In Rothenburg - Diakoneo-Einrichtung extrem betroffen, jetzt auch im Behindertenheim Infizierte / Bereits 13 Senioren gestorben Corona-Ausbruch im Seniorenzentrum

Von 
Dieter Balb
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Das Seniorenzentrum von Diakoneo in Rothenburg erlebte ein starkes Ausbruchsgeschehen bei Covid-19 Erkrankungen. © Dieter Balb

Lange Zeit hat es in Rothenburg gar nicht schlecht ausgesehen, was die Corona-Meldungen anbelangt, denn es gab nur wenige Infizierte. Doch dann schnellte die Zahl dramatisch hoch.

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Rothenburg. 144 Infizierte waren es in der Tauberstadt am 20. November. Den größten Anteil daran hat der Covid-19-Ausbruch im Diakoneo-Seniorenzentrum. Dort sind bereits 13 Bewohner an dem Virus gestorben. Aktuell kommt jetzt auch noch das Behindertenwohnen mit ersten Covid-Infizierten dazu.

Die offiziell maßgebliche Statistik ist die der Gesundheitsämter. So werden mit Datum vom 20. November in Landkreis und Stadt Ansbach 2405 bestätigte Corona-Fälle ausgewiesen, davon 458 in der Stadt Ansbach. Es sind insgesamt 50 Personen gestorben. Inzwischen lassen sich Gemeindestatistiken dazu im Netz aufrufen, was anfangs nicht möglich war. Rothenburg fällt hier mit 144 Infizierten auf. Es wird aber von Dinkelsbühl mit 226 und Feuchtwangen mit 207 Fällen übertroffen. Die Ursachen solch hoher Zahlen hängen mit Heimen zusammen. So ist die Situation im Altenpflegeheim Dinkelsbühl, was die Corona-Fälle bei Bewohnern und Personal betrifft, ähnlich wie in Rothenburgs Seniorenzentrum.

Mit 49 infizierten Bewohnern war fast die Hälfte der bis zu 111 Heimplätze betroffen. Derzeit wohnen noch 98 Frauen und Männer im Rothenburger Seniorenzentrum von Diakoneo (gleich hinter dem Krankenhaus gelegen). Unter den Mitarbeitern galten 27 als mit Covid-19 infiziert. Und nun kommen auch noch im „Diakoneo Wohnen” an der Bleiche (früher als „Heim Gottesweg” für Behinderte bekannt) neun Bewohner und zwölf Mitarbeiter dazu, die positiv auf Covid 19 getestet wurden. Eine Reihentestung brachte Aufschlüsse und es wird noch weiter ausgewertet.

„Hochbetagt und vorerkrankt“

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Wie hoch die Anteile an Frauen und Männern sind und um welche Altersgruppen es sich handelt, war bislang von der Pressestelle der Körperschaft des öffentlichen Rechts unter Hinweis auf den Datenschutz nicht zu erfahren, obwohl dies keine Persönlichkeitsrechte verletzen würde. Pressebeauftragte Christin Kohler sagt aber, dass die Verstorbenen „alle hochbetagt und vorerkrankt waren”. Grundsätzlich schwanke die Belegungszahl und alle Bewohner gelten als pflegebedürftig. Sie seien mit Grunderkrankungen auch in hohe Pflegegrade eingestuft. Die Pflege sieht man trotz Personalausfalls sichergestellt: „Unsere Mitarbeitenden vor Ort sind sehr engagiert, verzichten auf Urlaube und freie Tage”. Zusätzlich kann man im Unternehmen Diakoneo (ein Zusammenschluß der Diakonie Neuendettelsau mit der Diakonie Schwäbisch Hall seit 2019) auf die Unterstützung aus eigenen Einrichtungen zurückgreifen.

Was die Besuchsregelungen anbelangt, so dürften „selbstverständlich Sterbende von ihren Angehörigen begleitet werden“. Christin Kohler: „Wir statten sie mit Schutzkleidung aus und Bewohner wie Angehörige werden zusätzlich durch unsere Seelsorger betreut.” Wie der Virus ins Heim kam, sei nicht nachzuvollziehen. „Der erste positive Fall wurde bei einem Bewohner im Krankenhaus nachgewiesen”, ergänzt die Pressereferentin.

