.“ „Zum Glück ist der größte Teil der Imker vernünftig und der größte Teil der Landwirte auch”, sagt Syring.

„Unsere erste Begegnung war so, dass jeder von uns offen war und wir anständig miteinander umgegangen sind.” So beschreibt Schonder den Start der Zusammenarbeit zwischen ihm und den beiden Imkern aus der Nähe von Ludwigsburg. Daraus ist eine Wertegemeinschaft entstanden, die auf Vertrauen und Zusammenarbeit basiert. „Wir sind ein schönes Beispiel dafür, dass wir das zusammen gut hinbekommen und weiter gestalten können“, sind sich die drei einig.

AdUnit urban-intext2

Schon seit Jahren kommen Syring und Böhmer mit ihren Bienen an die Feldflächen in Hohenlohe. Vor allem der Raps ist für ihre Völker wichtig, weil diese gerade in einer wichtigen Entwicklungsphase sind. „Die Population des Bienenvolks wächst in der Zeit der Winter- auf die Sommersonnenwende rasant. Sie sammeln ihren Wintervorrat und brauchen sehr viel Nahrung. Da ist der Raps mit seiner üppigen Blütenpracht alternativlos“, erklären die Imker.

Dieter Böhmer und Hans-Martin Syring stehen mit ihren Bienen direkt neben einer Pflanzenschutzspritze mit sogenannten Dropleg-Düsen.

AdUnit urban-intext3

Sie vertrauen darauf, dass die gespritzten Mittel bei dieser neuen Technik direkt unterhalb der Blüten und nicht darauf dosiert werden. Also dort, wo die Pilze an den Pflanzen sitzen, nicht aber die Bienen.

AdUnit urban-intext4

Das Verfahren sei in den vergangenen drei Jahren als Projekt mit der Landesanstalt für Bienenkunde entwickelt und überprüft worden, schreibt der Bauernverband. Untersuchungen der Methode hätten ergeben, dass keinerlei Pflanzenschutzmittel im Honig nachgewiesen wurde. „Wenn es nicht so wäre, würden wir Raps nicht anwandern, da uns die Volksgesundheit der Bienen wichtig ist”, sagen die beiden Imker.

Austausch und Annäherung

„Vertrauen und Verlässlichkeit kennzeichnen nun mal unsere Zusammenarbeit“, betont Gerd Schonder. Diese basiere auf Austausch und Annäherung sowie auf der Überzeugung, dass man Wahrheiten irgendwann aushalten können müsse. „Wir sitzen in einer Arche: Als Landwirte bauen wir den Raps gern an. Die Imker schätzen ihn als Futter für ihre Bienen.“ Zusammen sehen sie sich als erfindungsreiche Problemlöser.

„Wir von der BG Neuhof fühlen uns im normalen Ackerbau der Umwelt verpflichtet und empfinden die Hybrid-Landwirtschaft als sinnvollen Zwischenweg”, erläutert Gerd Schonder. Damit meint er den Weg zwischen konventioneller und Bio-Bewirtschaftung

Er wünscht sich, dass beide Seiten vernünftig miteinander umgehen und reden. Schließlich hätten sie dasselbe Ziel: gesunde regionale Lebensmittel zu erzeugen. Dafür arbeiteten sie stets an Kompromissen und mit neuen Techniken. Der Zugang zur Imkerei beispielsweise, den Schonder dadurch bekommt, bestärke ihn darin, auf dem richtigen Weg zu sein. Die Imker wiederum freuen sich immer über Ansprechpartner für neue Blühflächen. Sie beobachten, dass der Wechsel der Stellflächen für ihre Bienen, bei den Imkern die Anwanderung genannt, den Völkern guttut. „Das beschäftigt das Bienenvolk, regt es an und schafft gute Rahmenbedingungen für ihre Arbeit”, weiß Dieter Böhmer.