Landwirtschaft - Hilfsringe Blaufelden und Crailsheim stehen unter Druck / Zahl der nebenberuflichen Springer geht zurück Betriebshelfer werden dringend gesucht

Von 
Oliver Färber
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Wenn ein Landwirt krank wird, muss trotzdem jemand aufs Feld oder in den Stall. Die Maschinen- und Betriebshilfsringe können helfen – wenn sie genügend Personal haben. Und genau daran mangelt’s. © Philipp Schulze

Die Maschinen- und Betriebshilfsringe Blaufelden und Crailsheim könnten mehr Fachleute einstellen, die Bauern in Notlagen auf deren Höfen unterstützen. Doch geeignete Bewerber fehlen.

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Der Bauer eines landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebs hat einen Unfall oder erleidet eine schwere Krankheit. Wo andere Selbstständige ihre Firma vielleicht dichtmachen können, geht das bei ihm nicht: Es gilt nämlich weiter, die Tiere in den Ställen zu versorgen und die notwendigen Arbeiten auf dem Feld zu erledigen, damit die Ernte nicht gefährdet wird.

Für solche Fälle bieten die Maschinen- und Betriebshilfsringe (MBR) Unterstützung an. Bei ihnen sind Betriebshelfer angestellt, die auf die Bauernhöfe entsandt werden, wenn der Landwirt ausfällt. Zumindest ist das ihr Ziel. Aber den Vereinigungen in Blaufelden und Crailsheim fehlt es – wie in anderen Branchen auch – an Personal.

Sechs hauptberufliche Betriebshelfer stehen dem MBR Crailsheim zur Verfügung, die er in seinem Baden-Württemberger Gebiet einsetzt, zwei weitere meist im Landkreis Ansbach. „Wir würden gerade jeden einstellen, der sich als Betriebshelfer meldet“, erklärt Karin Heynold, Einsatzleiterin für die Betriebs- und Haushaltshilfe. Denn wann sie die Kräfte benötige, sei stets unkalkulierbar.

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„2018 hatten wir einmal eine Flaute“, nennt sie ein Beispiel. Aber auch dann seien die Mitarbeiter nicht ohne Aufgaben, würden im Garten- und Landschaftstrupp eingesetzt, wo es auch ständig genug zu tun gebe. Den Vorteil, den die Crailsheimer haben: Heynold hat auf ihrer Liste auch acht nebenberufliche Betriebshelfer. Das sind Bauern, die selbst einen Betrieb haben, im Notfall aber bei einem Kollegen aushelfen. „Die sind ein riesengroßer Segen“, so die Einsatzleiterin.

Die fehlen indes Lothar Mühlenstedt beim MBR Blaufelden. Er hat zwar 22 Helferinnen und zehn Helfer hauptamtlich unter Vertrag, aber solche Springer hat er nicht. „Und unsere Mitarbeiter sind alle ausgebucht“, berichtet der Geschäftsführer. Das ganze Jahr stehe der MBR unter Druck, manchmal müsse ein Betriebshelfer abgezogen werden, um an anderer, dringender Stelle anzupacken. Manchem Hilfsersuchen müsse auch schweren Herzens eine Absage erteilt werden. „Wir sind deshalb in alle Richtungen aktiv, um Betriebshelfer zu gewinnen“, verrät er. Geeignete Kandidaten sollten eine Fachschule besucht haben, möglichst die Ausbildung zum Landwirt haben. „Aber wer 20 Jahre einen Betrieb gehabt hat, der ist natürlich auch für diese Tätigkeit geeignet“, fügt er hinzu.

Betriebe oft wechseln

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„Allerdings muss man natürlich den Job mögen“, gibt Mühlenstedt zu. Er bedeute, in kurzen Abständen immer wieder auf anderen Höfen aktiv zu sein, mal auf einem Milchvieh-, dann vielleicht auf einem Schweinemast-, darauf auf einem Ackerlandbetrieb. Oft müsse dabei harte Arbeit wie beim Ausmisten erledigt werden.

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„Für das Güllestreuen oder auch das Ausbringen von Pflanzenschutz finden sich dagegen schnell einmal junge Leute, die nur gerne mit dem Traktor fahren wollen“, weiß Heynold.

Es könne sein, dass man einmal nur ein paar Tage auf einem Anwesen tätig ist, auf dem nächsten bis zu 14 Wochen, wenn der Landwirt dort beispielsweise schwer erkrankt ist. Finanziert werde die Betriebshilfe über die Krankenkasse des jeweils notleidenden Bauern. Dass die Zahl der Helfer – vor allem auch der nebenberuflichen Springer – zurückgeht, dafür hat Heynold eine Erklärung. „Früher stand vielleicht noch der Sohn auf einem Hof zur Betriebshilfe bereit. Heute arbeiten aber schon alle Familien auf ihrem eigenen Hof am Limit“, berichtet die Fachfrau.

Und auch wer vielleicht anderen Kollegen in der Landwirtschaft helfen könnte, tut das nicht mehr unbedingt. Heynold findet klare Worte: „Auch bei den Landwirten nimmt das Ego zu. Und das ist schlimm, wo der Bereich doch eh zu knapsen hat.“