Erntedankgottesdienst in Hohebuch - Festredner betonen Bedeutung der Landwirtschaft / Anerkennung ein wichtiges Anliegen Danksagen heißt auch die Arbeit wertschätzen

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mebu
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Prälat Ralf Albrecht stellte das „Bewahren und Bebauen“ in den Mittelpunkt seiner Festansprache. © Bauernwerk

Das Evangelische Bauernwerk hat einen großen Erntedankgottesdienst in die Saatguthalle auf der Domäne Hohebuch veranstaltet. Die Wertschätzung der Landwirte stand im Mittelpunkt.

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Hohebuch. Rund 150 angemeldete Gottesdienstbesucher lauschten der neuen Landesbauernpfarrerin Sabine Bullinger, die gemeinsam mit dem Waldenburger Pfarrer Meyer, der ebenfalls erst seit wenigen Wochen im Amt ist, den Gottesdienst gestaltete.

Bullinger predigte über die biblische Geschichte von der „Speisung der 4000“. Die Menschen kommen zu Jesus auf der Suche nach Hilfe und Zuspruch und er teilte Brot und Fisch, damit alle satt wurden.

Heute könnten alle von dem, was produziert wird, satt werden, so Bullinger, und machte auf das Verteilungsproblem in unserer Gesellschaft aufmerksam. Sie lobt die Arbeit der Landwirte und würdigte ihren unermüdlichen Einsatz für Nahrungsmittelproduktion und Landschaftspflege. Als die Landesbauernpfarrerin Landwirte fragte, was sie brauchen, kam als erste Antwort nicht die Klage über gesetzliche Anforderungen, sondern das Bedürfnis nach Respekt und Anerkennung aus der Gesellschaft sowie Wertschätzung für ihr Tun und der Wunsch nach einem Dankeschön.

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„Ist das zu viel verlangt?“, fragte Bullinger und betonte das menschliche Bedürfnis nach Würde und Respekt. Bei der Aktion „Lass mich nicht hängen“ der Stadt Schwäbisch Hall, wird Streuobst zum Selberpflücken freigegeben. Die Bäume produzieren wertvolles Obst, brauchen aber Hilfe, indem es andere verwerten. Erst durch die Verwertung wird es wertvoll. Bullinger zieht Parallelen zur Situation der Landwirte. Sie wollen wahrgenommen werden und brauchen dazu die Unterstützung anderer. Das Geben und Nehmen von allen Seiten sei wichtig, so Bullinger und nimmt Landwirte, Verbraucher, Politik und Händler miteinander in Verantwortung.

Die Festreden eröffnete Bernd Kraft, Vorsitzender des Evangelischen Bauernwerks. Danke sagen für die Ernte heiße Lebensmittel wertschätzen, so Kraft. In unserem Teil der Welt sei man den Überfluss gewohnt und vergesse oft, dass Landwirtschaft kein Selbstzweck sei. Er sorgte sich, dass Erntedank in der Gesellschaft nur noch als Randnotiz wahrgenommen werde, da alle Nahrungsmittel immer verfügbar sind. Auch ihm ist die Wertschätzung und Anerkennung der Landwirtschaft ein wichtiges Anliegen.

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Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch gab den Anstoß, zum Erntedankfest den Kirchengemeinden im Land ein Aktionspaket mit Materialien zur Wertschätzung von Lebensmitteln zur Verfügung zu stellen. Diese Materialien sensibilisieren im Umgang mit Lebensmitteln und geben Tipps zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung.

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Die Politikerin stellte fest, dass Corona bereits ein Umdenken mit sich gebracht habe. Lieferengpässe und unterbrochene Lebensmittelströme hätten klar gemacht, dass es nicht selbstverständlich sei, satt zu sein.

Die Wertschätzung beginne mit dem „Unser“, sagte Prälat Ralf Albrecht. Der 30. Jahrestag der deutschen Einheit, an dem der Erntedankgottesdienst stattfand, zeige das bewusste Bekenntnis zum „Unser“.

Als Botschaft aus dem Corona-Lockdown zog Albrecht die Erkenntnis, dass das Wesentliche nicht das ist, dem wir in Terminen hinterherjagen. Auch im Vaterunser stehe das Brot weit vorne, an wesentlicher Stelle.

Es verbinde Bewahren und Bebauen, das Urprodukt und das Handwerk, also Ökologie und Ökonomie, das ständige Zusammenspiel in der Landwirtschaft.

Der Heilbronner Prälat beschrieb Hohebuch als wichtigen Ort, an dem man geistig satt werde, und den er unterstützend mit in die Zukunft führen wolle.

Eine Erntekrone brachte Christan Leu, Vorsitzender der Landjugend Schwäbisch Hall, zum Erntedankaltar in Hohebuch. Die große Erntekrone, die in vielen Stunden von der Landjugend gebunden wurde, beschrieb er als Zeichen für eine Zukunft Hand in Hand, für Regionalität und als Symbol der Dankbarkeit.

Sowohl Pfarrer als auch Festredner betonten die Wichtigkeit der landwirtschaftlichen Arbeit und erinnerten daran, dass satt sein nicht selbstverständlich sei. mebu