Polizeipräsidium Heilbronn - Kriminalstatistik für 2016 gestern vorgestellt / Höchste Aufklärungsquote beim Wohnungseinbruch landesweit Weiterhin eine der sichersten Regionen

Von 
Bernhard Müller
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Bei den Wohnungseinbrüchen erreicht das Polizeipräsidium Heilbronn die höchste Aufklärungsquote landesweit.

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Rückläufige Fallzahlen, gute Aufklärungsquoten beim Wohnungseinbruch, ein leichter Anstieg bei der Gesamtkriminalität: Das sind wesentliche Fakten aus der Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Heilbronn.

Blick in die Statistik

Das Polizeipräsidium Heilbronn (Stadt- und Landkreis Heilbronn, Landkreise Hohenlohe, Main-Tauber und Neckar-Odenwald) hat mit insgesamt 4407 Quadratkilometern die größte zu betreuende Fläche in Baden-Württemberg. Die Bevölkerungszahl ist von 829 857 im Jahr 2015 auf 842 253 im Jahr 2016 gestiegen; dies entspricht einem Zuwachs um 12 396 Personen (plus 1,5 Prozent).

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Odenwald-Tauber. Nachdem Innenminister Thomas Strobl am Vormittag die Kriminalstatistik Baden-Württembergs vorgelegte hatte, präsentierte Polizeipräsident Hartmut Grasmück am Nachmittag die regionalen Zahlen. Danach ging landesweit die Kriminalbelastung von 2015 auf 2016 um 2,8 Prozent zurück. Die Kriminalbelastung oder Häufigkeitszahl ist die Anzahl der bekannt gewordenen Fälle pro 100 000 Einwohner. Im Bereich Heilbronn stieg die Häufigkeitszahl im Jahr 2016 von 4160 im Vorjahr auf 4191 an, dies entspricht einem Anstieg von 0,7 Prozent. In der Gesamtentwicklung sei bei den Fallzahlen ein Anstieg um 2,3 Prozent (777 Fälle) von 34 522 im Jahr 2015 auf 35 299 im Jahr 2016 zu verzeichnen, so Grasmück. Dieser Anstieg sei hauptsächlich auf eine Steigerung in den Bereichen Sachbeschädigung (um 639 auf 4946), allgemeine Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz (um 363 auf 1769), Betrug (um 274 auf 5202) und Körperverletzung (um 154 auf 3569). Gleichwohl stehe "Baden-Württemberg mit der geringsten Häufigkeit in Deutschland auf dem ersten Platz. Im Ranking der sichersten Polizeipräsidien in Baden-Württemberg steht Heilbronn trotz des geringen Anstiegs der Fallzahlen hinter Tuttlingen auf dem zweiten Platz", unterstrich der Polizeipräsident. Ebenso sei Heilbronn wieder die zweitsicherste Großstadt in Baden-Württemberg.

Kriminalitätsbelastung

Die Kriminalitätsbelastung oder Häufigkeitszahl, die Anzahl der bekannt gewordenen Fälle pro 100 000 Einwohner, stieg im vergangenen Jahr um 2,3 Prozent (777 Fälle) auf 35 299.

Die Häufigkeitszahlen im Überblick:

Stadtkreis Heilbronn: 7553 Fälle 2016 (2015: 7595), minus 0,6 Prozent.

Landkreis Heilbronn: 3401 Fälle 2016 (2015: 3446), minus 1,3 Prozent).

Main-Tauber-Kreis: 3922 Fälle (2015: 3930), minus 0,2 Prozent.

Neckar-Odenwald-Kreis: 3513 Fälle (2015: 3286), plus 6,9 Prozent.

Hohenlohekreis: 4050 Fälle (2015: 3951), plus 2,5 Prozent.

Die Aufklärungsquote im Bereich des Polizeipräsidiums Heilbronn konnte im vergangenen Jahr auf den Fünf-Jahres-Bestwert von 59 Prozent gesteigert werden, was gegenüber dem Vorjahr eine leichte Steigerung von 0,3 Prozent entsprecht. So wurden von 35 299 Fällen 20 814 geklärt. Vor allem bei der Diebstahlskriminalität (Wohnungseinbrüche) könne das Polizeipräsidium (PP) Heilbronn hervorragende Ergebnisse aufweisen. Die Fallzahlen gingen im Vergleich zum Vorjahr um 279 Fälle auf 729 (minus 27,7 Prozent) zurück. 334 Fälle scheiterten im Versuchsstadium. "Mit einer Aufklärungsquote von 36,1 Prozent belegt das Polizeipräsidium Heilbronn landesweit den ersten Platz", betonte Grasmück nicht ohne Stolz. Dies stelle gleichzeitig die höchste Aufklärungsquote dar, die bei den derzeitigen Polizeipräsidien im Land im Zehn-Jahres-Vergleich erzielt worden sei. Dies erkläre sich auch daraus, dass sich die Ermittlungen verstärkt auch auf die Zusammenführung einzelner Wohnungseinbrüche zu Tatserien konzentrierten.