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Die direkte Diakoneo-Nachbarschaft zum Krankenhaus ist für die Pflegeheim-Bewohner im Notfall sehr vorteilhaft. Allerdings muss dies nicht automatisch eine Verlegung in die benachbarte Anregiomed-Klinik bedeuten. Wenn ein Bewohner ins Krankenhaus muss, läuft das übliche Prozedere ab, und der Rettungsdienst prüft, wo ein Platz frei ist. Christin Kohler: „Wünsche können geäußert werden, aber auch dann entscheidet der Notarzt mit dem Rettungsteam je nach Erkrankung und Belegstatus der Kliniken”.

Katastrophenschutz

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In allen drei Anregiomed-Krankenhäusern Ansbach, Rothenburg und Dinkelsbühl werden Covid-Patienten versorgt. Außerdem auch in den Diakoneo-Kliniken in Neuendettelsau und Strüth. Wichtig ist dabei die praktische Zusammenarbeit. Sie wird durch die „Führungsgruppe Katastrophenschutz” geregelt. Wie Anregiomed-Pressesprecher Rainer Seeger aus Ansbach erläutert, erfolgt dies in enger Absprache mit allen Teilnehmern der Akutversorgung: den Krankenhäusern, den niedergelassenen Ärzten, den Rettungsdiensten, der Integrierten Leitstelle und den Gesundheitsbehörden.

Was die Einzelversorgung an den Kliniken angeht, so gibt man hierzu keine aufgeschlüsselten Daten heraus, sondern verweist auf die tägliche Meldung der Bettenkapazitäten an das zentrale Divi-Intensiv-Register, an das 1300 Akut-Krankenhäuser in Deutschland angeschlossen sind. Rothenburg ist im Krankenhausbedarfsplan Bayern mit 165, Dinkelsbühl mit 145 und Ansbach mit 360 Planbetten ausgewiesen, was erstmal nichts über die tatsächliche Belegung aussagt. Die Anzahl der aktuell im Anregiomed-Verbund betreibbaren Intensivbetten variiert immer wieder, macht Rainer Seeger deutlich.

Der Verbund habe am 19. November 30 Plätze an intensivmedizinischer Kapazität gemeldet, davon 26 mit invasiver Beatmungsmöglichkeit. Täglich kann man über das Meldesystem sehen, welche Kliniken wofür aufnahmefähig sind. So war die Woche beispielsweise Rothenburg an einzelnen Tagen voll umfänglich verfügbar, während Ansbach abgemeldet blieb. Freitagfrüh wiederum stand die Klinik Rothenburg als „begrenzt verfügbar” im Info-System, während Dinkelsbühl voll verfügbar war (gemeint sind Monitoring, invasive Beatmung, Organersatztherapie und vollständige Intensivmedizin). Bei allen Einrichtungen sind es zwangsläufig meist Bewohner sowie Beschäftigte, die von Covid-19 betroffen werden. Auch Chefärzte und sogar der Vorstandsvorsitzende von Anregiomed, Dr. Gerhard Sontheimer, mussten anfang November wegen entsprechender Kontakte in Quarantäne geschickt werden.

Erfreuliches Testergebnis

Erfreuliche Nachrichten aus Rothenburger Heimen gibt es aber auch noch. So haben Reihentestungen zumindest bis zum 20. November unter Bewohnern und Mitarbeitern im BRK-Seniorenwohnen (Bürgerheim) ergeben, dass bisher niemand angesteckt ist. Jürgen Gachstetter von der Einrichtungsleitung des Heimes im Spitalhof: „Abgesehen vom erhöhten Aufwand durch Corona-Maßnahmen läuft unser Betrieb noch nach normalem Dienstplan”. Man sei sich aber klar, dass dies „nur eine Momentaufnahme” sein kann.

Die Experten sind sich einig, der beste Schutz ist vorbeugend Maske tragen, Abstand halten und viel lüften. Dass bei der Todesursache von teils hochbetagten Patienten mit Vorerkrankungen nicht immer klar ist, welchen Anteil Covid-19 wirklich hatte, ist allgemein bekannt, aber auch kein Trost. Die Recherche jedenfalls zeigte: Kliniken und Heime sind gut vorbereitet auf Corona-Patienten, aber das Personal ist oft bis zur Leistungsgrenze gefordert, zumal der Normalbetrieb ja auch funktionieren muss. Noch reichen die Intensivbetten auch bei schweren Covid-Fällen aus.

Autor Redakteur, Wort- und Bildjournalist, Video