Historisch schlechter Waldzustand im Hohenlohekreis - Spätfolgen des Extremsommers 2018 werden jetzt deutlich sichtbar / Käfer und Pilze auf dem Vormarsch Den Wäldern droht die Katastrophe

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Bereits im Sommer und Herbst vergangenen Jahres sind in den Wäldern des Hohenlohekreises durch die extreme Trockenheit mehrere zehntausend Festmeter Schadholz angefallen.

Dramatische Schäden werden sichtbar: Das Landratsamt des Hohenlohekreises fürchtet erhebliche Folgen des Dürresommerns 2018. © Landratsamt
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Hohenlohekreis. Nun werden nach einer Darstellung des Landratsamts langsam „dramatische Folgeschäden“ sichtbar. Das Jahr 2019 droht zu einem Katastrophenjahr im Wald zu werden, so das Landratsamt in einer aktuellen Pressemitteilung.

Der Kupferstecher greift sogar den robusten Gastbaum Douglasie an

Das Landratsamt hat die haupt-Schadenserreger/Schadensbilder aufgelistet:

Buchdrucker: Der Borkenkäfer ist gefährlichster und vermutlich bekanntester Forstschädling überhaupt. Neigt zu großen Massenvermehrungen in der Fichte, befällt selten aber auch andere Nadelbäume. Dauerschädling, vor Ort zuletzt massiv in den Jahren 2004/2005 nach dem Trockenjahr 2003. Derzeit europaweit in katastrophalem Ausmaß aktiv.

Kupferstecher: Auch ein Borkenkäfer; etwas kleiner, aber kaum minder gefährlich als der Buchdrucker. Befällt vor allem jüngere Fichten, aber auch die schwächeren Teile (Kronen) älterer Bäume. Greift inzwischen auch die aus Amerika eingeführte Gastbaumart Douglasie an.

Buchenprachtkäfer: Dieser kleine , aber farbenprächtig glänzende Käfer ist ein Angehöriger einer wärmeliebenden, weil überwiegend in den Tropen beheimateten Gattung. Er befällt bei uns vor allem die Buchenbestände in besonders sonnigen oder trockenen Lagen.

Schwammspinner: Die Schmetterlingsraupen beginnen wenige Tage nach dem Schlüpfen in die Baumkronen zu ziehen, wo sie anfangs in junge Blätter Löcher fressen. Mit zunehmendem Alter und Größe verzehren sie die Blätter nahezu vollständig. Der Schaden ist weithin sichtbar und führt bei Massenbefall mancherorts zu flächiger Entlaubung.

Hallimasch: Dieser Pilz befällt vor allem Wurzelstöcke oder geschwächte Bäume und ist in der Wahl seiner Wirte nicht wählerisch. Er bildet unterirdisch riesige Teppiche und lange, wurzelartige Triebe. Die im Sommer und Herbst büschelartige hervortretenden Fruchtkörper werden mancherorts in großen Mengen als Speisepilze gesammelt und verzehrt.

Eschensterben: Wird durch einen Anfang der 2000er Jahre aus Südostasien eingeschleppten Pilz mit dem sperrigen Namen „Falsches Weißes Stengelbecherchen“ verursacht. Anfänglich sprach man noch von einem Triebsterben, das aber mittlerweile zu einem flächigen Absterben der bedeutenden Baumart führt. Forstwissenschaftler gehen heute davon aus, dass nur wenige Exemplare überleben werden. lra

Derzeit werden die Kronen vieler Nadelbäume schütter, die Nadeln braunrot und die Rinde beginnt vor allem in oberen Stammteilen abzublättern. Meist werden dort die kunstvoll erscheinenden Brutgänge sichtbar, die den beiden wichtigsten Borkenkäfern zu ihrem Namen verholfen haben: dem „Buchdrucker“ und dem „Kupferstecher“. Sie haben aufgrund der doch recht milden Winterwitterung oft putzmunter unter der Rinde überlebt und drohen, bei den ersten wärmeren Frühjahrstagen auszufliegen und neuen Befall zu verursachen. Allerdings sind auch Nadelbäume anzutreffen, die schlichtweg vertrocknet sind. Auch der als Speisepilz nicht unbekannte Hallimasch ist als Schwächeparasit gerade auf dem Vormarsch. Der Frischbefall ist nur an einem weißlichen Myzel nach entfernen der Rinde am Stammfuß erkennbar. Die durchaus schmackhaften Fruchtkörper treten erst ab Sommer zu Tage.

Die Folgeschäden bei den derzeit noch winterkahlen Laubbäumen sind noch nicht ganz so offensichtlich. Fachleuten fällt jedoch ein verstärktes Absterben einzelner Bäume ins Auge. Auch ein zunächst durch Astabbrüche in der Krone oder abblätternde Rinde erkennbarer Befall durch den farbenprächtigen „Buchenprachtkäfer“ hat massiv zugenommen.

Raupen gefährden auch Menschen

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Alarmierend ist auch die von den Förstern in den Wäldern festgestellte Gelegedichte des Schwammspinners. Die Raupen dieses Schmetterlings befallen bevorzugt Eichen, aber auch zahlreiche andere Laubbäume. Ihr Kahlfraß wird von gesunden Bäumen meist gut verkraftet, vorgeschwächte Bäume können aber auch flächig zum Absterben gebracht werden. Zudem drohen Risiken durch die von den Raupen gebildeten Brennhaare, die gesundheitsgefährdende Hautreizungen verursachen können.

Schon seit zehn Jahren beschäftigt Förster und Waldbesitzer das durch einen aus Asien eingeschleppten Pilz verursachte Eschensterben, was nun auch flächenhaft auftritt und dieser bedeutenden Baumart langsam den Garaus macht. Insgesamt befindet sich der Wald im Kreis, aber vermutlich auch in weiten Teilen Mitteleuropas in einem historisch schlechten Zustand.

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Derweil ist der Holzmarkt im Nadelholzbereich bereits seit den schweren Stürmen des Vorwinters in heftigsten Turbulenzen. Der Abtransport und der Verkauf des vom Buchdrucker befallenen Holzes stocken, der Preis ist verfallen, den Waldbesitzern schwinden Mittel für die Wiederaufforstung der Schadflächen. Die zunehmende Instabilität der Wälder verursacht Gefahren sowohl für Waldarbeiter als auch für Waldbesucher und Angrenzer. Durch Trockenheit und Pilzbefall ist das Wurzelsystem so geschwächt, dass manche Bäume auch ohne sichtbare äußere Einwirkung einfach umzukippen drohen.

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Forstamt, Förster und Waldarbeiter arbeiten mit Hochdruck an der Beseitigung der akuten Schäden. Das Forstamt fordert alle privaten Waldbesitzer auf, die Befalls- und Schadenssituation in ihren Wäldern, vor allem in den Fichtenbeständen stets im Auge zu behalten und eine Aufarbeitung zu veranlassen.

Bei der Kontrolle sollte das Augenmerk vor allem auf beginnenden Borkenkäferbefall gerichtet werden. Dieser ist an Einbohrlöchern, Bohrmehlhäufchen und einem Nadelabfall an den Wirtsbäumen bei noch anhaftender Rinde erkennbar. Von Nadelbäumen, die bereits weitgehend oder völlig rindennackt sind, geht keine Infektionsgefahr mehr für benachbarte Bäume aus.