"Die äußerst motivierte Arbeit unserer Ermittler aus Schutz-und Kriminalpolizei in der eigens für die Bekämpfung des Wohnungseinbruchs eingerichteten Ermittlungsgruppe hat sich hier sehr deutlich niedergeschlagen", so Polizeipräsident Grasmück. Aber auch die Präventionsarbeit und die Sensibilisierung der Bevölkerung wirkten sich positiv aus. Hinzu komme die Präsenz, die die Polizei in Wohngebieten zeige.

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Bei den Tatverdächtigen handele es sich größtenteils um organisierte Banden, die in wechselnden Besetzungen Wohnungseinbrüche begingen. Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen lag im Jahr 2015 noch bei 57,4 Prozent, im Jahr 2016 waren es 84 Prozent. Darunter seien insbesondere Kosovaren, Rumänen und Albaner.

Straftaten

Bei den Straftaten gegen das Leben stiegen die Fallzahlen von 27 im Jahr 2015 auf 39 im vergangenen Jahr, was einem Anstieg um 44 Prozent entspreche. Damit hätten die Straftaten gegen das Leben im Bereich des PP Heilbronn im Jahr 2016 im Zehn-Jahres-Vergleich den Höchststand erreicht. Im gesamten Zuständigkeitsbereich seien zehn Personen ums Leben gekommen, im Jahr 2015 waren es 14. Betrachte man über den Vergleichszeitraum jedoch die durchschnittliche Zahl der getöteten Personen (11,9), so liege der Jahreswert 2016 noch knapp darunter.

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Bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung konnte erfreulicherweise für das Jahr 2016 ein Rückgang von 414 Fällen im Jahr 2015 auf 349 (minus 15,7 Prozent) festgestellt werden, erklärte der Polizeipräsident. Die Aufklärungsquote sei mit 83,4 Prozent nahezu konstant gegenüber 2015 geblieben. Die im November 2016 in Kraft getretene Gesetzesänderung, die das "Angrabschen" mit einem eigenen Tatbestand belegt, sei in der Statistik noch nicht explizit ausgewiesen. Das Angrabschen wurde bis Ende 2016 als sexuelle Beleidigung erfasst. Hier inbegriffen seien jedoch auch Fälle von verbaler Beleidigung mit sexuellem Inhalt. 2016 wurden insgesamt 195 Fälle angezeigt, 2015 waren es 220. 37,5 Prozent der Tatverdächtigen waren Nichtdeutsche, in 18 Fällen (19 Fälle im Jahr 2015) waren Asylbewerber/Flüchtlinge tatverdächtig.

Sachbeschädigungen

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Sorge bereite die deutliche Zunahme der Sachbeschädigungen. Hier stiegen die Fälle um 14,8 Prozent (639) auf 4946 und befänden sich damit auf dem Fünf-Jahres-Höchstwert. Dabei waren besonders Sachbeschädigungen an Kraftfahrzeugen (Reifenstecherei im Neckar-Odenwald-Kreis beispielsweise) oder auch Sachbeschädigungen auf Straßen und Plätzen.

Dabei mache sich oftmals mangelnder Respekt vor dem Eigentum anderer, zum Teil Frusthandlungen oder eine allgemeine Zerstörungswut bemerkbar. Vielfach seien dabei Alkohol und Drogen im Spiel, die zu einer gewissen Enthemmung führten. Dies gelte für das ganze Land, sagte der Polizeipräsident.

Eine leichte Steigerung um 3,4 Prozent (204 Fälle) weise die Straßenkriminalität auf. Waren es 2015 noch 5933 registrierte Straftaten, so ging die Zahl im Jahr 2016 auf 6137 nach oben.

Hier war vor allem der Anstieg der Sachbeschädigungen, die unter Straßenkriminalität subsumiert werden, ausschlaggebend. 43 Prozent der ermittelten Tatverdächtigen waren nichtdeutsch, im Vorjahr waren es 36 Prozent.

Aufklärungsquoten 2016

Die Aufklärungsquote wurde im Bereich des Polizeipräsidiums Heilbronn im Jahr 2016 auf den Fünf-Jahres-Bestwert von 59 Prozent gesteigert, was gegenüber dem Jahr 2015 eine leichte Steigerung von 0,3 Prozent entspricht. Von 35 299 Fällen wurden 20 814 geklärt.

Stadtkreis Heilbronn:6733 von 9258 Fällen (61,9 Prozent). 2015: 59,6 Prozent.

Landkreis Heilbronn: 6199 von 11 374 Fällen (54,3 Prozent). 2015: 55,3 Prozent.

Main-Tauber-Kreis: 3131 von 5184 Fällen (60,4 Prozent). 2015: 59,9 Prozent.

Neckar-Odenwald-Kreis: 3157 von 5021 Fällen (62,9 Prozent). 2015: 65,6 Prozent.

Hohenlohekreis: 2594 von 4462 Fällen (58,1 Prozent). 2015: 56,9 Prozent.

Redaktion Redakteur in der Main-Tauber-Redaktion