Auszeichnung - Gerda Bier erhält den mit 10 000 Euro dotierten Hohenloher Kunstpreis „Werner Grund“ „Eisen verleiht Halt und Schutz“

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Monika Everling
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Renate Ziegler (Hohenloher Kunstverein, links) und Susann Mathis (Stiftung Werner Grund, rechts) gratulieren Gerda Bier. © Ufuk Arslan

Der Hohenloher Kunstverein zeigt in Langenburg einen Querschnitt durch das Schaffen von Gerda Bier. Sie wurde jetzt mit dem Hohenloher Kunstpreis ausgezeichnet.

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Langenburg. Gerda Bier sei „eine der herausragenden Künstlerpersönlichkeiten in Süddeutschland“, bescheinigen mehrere Redner Gerda Bier bei der Verleihung des Hohenloher Kunstpreises, der erstmals mit dem Namenszusatz „Werner Grund“ versehen ist.

Zum Festakt am Sonntag in der Orangerie des Schlosses Langenburg sind etwa 60 Wegbegleiter der Schwäbisch Haller Künstlerin gekommen. Gerda Bier erhält den mit 10 000 Euro dotierten Preis für ihr Gesamtwerk. Einen sehr schönen Einblick in ihr Schaffen erhält man in einer Ausstellung im Hofratshaus gleich nebenan.

Sägen, schweißen, glätten

Die Laudatorin Claudia Scheller-Schach erinnert sich an ein Lehrbuch für die Praxis der Bildhauerei, in dem Gerda Bier vor rund 30 Jahren abgebildet war – mit Schutzbrille; und um sie stieben Funken. Denn Skulpturen aus Eisen sind zentral in ihrem Werk.

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Ebenfalls zentral ist die Verwendung von Fundstücken aus Holz und Eisen. Gerda Bier sägt und schneidet, glättet und schweißt und arbeitet auch sonst viel handwerklich. „Wertstoffe“ heißt es in der Amtssprache, wenn Abfall gemeint ist. Aber für Gerda Bier haben diese Materialien tatsächlich hohen Wert.

Bier schaffe aus ihnen reduzierte, schmale, fragile menschliche Figuren, erläutert Scheller- Schach. „Das Eisen verleiht dem Menschen Halt und Schutz, es schränkt ihn aber auch in seiner Beweglichkeit ein“, interpretiert die Kunsthistorikerin die Wahl des Werkstoffs. In Kreuzformen, die bei Bier oft erkennbar werden, sieht sie eine Spiritualität über die Frömmigkeit hinaus. Neben der menschlichen Figur kommt bei Bier das Haus oft vor – manchmal überhöht zum Turm. Dies drücke ein Grundbedürfnis nach Schutz und Zuhause aus, meint Scheller-Schach.

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Und in ihren für die Wand gedachten Materialcollagen abstrahiere und reduziere sie die Formen gerade so weit, dass die Objekte noch als zeichenhaft gelesen werden können. Diese Collagen entstehen vor allem aus Papier und Textilien.

Künftig alle fünf Jahre

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Eine Jury aus zwölf Personen hat sich unter zwölf Bewerbungen für Gerda Bier entschieden, berichtet Susann Mathis als Vertreterin der Stiftung Werner Grund. Die Kunstvereins-Vorsitzende Renate Ziegler gibt einen kurzen Abriss der Vita von Gerda Bier: 1943 wurde sie in Schwäbisch Hall geboren, sie studierte in Berlin und ist seit 1975 Mitglied im Hohenloher Kunstverein. 1998 erhielt sie den Erich-Heckel-Preis des Landes Baden-Württemberg.

Der Hohenloher Kunstverein hat ab 1960 den Hohenloher Kunstpreis vergeben. Erster Preisträger war Werner Grund.

Zu dessen 100. Geburtstag gründete seine Witwe 2019 gemeinsam mit Familienangehörigen die Stiftung Werner Grund als Unterstiftung der Sparkassen-Stiftung. Ziel ist es unter anderem, den 1993 letztmals vergebenen Hohenloher Kunstpreis wiederzubeleben. Er soll künftig alle fünf Jahre verliehen werden. Das Preisgeld beträgt 10 000 Euro.